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Bakery Jatta wartet auf eine Anhörung beim DFB.

Bakéry Jatta

Die unendliche Geschichte

Neues Kapitel im Fall des gambischen Fußballprofis Bakery Jatta.

Bakéry Jattas Anwalt hat eigenen Angaben zufolge am Dienstag dem zuständigen Bezirksamt Hamburg-Mitte schriftliche Angaben zur Identität des Fußballprofis zukommen lassen. Nähere Einzelheiten wollte er nicht nennen. Eine Sprecherin des Bezirksamtes sagte auf Anfrage: „Sobald die Stellungnahme vorliegt, wird diese zügig geprüft.“ Dem „Hamburger Abendblatt“ sagte sie ergänzend: „Es ist uns bewusst, dass es auch für Herrn Jatta im Moment keine schöne Situation ist.“

Nach einem Bericht der „Sportbild“ soll es Zweifel an der Identität des Stürmers vom Zweitligisten Hamburger SV geben (die FR berichtete ausführlich). Der in Gambia geborene Jatta könnte einen anderen Namen haben und älter als von ihm angegeben sein. Der Fall beschäftigt auch den Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes. Der 1. FC Nürnberg, der VfL Bochum und der Karlsruher SC haben Einspruch gegen die Wertung ihrer verloren gegangenen Zweitligaspiele gegen den HSV eingelegt. Die Hamburger erklärtem wiederholt, voll hinter Jatta zu stehen und ihn weiter „voll umfänglich“ einzuplanen.

Aktuelle Entwicklungen: Bakery Jatta bedankt sich und kritisiert „Hexenjagd“

Das DFB-Sportgericht will im September zunächst den Einspruch des 1. FC Nürnberg weiterverhandeln. „Dann müssen wir sehen, ob das Auswirkungen auf andere Einspruchsverfahren hat“, sagte der DFB-Kontrollausschussvorsitzende Anton Nachreiner der „Welt“. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau recherchiert der 1. FC Nürnberg vor Ort in Gambia.

Nachreiner befürchtet einen langwieriges Verfahren. „Aus meiner Sicht ist nicht klar, ob eine abschließende Entscheidung ergehen kann oder ob man nicht sagen muss, das Verfahren muss man doch wieder aussetzen, bis etwa die Ausländerbehörde zu einem definitiven Ergebnis kommt. Der Fall Jatta könnte sich zu einer unendlichen Geschichte entwickeln“, sagte der Sportjurist.

Der Karlsruher SC begründete seinen Protest. „In jedem normalen Fall wird der Gegner Protest einlegen, wenn er mitbekommen hat, dass ein Spieler eingesetzt wurde, der keine Spielberechtigung hatte. Das ist ein ganz normaler Vorgang“, sagte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. Wellenreuther verwies auf die Pflicht der Verantwortlichen, die Interessen des Vereins zu vertreten. „Unabhängig von emotionalen Dingen oder davon, was wir selbst gerne hätten.“ Der DFB müsse „prüfen, wenn Zweifel an einer wirksamen Spielberechtigung vorliegen, ob diese Zweifel berechtigt sind beziehungsweise die Spielberechtigung in Ordnung ist“, sagte Wellenreuther. Das sei nicht die Aufgabe des KSC. „Und da erwarten wir nach drei Wochen endlich mal Klarheit“, forderte er.

Berater kritisiert Rassismus

Der KSC stellte sich damit ausdrücklich gegen einen Offenen Brief der KSC-Supporters: „Wir fordern den Karlsruher SC dazu auf, die auf dem Platz eingefahrene sportliche Niederlage anzuerkennen und keinen Protest gegen die Spielwertung einzulegen.“

„Da muss jetzt mal Schicht rein. DFL und DFB sind jetzt gefordert“, hatte zuvor HSV-Trainer Dieter Hecking betont. „Einen Spieler, der durch Vermutungen am Pranger steht, das finde ich irrsinnig“, ergänzte Hecking. Dass Jatta am Sonntag beim Hamburger 4:2-Sieg von KSC-Fans bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde, sei „einfach nur schade für den Jungen“. KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer sagte: „Das war nicht gut von unseren Fans. Dafür möchte ich mich entschuldigen.“

Im „Hamburger Abendblatt“ meldete sich Jatta-Berater Efe Aktas „Heute trifft es Bakery Jatta – morgen trifft es einen anderen Spieler“. Es mache ihn „sprachlos, dass im Jahr 2019 Rassismus immer noch salonfähig ist. Nichts anderes waren die Pfiffe in Karlsruhe. Gegen diese Tendenz muss sich die Fußballfamilie stemmen und ein klares Signal senden.“

Stadtrivale FC St. Pauli hat dem HSV unterdessen Rückendeckung gegeben. Drei Wochen vor dem Zweitliga-Derby gegen den HSV am 16. September soll sich der Kiezklub nach Informationen der „Hamburger Morgenpost“ entschieden haben, in keinen Fall Einspruch gegen die Spielwertung einzulegen. „Der menschliche Umgang in der Berichterstattung im Fall Jatta befremdet uns sehr“, teilte Vereinspräsident Oke Göttlich der Zeitung mit. (dpa/sid/FR)

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