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"Es war nicht alles Pech." Joshua Kimmich (hinten) im Duell mit dem Berliner Maximilian Mittelstädt.

Nach Pleite gegen Hertha

Unerschütterliche Bierruhe beim FC Bayern

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Die schlechte Ausbeute der vergangenen Tage, zuletzt mit einem 0:2 gegen Hertha BSC, kratzt nicht am Urvertrauen des FC Bayern München.

Es ist ein Privileg des Urbayern, in sich zu ruhen. Zumindest ist das Selbstverständnis der Menschen im Freistaat so geprägt, und das schon seit Äonen oder zumindest, seitdem Bier gebraut wird. „Mia san mia“ heißt es bekanntlich auch beim FC Bayern, diese Haltung färbt nachweislich auf die Spieler ab, die ihre Wurzeln fern von München haben.

Am Wochenende verlor der Rekordmeister die Tabellenführung – kratzt das an den Nerven? Offensichtlich nicht. Niko Kovac gab den Sonntag frei, Robert Lewandowski und Thiago besuchten am Samstag mit ihren Frauen beispielsweise das Oktoberfest. Hund san’s scho, sagt der bayerische Volksmund. Und das ist anerkennend gemeint.

Die Münchner lassen sich auch von der schlechtesten Woche unter ihrem neuen Coach nicht aus der Bahn werfen. Fünf Punkte blieben in den Duellen mit Augsburg und Hertha liegen, die Tabellenführung ist futsch, doch es sind keine Alarmglocken zu hören. Vor einem Jahr, man vergisst das leicht in schnelllebigen Zeiten, war die Lage wesentlich dramatischer: Da schien Dortmund bereits mit fünf Punkten Vorsprung enteilt, Carlo Ancelotti packte seine Koffer. Diesmal sind die Borussen mit einem Zähler mehr auf ihrem Konto weiter auf Schlagdistanz. Kovac hat nichts zu befürchten. „Nach einer Niederlage fange ich nicht an, alles schwarz zu sehen“, sagte der Coach, „wenn wir in den beiden Spielen keine Chancen gehabt hätten, würde ich mir große Sorgen machen. So aber nicht.“

Die Abschlussschwäche sei das Einzige, an dem man arbeiten müsse, fand der Trainer, „und das machen wir täglich“. Das aber wirft dann schon die Frage auf, warum es plötzlich nicht mehr im Tor der Gegner scheppert. Es ist da eine kleine Tendenz zu erkennen; Augsburg lieferte eine Blaupause, wie man die Münchner Impulsgeber einengt, Hertha machte es noch besser. „Es war nicht so, dass wir acht hundertprozentige Torchancen hatten“, gab Joshua Kimmich zu bedenken, „ich glaube nicht, dass alles Pech ist“. Vor dem morgigen Duell mit Ajax Amsterdam in der Champions League müssen die Münchner Lösungen finden. Die Niederländer reisen als Gruppenerster an, sie hatten zum Auftakt 3:0 gegen AEK Athen gewonnen.

Hat der FC Bayern München tatsächlich Ladehemmungen?

Es ist nicht alles Pech – das wird sich vor allem in der Königsklasse zeigen; haben die Bayern tatsächlich einfach eine Ladehemmung – oder fehlen die Ideen, ihre Gegner auf eine Art zu beherrschen, wie es die Kaderstärke eigentlich darstellt? Auch die Abwehr ist nicht so sattelfest, wie sie sein sollte; vor allem die linke Seite lässt sich derzeit leicht aushebeln. Die vielen Rotationen, eigentlich ein bewährtes Münchner Stilmittel, haben dazu geführt, dass noch jeder seinen Platz sucht. Kovac moderiert alles durchaus charmant, es herrscht kein nennenswertes Murren – aber eine Elf, die sich vertraut, hat sich noch nicht gefunden.

Vor einer Woche habe man noch den Eindruck gehabt, „dass wir unbesiegbar sind – jetzt hat uns die Realität eingeholt“, so Thomas Müller. „Die, die den FC Bayern kennen, wissen, dass wir uns das nicht gefallen lassen werden“, sagte Kovac. Ob der gemeinsame Ausflug auf die Wiesn, der für den 7. Oktober angesetzt ist, als Strafmaßnahme schon gestrichen wurde, wollte ein Reporter in Berlin wissen. Kimmich lächelte. „Bisher nicht.“ Der 23-Jährige, vor drei Jahren aus Leipzig nach München gekommen, strahlte dabei unerschütterliche Bierruhe aus.

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