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Applaus für den No-Name-Mann.
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Applaus für den No-Name-Mann.

Niederlande

Denzel Dumfries: Ufo über rechts

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Kaum einer hatte Außenbahnspieler Denzel Dumfries vor der EM auf dem Schirm. Jetzt könnte der No-Name zum Star des Turniers werden.

Frank de Boer, das zieht sich bislang wie ein roter Faden durch diese Europameisterschaft, ist nicht als Ausbund guter Laune unterwegs. Es scheint fast, als müsste der Bondscoach bei der aktuellen Hochstimmung rund um die niederländische Nationalmannschaft den Spielverderber geben. „Wir haben ja die Erfahrung von 2008: Drei Superspiele – und dann, naja“, warnte der langjährige Nationalspieler nach dem 2:0 gegen Österreich. „Daran denke ich.“ Es sind keine schönen Gedanken.

Vor 13 Jahren hatten die Holländer erst Italien, dann Frankreich düpiert, rauschhaft sogar, auch Rumänien war zu schwach, doch als es bei der EM in Österreich und der Schweiz ernst wurde, zog Russland gleich im Viertelfinale den Stecker. Doch warum muss sich Geschichte eigentlich immer wiederholen? De Boer hat vielleicht schlicht keine Lust auf die Lobpreisungen, die jetzt über die „Oranjes“ hereinprasseln. Im Mittelpunkt dabei: Denzel Dumfries. Der 25-Jährige hat es geschafft, an allen fünf EM-Toren der Elftal beteiligt zu sein. Zwei hat er geschossen, drei vorbereitet. Gegen die überforderte ÖFB-Auswahl holte er erst einen Elfmeter heraus, weil ihm David Alaba auf den Fuß trat, dann vollendete er einen Konter zum 2:0.

Das zweite Mal war er der Matchwinner. Als Außenverteidiger. Oder ist er doch ein Außenstürmer? Es gehört zu den großen Errungenschaften unter de Boer, dass die Umstellung auf ein 5-3-2-System – heftig kritisiert im Land mit dem Faible für den klassischen Flügelstürmer in einem fast heiligen 4-3-3-System – erst diese Freiheiten für die Rakete auf rechts ermöglicht hat. Denn Dumfries steht auf der rechten Seiten genau wie Patrick van Aanholt extrem hoch. Über die 90 Minuten sind beide so postiert, dass sie mit dem Angriffsduo Wout Weghorst und Memphis Depay eigentlich zumeist einen Vier-Mann-Angriff bilden.

Das neue System ermöglicht also einem international bislang gar nicht sonderlich groß bekannten Abwehrspieler des PSV Eindhoven mit erst 21 Länderspielen, seinen Marktwert nach oben zu treiben. „Wir befinden uns in einem guten Rhythmus, um weit zu kommen. Die EM wird langsam mein Kindheitstraum“, sagte Dumfries danach. „Schön, dass ich bei allen fünf Treffern dabei sein dürfte. Das Turnier ist aber noch lang, und unser Fokus liegt auf einer größeren Geschichte. Wir wollen noch mehr.“ Das Ticket fürs Achtelfinale in Budapest hat seine Mannschaft sicher, vielleicht gibt de Boer einigen Stammspielern gegen Nordmazedonien am Montag sogar eine Pause.

Freiheiten genutzt

Dumfries könnte es Gelegenheit geben, über seine Zukunft nachzudenken. Angeblich soll sogar Bayern München um ihn buhlen, aber der Deal könnte für den deutschen Meister teuer werden. Der Überflieger wird von Mino Raiola beraten, der sich wegen der forschen Auftritte seines Mandanten schon jetzt die Hände reiben könnte. Dass ein Rechtsverteidiger mal so groß herauskommt, der gegen die Ukraine erst sein erstes Länderspieltor erzielte, hat nicht mal der gerissene Agent kommen sehen.

Der 1,89-Meter-Mann wurde in Rotterdam geboren. Sein Vater stammt von der Karibik-Insel Aruba, die Mutter aus Surinam im nördlichen Südamerika. Mit 17 Jahren spielte er zwei Mal für die Nationalmannschaft Arubas, entschied sich aber wegen der besseren Perspektiven dann doch für die Niederlande, für deren A-Team er erst im Oktober 2018 debütierte. Den Einstand gab er auch in der Amsterdam Arena, die damals noch bis auf den letzten Platz gefüllt war: Die Niederlande schickten damals in der Nations League den Rivalen Deutschland mit 3:0 auf die Bretter. Dumfries spielte unauffällig.

Unter dem damaligen Bondscoach Ronald Koeman sollte der unerfahrene Rechtsverteidiger erstmal nur seine Seite absichern. Erst Frank de Boer hatte den Mut, den taktischen Zuschnitt zu verändern. Und Dumfries blüht förmlich auf: „Wir sind wirklich überrascht, dass er so gut spielt“, sagte Kapitän Georginio Wijnaldum: „In unserem System hat er mehr Freiheiten, nach vorne zu gehen.“. (mit dpa/sid)

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