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Ultimatum für Silke Sinning und Ralf Viktora

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Von: Jan Christian Müller

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Schwerer Stand im HFV: Silke Sinning.
Schwerer Stand im HFV: Silke Sinning. © Imago

Der Hessische Fußballverband macht Druck auf zwei abtrünnige Präsidiumsmitglieder, die die vom Verband vorgegebene Richtung nicht mitgehen wollen.

Der Hessische Fußballverband hat seine Präsidiumsmitglieder Silke Sinning und Ralf Viktora ultimativ aufgefordert, entweder umgehend ihre Kandidatur für ein Amt im DFB-Präsidium im Team von Peter Peters zurückzuziehen oder ihre Funktionen im Hessischen Fußballverband (HFV) sofort niederzulegen. Dies geht aus einer Mail hervor, die das Portal torgranate.de zuerst veröffentlichte und deren Existenz der Frankfurter Rundschau aus gut informierten Kreisen bestätigt wurde. Der HFV dementierte das Ultimatum am Montagnachmittag auf FR-Anfrage ausdrücklich nicht: „Über interne Vorgänge im Rahmen von Präsidiumssitzungen gibt der HFV generell keine Stellungnahme ab.“

Viktora ist HFV-Schatzmeister und will nun DFB-Schatzmeister werden, Sinning ist im HFV zuständig für Frauenfußball und will im DFB für ein Vizepräsidentinnenamt Gleichstellung, Diversität und Nachhaltigkeit kandidieren.

Es geht um Rainer Koch

Hintergrund der großen Irritation bei Hessens Fußballchef Stefan Reuß: Er unterstützt nicht, wie Sinning und Viktora, Peter Peters, sondern dessen Gegenkandidaten Bernd Neuendorf. Außerdem ist der HFV-Präsident für eine weitere Amtszeit von Bayerns Fußballboss Rainer Koch. Das Team Peters mit den hessischen Delegierten Sinning und Viktora, die bei der Wahl am 11. März jeweils eine Stimme haben, will Koch dagegen loswerden.

Die Gräben könnten nicht tiefer sein. Das Ultimatum des auch von seinem eigenen Dachverband, dem Süddeutschen Regionalverband, unter Druck geratenen Hessischen Fußballverbandes lief am Montagabend ab, dem Vernehmen nach, ohne dass Sinning und Viktora darauf reagierten. Dann wäre nun wieder der HFV am Zuge.

HFV-Präsident Reuß begründet seinen Schritt auch damit, weiteren Schaden vom Hessischen Fußballverband sowie die Isolation des Verbandes im Amateurlager abzuhalten. Offenbar ist das gegenseitige Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört. Auch deshalb, weil nach FR-Informationen weder Sinning noch Viktora im Präsidium des HFV im vergangenen Herbst den Finger gehoben hatten, als gefragt wurde, ob jemand Ambitionen habe, im künftigen DFB-Präsidium mitzuarbeiten,

Vom Hessischen Verband war am Montag zu hören: „Der HFV hat sich von bestimmten Aussagen von Prof. Dr. Silke Sinning und Ralf Viktora distanziert, weil sie nicht die Meinung des Verbandes widerspiegeln. Aussagen auf einzelne Personen bezogen, geben die persönliche Meinung von Prof. Dr. Silke Sinning und Ralf Viktora wider.“ Dabei geht es offenbar vor allem um deren in Interviews geäußerter Kritik an Rainer Koch. Weiter heißt es vom HFV: „Die Unterstützung von Bernd Neuendorf zur Wahl als DFB-Präsident wurde gemeinschaftlich und nach reiflicher Überlegung getroffen. Es ist eine Stärke, einheitlich als Verband aufzutreten und das wollen wir auch zukünftig tun.“ Ergo: Sinning und Viktora werden als Abweichler und Quertreiber wahrgenommen. Beide wollten sich am Montag zu dem Ultimatum nicht öffentlich äußern. Sie verweisen zuletzt unter anderem auf ein anderes Demokratieverständnis.

Rückendeckung für Stefan Reuß

Das tat hingegen der Wiesbadener Kreisfußballwart Dieter Elsenbast. Er äußerte in einem in torgranate.de veröffentlichten Leserbrief seine „nachhaltige Rückendeckung für den Präsidenten und des Präsidiums in dieser Causa“. Das Ultimatum sei „von vielen Mitgliedern des Verbandsvorstandes abgefordert“ worden. Es habe „nicht das Geringste mit einem fehlenden Demokratieverständnis zu tun“, sondern es gehe „generell um eine zukünftige Zusammenarbeit auch im Süddeutschen Regionalverband“. Er frage sich, inwieweit die „bisherigen Arbeitsnachweise im HFV diese beiden (Viktora und Sinning, Anm. der Red.) befähigen sollten, nunmehr als Reformer des DFB auftreten zu können“.

Das Team Peters begibt sich dieser Tage auf Werbetour bei den Delegierten der Landesverbände.

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