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Wird immer ganz genau hinsehen was beim FC Bayern passiert: Uli Hoeneß.

Uli Hoeneß

Der Patron geht, die Glucke bleibt: Uli Hoeneß tritt als Bayern-Präsident ab

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Nach fast 50 Jahren beim FC Bayern München und 40 Jahren als Spiritus Rector gibt Uli Hoeneß seinen Ausstand.

An diesem Freitag (15.11.) wird Uli Hoeneß wieder einmal im Mittelpunkt stehen, und man darf davon ausgehen, dass sein Ausstand auf der Jahreshauptversammlung so triumphal geraten wird, wie er sich das wünscht und ihm auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Hoeneß sei der „Architekt“ und „Spiritus Rector“ des FC Bayern und habe „rauschenden Beifall“ verdient. Anders als im Vorjahr, als er erstmals von einem erheblichen Teil der Mitglieder ausgebuht wurde.

Derartiges muss er nun wohl kaum fürchten in der extra angemieteten Olympiahalle, die mehr als doppelt so vielen Menschen Platz bietet wie die sonst für die Konvente genutzte alte Rudi-Sedlmayer-Halle. Vorgesehen ist ein Abschied durchs ganz große Tor mit ebensolchen Emotionen. Und die dürfte Hoeneß gewohnt zuverlässig liefern, ebenso wie eine letzte, freie Rede als Präsident voller Wucht. Und dann, als künftig einfaches Mitglied im Aufsichtsrat bis November 2023? „Ich bin nicht so ehrgeizig, dem Verein jetzt weiter meinen Stempel aufzudrücken“, hat der 67-Jährige jüngst gesagt, „ich sehe mich in Zukunft als Elder Statesman, der seinen Rat anbietet, aber nicht aufdrängt.“

Kann sich Uli Hoeneß zurücknehmen?

Ob das wirklich so kommt, ob sich Hoeneß wirklich zurücknehmen kann, ist eine der spannenden Fragen, die seinen Ausstand begleiten. Eine andere ist, wie es ohne den Patriarchen an der Spitze nach fast 50 Jahren im Verein, davon mehr als 40 als Manager und Präsident, weitergehen wird. Und ob Hoeneß die Zeit nach ihm in der Hauptverantwortung in seinem Sinne wirklich weise geregelt hat.

Mit seinem Freund, dem ehemaligen Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer, 65, als Präsident und Aufsichtsratschef. Mit dem früheren Bayern-Torwart Oliver Kahn, 50, der vom 1. Januar an eingearbeitet werden soll und von Rummenigge, 64, übernehmen soll, wenn dieser Ende 2021 abtritt. Und mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic, 42, der auch intern teils kritisch gesehen wird.

Die Infrastruktur und die Wirtschaftszahlen sprechen dafür, dass Hoeneß’ Lebenswerk und Vermächtnis zukunftssicher aufgestellt ist. Als er 1979 mit 27 Jahren als Manager anfing, standen zwölf Millionen D-Mark Umsatz und sieben Millionen Schulden in der Bilanz. Nun liegen der Umsatz bei 750 Millionen Euro und der Gewinn nach Steuern bei 52,5 Millionen Euro, Letzterer beläuft sich auf 78 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Eigenkapital beträgt fast eine halbe Milliarde Euro.

Andererseits ist es sportlich zuletzt eher bergab gegangen. Unter Trainer Niko Kovac, von dem sich der Verein vor zwölf Tagen trennte, reichte es in der Vorsaison nur noch knapp zum Double aus Meisterschaft und Pokal. In der Champions League aber war im Achtelfinale Endstation. Kovac war wie Salihamidzic als Kompromiss ins Amt gekommen, weil sich Hoeneß und Rummenigge nicht auf andere Kandidaten verständigen konnten.

Nun wird ein langfristiger Nachfolger des Übergangstrainers Hansi Flick gesucht. Kahn hat sich auch schon zur Trainersuche geäußert und dabei in Teilen benannt, was der ebenfalls frühere Bayern-Kapitän Philipp Lahm bereits vor zehn Jahren kritisiert hatte und was viele auch an Hoeneß’ Wirken seit Pep Guardiolas Abschied 2016 bemängeln, nämlich die Entwicklung einer sportlichen Identität verschleppt zu haben. Es fehle eine klare Philosophie von den Profis bis zum Nachwuchs, eine übergeordnete Idee, hatte Lahm 2009 gesagt. Kahn sagte nun: „Man muss sich Gedanken machen, für welchen Fußball Bayern München steht, welcher Trainer dazu passt.“ Und es gehe darum, dass dieser eine Ära prägen könne.

Gerangel zwischen Hoeneß und Rummenigge prägt die vergangenen Jahre

Es ist kein Zufall, dass gerade auch sehnsüchtig über eine Rückkehr Guardiolas spekuliert wird, der derzeit Manchester City im vierten Jahr trainiert. Hoeneß scheint zumindest teilweise zu spüren, dass sein Rückzug für den Verein auch von Vorteil sein könnte. Würde er sich noch mal als Präsident bestätigen lassen, sagte er im „Kicker“, „würde ich die Entwicklung wieder drei Jahre aufhalten“. Hoeneß bezog das vor allem aufs leitende Personal.

Das Gerangel zwischen Hoeneß und Rummenigge hat die vergangenen Jahre geprägt, nachdem Hoeneß nach seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro Ende 2016 wieder ins Präsidentenamt zurückgekehrt war. Jene Glaubwürdigkeit, die Hoeneß’ Image über Jahrzehnte prägte, ließ sich nach der Haft nicht wieder herstellen. Wenn er nun poltert, polarisiert er nicht nur wie immer, sondern erntet auch vermehrt Kopfschütteln.

An diesem Freitagabend aber wird er gefeiert werden, auch für das, wofür sein Lebenswerk FC Bayern bewundert wird. Als erfolgreicher Familienklub, in dem Hoeneß oft seine soziale Kompetenz nachwies. Dieser Teil seines Wesenskerns soll erhalten bleiben, das wünschen sich wie Hoeneß viele im Klub. Aber er ahnt oder fürchtet, dass der FC Bayern ohne ihn an der Spitze „ein anderer Verein“ werden könnte. Es soll aber in seinem Sinne weitergehen, und dass er darüber wachen wird wie eine Glucke, auch ohne Spitzenamt, hat er erst vor wenigen Tagen klargemacht.

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