Ziel zweite Liga: Tomas Oral, einst viele Jahre beim FSV Frankfurt beschäftigt.
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Ziel zweite Liga: Tomas Oral, einst viele Jahre beim FSV Frankfurt beschäftigt.

FC Ingolstadt mit Trainer Tomas Oral

Der Underdog strebt nach oben

  • Steffen Herrmann
    vonSteffen Herrmann
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Tomas Oral will den FC Ingolstadt wieder zurück in die zweite Liga führen und damit den Abstiegsunfall der Vorsaison reparieren. Mehr zu verlieren hat Relegationsgegner Nürnberg.

Tomas Oral hat etwas wiedergutzumachen. Im vergangenen Jahr beobachtete er als Trainer des FC Ingolstadt am Spielfeldrand, wie seine Schanzer gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden in der Relegation erst ein 2:1 holten, sich dann aber im Rückspiel 2:3 geschlagen geben mussten. Die Folgen: Abstieg aus Liga zwei in die dritte Spielklasse – und Oral musste gehen.

Aber Oral, einst viele Jahre als Spieler und Trainer beim FSV Frankfurt tätig, ging mit erhobenem Kopf, schließlich hatte er die lange Zeit abgeschlagenen Schanzer als Retter erst in die Relegation geführt. Seit März ist der 47-jährige Fußballlehrer nun zurück an der Donau – und will seine Mannschaft wieder in die Zweitklassigkeit zu führen: „Wir haben jetzt noch mal eine Riesenchance bekommen, um das wettzumachen, was wir letztes Jahr verbockt haben“, gab Oral die Richtung vor.

Schon am vergangenen Samstag sah es kurzzeitig so aus, als hätte Oral das Ziel erreicht: Für knapp zehn Minuten waren die Ingolstädter praktisch aufgestiegen, dann traf Würzburg in Halle und schob sich in der Tabelle an Ingolstadt vorbei auf einen direkten Aufstiegsplatz.

Es bleibt der Umweg über die Relegation. Dort wartet der 1. FC Nürnberg. Nur eine Stunde Fahrzeit liegt zwischen dem mittelfränkischen Zweitligisten und den oberbayrischen Ingolstädtern, doch die Stimmungslagen könnten unterschiedlicher nicht sein.

FCN-Fans machen Stunk

Während die Ingolstädter am Dienstag (18.15 Uhr) mit vier Siegen aus den letzten fünf Spielen zum ersten Relegationsspiel nach Nürnberg fahren, herrscht beim Klub seit Wochen Krisenstimmung. Nach einem Unentschieden am letzten Spieltag, das den Gang in die Relegation besiegelte, hatte Nürnbergs Trainer Jens Keller erklärt: „Jetzt müssen wir halt eine Ehrenrunde drehen.“

Die flapsige Aussage sorgte für viel Ärger im Klub. Inzwischen ist Keller seinen Job los, in die Ehrenrunde gehen die Nürnberger mit Michael Wiesinger und der Vereinslegende Marek Mintal. Die beiden Interimstrainer haben in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt, um der verunsicherten Mannschaft Stabilität und Selbstvertrauen zurückzugeben. Dabei ging es Wiesinger vor allem darum, die Spieler „bei der Ehre zu packen“ und „die Gemeinschaft zu fördern“.

Eigentlich war der Wiederaufstieg in die Bundesliga das Ziel der Nürnberger gewesen. Nun steht man vor dem Absturz in Liga drei – und auch die Beziehung zwischen dem Team und seinen Fans hat einen Tiefpunkt erreicht: Auf Facebook kritisieren Nürnberger Ultras nicht nur die Geisterspiele und das „kranke Fußballsystem“, sondern auch die eigene Mannschaft, „die es bisher nicht verdient hat, unsere Farben zu tragen“.

Acht Tage hatte das Nürnberger Trainerteam Zeit, das Team auf den Klassenerhalt in der Ehrenrunde einzustimmen. Den Ingolstädtern blieben nur zwei freie Tage zwischen dem letzten Liga- und dem ersten Relegationsspiel. Für Tomas Oral, der mit seiner Mannschaft zuletzt jeden dritten Tag gefordert war, nicht unbedingt ein Nachteil: „Wir haben uns im Dreitagesrhythmus der letzten Wochen sehr wohlgefühlt.“

Auch die Statistik macht den Ingolstädtern Hoffnung: In den vergangenen elf Jahren setzten sich acht Drittligisten durch, nur drei mal waren die Zweitligisten erfolgreich. Tomas Oral gibt sich also optimistisch: „Da wir dieses Jahr der Underdog sind, gehe ich fest davon aus, dass wir eine Chance haben.“ Es wäre die ersehnte Wiedergutmachung.

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