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Der Strippenzieher muss loslassen.

Kommentar

Uli Hoeneß tut Bayern München einen Gefallen

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Nach FR-Informationen erfolgt der Abschied von Uli Hoeneß vom FC Bayern München nicht ganz freiwillig. In jedem Fall ist es ein richtiger Schritt. Der Kommentar.

Vorweg: Der Verzicht auf die Kandidatur als Präsident, die Uli Hoeneß Ende August zunächst dem Aufsichtsrat erklären wird, erfolgt nicht ganz freiwillig. Und hat weder etwas mit persönlichen Attacken auf der Mitgliederversammlung noch mit gesundheitlichen Problemen zu tun. Sondern nach FR-Informationen sind wichtige Vorstände beim FC Bayern zu der Erkenntnis gelangt, den Frontmann des FC Bayern diese Einsicht nahezubringen. Der stellvertretende Vorsitzende Jan-Christian Dreesen, zuständig für die Finanzen, Andreas Jung, verantwortlich für Marketing und Sponsoren wie auch Andreas Wacker, beauftragt mit der Internationalisierung und Strategie, sorgen sich schlicht um die Zukunftsfähigkeit des größten deutschen Fußballvereins.

Sie haben spätestens bei der grandios misslungenen Pressekonferenz im Herbst vergangenen Jahres gespürt, wie realitätsfern manch Blick des inzwischen 67 Jahre alten Mia-san-mia-Begründers auf das Business geworden ist. Der Strippenzieher muss loslassen. Lieber heute als morgen.

Es gehört zu den größten Sonderbarkeiten im deutschen Fußball, dass sich kaum jemand daran störte, dass der Aufsichtsratsvorsitzende seine Kernaufgabe offenbar darin sah, das operative Geschäft zu leiten. Ständig betrafen seine Wortmeldungen jene Bereiche, die eigentlich der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zu verantworten hatte. Dass die beiden Alphatiere anecken mussten, verwunderte daher nicht. So kann kein größeres Unternehmen heutzutage mehr geführt werden, wenn Befugnisse ständig missachtet werden. Einer soll operieren, der andere kontrollieren. Daran hat sich Hoeneß fast nie gehalten.

Daher tut der Patron seinem Herzensklub einen großen Gefallen, wenn er demnächst abtritt. Die Lebensleistung des Wurstfabrikanten muss weiter gewürdigt werden – das wird der FC Bayern auch tun -, aber man sollte sich auch daran erinnern, dass der Klub Titel einsammelte und guten Fußball anbot, als sein Oberhaupt eine Gefängnisstrafe verbüßte.

Hoeneß verpasste es danach, sich als repräsentierender Grandseigneur für die Vermittlung gesellschaftlicher Werte und die Stärkung der Jugend einzusetzen. Und wenn er sich in irgendeiner Form weiter für die Basketballer einsetzt, sollte er auch die eigenen Fußballfrauen nicht vergessen, die sich im Verein immer noch wie das fünfte Rad am Wagen fühlen müssen.

Es ist zu hören, dass bei der Rochade im Herbst auch Oliver Kahn schon mitgeredet hat. Der 50 Jahre alte Ex-Nationaltorhüter soll ab dem 1. Januar 2020 als Rummenigge-Nachfolger eingearbeitet werden und hat schlicht keine Lust darauf, sich von einem Übervater Hoeneß an die Wand drücken zu lassen.

Eng könnte es für Hoeneß-Ziehsohn Hasan Salihamidzic werden. Selbst wenn die Bayern beim Transfer von Leroy Sané für eine dreistellige Millionenablöse schon weiter sind als viele denken, werden dem überforderten Sportdirektor intern schwere Versäumnisse in der Transferpolitik angelastet. Salihamidzic’ Beförderung war ein typisches Machwerk eines Machers, der nicht mehr in die Zeit passt. Sein Rückzug ist nur schlecht für die Konkurrenz.

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