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Uli Hoeneß: Bayrischer Katar-Lobbyist

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Von: Thomas Kilchenstein

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Ehrenpräsident Uli Hoeneß.
Ehrenpräsident Uli Hoeneß. © dpa

Die Auftritte von Uli Hoeneß, dem Ehrenpräsidenten des FC Bayern, werden mehr und mehr zum Fremdschämen - ein Kommentar.

Es ist offenbar nicht so leicht, Uli Hoeneß zu sein und dann Leute reden hören zu müssen, die eine andere Meinung vertreten als man selbst. Das gibt es im Grunde in der Welt von UIi Hoeneß nicht. Was Uli Hoeneß meint und sagt, ist richtig, alles andere nicht. Man lebt damit vermutlich recht kommod, aber so funktioniert diese Gesellschaft eigentlich nicht.

Uli Hoeneß offenbart ein eigenartiges Verständnis von Demokratie, wenn er nach der im Großen und Ganzen deutlich harmonischer als im Jahr zuvor verlaufenen Jahreshauptversammlung des FC Bayern ein kritisches Mitglied hinterher offen verbal attackiert. Dessen Auftritt am Mikrofon sei „peinlich“, donnerte Hoeneß, man sei hier beim FC Bayern und nicht „auf der Generalversammlung von Amnesty International“. Und aus dem Mund von Uli Hoeneß klingt Amnesty International wie ein schlimmes Schimpfwort. Soll es wohl auch.

Es ging natürlich wieder um Katar, um den in der Tat umstrittenen Sponsoren-Deal mit Qatar Airways, der Vertrag läuft aus, und während die Bayern-Oberen Herbert Hainer und Oliver Kahn aus dem letztjährigen Kommunikationsdesaster gelernt haben und zumindest den Eindruck erwecken konnten, die Causa diplomatischer zu lösen, geriert sich Hoeneß wie der berühmte Elefant im Porzellanladen: polternd, rücksichtslos, hinterwäldlerisch. Er kann eine andere als seine Meinung nicht einfach stehen lassen, an einem sachlichen Diskurs hat er kein Interesse.

Es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass der vorbestrafte Mann, der 28.5 Millionen Euro an Steuern der Gemeinschaft unterschlagen hatte und dafür drei Jahre im Gefängnis saß, im öffentlichen Raum dazwischenfegt, wenn ihm etwas nicht passt. Unlängst erst ließ er sich in den „Doppelpass“ zuschalten, auch da ging es um Katar, um seine Sicht der Dinge lautstark kundzutun. Andreas Rettig, sein Gegenspieler und vehementer WM-Kritiker, nannte ihn später einen „Katar-Lobbyisten“ - genau das ist Uli Hoeneß, der zwar vorgibt, den FC Bayern in Schutz nehmen zu wollen (vor was eigentlich?), im Kern aber PR-Arbeit für das Emirat übernimmt.

Dabei hat der 70-Jährige seit drei Jahren kein offizielles Amt mehr bei den Bayern. Er ist Ehrenpräsident, nicht mehr und nicht weniger, er hat vornehmlich repräsentative Aufgaben, sollte eigentlich ausgleichend wirken. Das Gegenteil tut er, er polarisiert, spaltet, bringt die Leute auf.

Das hat er schon immer gern gemacht, Beißhemmung hatte der Wurstfabrikant nie, die Abteilung Attacke ist legendär. Mittlerweile aber sind seine Auftritte oft zum Fremdschämen geworden, unangenehm. Zuweilen hat man den Eindruck, da redet und verhält er sich wie ein emotionaler Fan - was nicht heißt, verbal derart daneben liegen zu müssen.

Aber ein Uli Hoeneß kann halt nicht aus seiner Haut. Als ernstzunehmender Gesprächspartner sammelt man damit kein Punkte.

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