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Uefa warnt vor zu hohen Erwartungen an den neuen Videobeweis

Aleksander Ceferin wirkte ziemlich angefressen, und das lag auch an Niko Kovac und Lucien Favre. „Mangelnden Respekt“ warf der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) den Trainern von Bayern München und Borussia Dortmund sowie von acht weiteren Spitzenklubs in der vergangenen Woche vor – weil sie den letzten Workshop vor der Einführung des Videobeweises in der Champions League einfach geschwänzt hatten.

„Wenn sie sich über die Schiedsrichter beschweren, hätten sie sich wenigstens anhören sollen, was die Experten zu sagen haben“, sagte Ceferin. Immerhin erwähnte der Slowene fast lobend, dass unter anderem Thomas Tuchel (Paris St. Germain) und Schalke-Coach Domenico Tedesco am 4. Februar pflichtbewusst zur Schulung nach Frankfurt gereist waren. Jürgen Klopp war entschuldigt, der FC Liverpool spielte am gleichen Tag bei West Ham United.

„Der VAR ist nicht perfekt“

Die aber, die sich hatten vertreten lassen, „haben keine Entschuldigung mehr“, sagte Ceferin, sollte es in den Achtelfinalspielen zu Unklarheiten kommen. Nach monatelanger Vorbereitung sieht sich die Uefa zwar gut vorbereitet auf die Premiere des „VAR“ (Video Assistant Referee) in der Königsklasse – Schiedsrichterchef Roberto Rosetti warnte dennoch vor zu hohen Erwartungen.

„Der VAR ist nicht perfekt“, sagte der frühere Weltklassereferee am vergangenen Mittwoch: „Hinter dem Bildschirm sitzt immer ein Mensch, das ist klar. Wir müssen weiter daran arbeiten, die falschen Entscheidungen zu reduzieren.“ Auf die zusätzlichen Torrichter, deren Sinn in den vergangenen Spielzeiten oft infrage gestellt worden war, verzichtet die Uefa im wichtigsten Europapokal künftig.

Die Regeln für den VAR in der Champions League beruhen auf dem auch für die Bundesliga maßgebenden Protokoll des International Football Association Board (Ifab). Der größte Unterschied ist, dass es bei der Uefa keinen zentralen „Videokeller“ gibt. Wegen der technischen Voraussetzungen durch verschiedene TV-Signale und der Tatsache, dass längst nicht alle europäischen Ligen den Videobeweis nutzen, setzt der Dachverband auf mobile Arbeitsplätze vor Ort.

„Wir haben in den letzten Monaten technische Tests durchgeführt, die erfolgreich verlaufen sind, und die Schiedsrichter entsprechend geschult“, sagte Rosetti: „Danach haben wir das System bei einzelnen Spielen getestet und die letzten operativen Vorbereitungen vorgenommen. Jetzt sind wir bereit.“ In der Europa League wird immerhin das Finale in Baku (29. Mai) vom VAR überwacht werden, ebenso der Uefa-Supercup im August. (sid)

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