Ultras im Profifußball

Umparken mit Pfiff

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Die Fußballverbände und die Ultraszene können nur in einer Atmosphäre des gegenseitigen Zuhörens und mit der Bereitschaft zu etwas Nachdenklichkeit wieder zusammenfinden.

Die Fanbündnisse im Land sprechen nicht mit einer Stimme. Wer das im breiten Publikum noch nicht wusste, weiß es spätestens jetzt. Den zuständigen Leuten im Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball-Liga war das natürlich vorher schon klar. Und bei aller – gewiss nicht unberechtigten und auch an dieser Stelle hinreichend gewürdigten – Kritik aus der Ultraszene muss es den Verbänden schon erlaubt sein, mal dezent darauf hinzuweisen, dass sie mit kommunikativen Totalverweigerern schwerlich die Mindestanforderungen einer Gesprächskultur entwickeln können.

Diejenigen Fanvereinigungen, die nicht reden, sondern bloß handeln, schreien und schmähen wollen und nur sich selbst großmütig zugestehen, in ihren raren öffentlichen Statements wenig zielführendes „Fick dich DFB“-Brachialvokabular zu wählen, können sich der sektenhaften Begeisterung in Teilen der Ultraszene sicher sein. Aber sie sollten ebenso sicher sein, dass man sie abseits ihrer eigenen Community nicht mehr so respektieren kann, wie sie wohl gern respektiert würden. Also, um im allseits verständlichen Jargon zu bleiben: Auch wenn man die Gegenseite noch so bescheuert findet, bringt es nix, das ständig zu wiederholen, ohne nicht wenigstens den Versuch zu starten, mal ein paar Argumente auszutauschen. Und zwar in einer Atmosphäre des gegenseitigen Zuhörens und mit der Bereitschaft zu etwas Nachdenklichkeit.

Gut, dass solche Leute unter den Fans aber noch reichlich vorhanden sind, und gut, dass in der Szene eine Menge Menschen gibt, die Bock drauf haben, ihren Protest nicht nur dumpf und stumpf, sondern subtil und pfiffig zu formulieren und damit eher auf ein Umparken im Kopf der Fußballbosse hinwirken als mit bloßer Renitenz.

Was den DFB angeht, der nicht nur in der Ultraszene allenfalls als Witzfigurenkabinett angesehen wird, ist in der krisenhaften Entwicklung betrüblicherweise auch deutlich geworden, dass der seit einem halben Jahr amtierende Präsident Fritz Keller – von einzelnen aufgeregten Zuständen mal großzügig abgesehen – gewiss ein honoriger Mann sein mag. Der aber bislang mit den sicher komplizierten Ansprüchen an einen Anführer in einem derart verzwickten sportpolitischen Umfeld nicht mitgewachsen ist. Man muss sich wirklich fragen, wie es tatsächlich dazu kommen konnte, dass – noch dazu trotz Unterstützung eines Headhunters – im vergangenen Sommer nur mit diesem einen Kandidaten überhaupt ernsthafte Gespräche aufgenommen wurden.

Der Eindruck, den Branchenkenner schon bei der Vorstellung des damals noch designierten Verbandschefs nur halblaut zu äußern wagten, verstärkt sich gerade: Christian Seifert und Rainer Koch, die beiden hochintelligenten Alphatiere bei DFL und DFB, haben in Fritz Keller den größten gemeinsamen Nenner gefunden, ihre Interessen zu wahren. Seifert nur mit Blick auf das ungetrübte Wohl der Bundesliga? Koch auch mit Blick auch auf seine internationalen Bestrebungen, die ihn inzwischen in die Uefa-Exekutive geführt haben? All das ist natürlich allemal legitim, aber die Suche nach dem oder der Besten ist mutmaßlich weniger professionell vonstatten gegangen, als man es seinerzeit vorgab. Das fällt allen Beteiligten nun auf die Füße.

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