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Einiges gefällt dem Bundestrainer nicht.

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Übertünchte Mängel bei der DFB-Elf

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Die deutsche Nationalmannschaft braucht viel Geduld beim Weg zurück an die Weltspitze. Der Kommentar.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Diese von Lehrvater Sepp Herberger vorgebrachte Binsenweisheit hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Wann haben deutsche Nationalspieler schon mal so schnell ein Länderspiel abgehakt, um den Fokus auf den Vereinsalltag zu lenken wie am Montagabend in Belfast? Julian Brandt und Marco Reus, Marcel Halstenberg und Serge Gnabry übten sich alsbald in gegenseitigen Sticheleien zum bevorstehenden Bundesligaspieltag. Teilweise standen die Protagonisten vor laufender Kamera wenige Meter auseinander. Der Zufall will es, dass am Samstag erst Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen, dann RB Leipzig gegen Bayern München antritt. Man sieht sich also schnell wieder.

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Nach dem Arbeitssieg herrscht einen neue Demut

Brandt im neuen BVB-Dress gegen seinen alten Leverkusener Kumpel Kai Havertz: Das ist ein komisches Gefühl für den Blondschopf, der gegen Nordirland Werbung in eigener Sache betrieb. Was wiederum Leipzigs Torjäger Timo Werner nicht gelang, der allen Skeptikern seiner Verpflichtung in München neue Nahrung lieferte. Immerhin kündigte Werner forsch an, seine in den EM-Qualifikationsspielen aufgetretene Torpause gegen die Bayern umgehend zu beenden. Gnabry flüsterte noch im Windsor Park dem ersten deutschen Torschützen Halstenberg zu, auch dem Tabellenführer jetzt „einen reinzuhauen“. So hat es der Leipziger Linksverteidiger geschildert, der das natürlich verhindern will. Mitunter wirkten diese Doppelpässe in der Mixed Zone eingespielter als die Kombinationen auf dem Platz.

Langer Weg zurück an die Weltspitze

Ein Ablenkungsmanöver waren diese Themen allemal. Die Nationalmannschaft braucht viel Geduld beim Weg zurück an die Weltspitze. Grundsatzdebatten über den Leistungsstand sind da eher lästig. Allemal leichter, sich am Brot-und-Butter-Geschäft Bundesliga zu berauschen, das zuerst von der Binnenbetrachtung lebt. Bundestrainer Joachim Löw hat zuletzt angedeutet, dass ihm einiges an der verklärten Sichtweise hierzulande nicht gefällt. Zu viel Pressing, zu wenig Kreativität? Zu viel Taktik, zu wenig Automatismen? Darüber wird Löw irgendwann noch sprechen.

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Frappierend ist, dass BVB-Kapitän Marco Reus, Deutschlands Fußballer des Jahres, mit seiner Raffinesse in der Liga oft als Unterschiedsspieler auftaucht, dann aber in der Nationalmannschaft bis zur Unkenntlichkeit verblasst. Und Leipzigs Tempostürmer Werner kann zwar Gladbacher Gegenspielern enteilen, nicht aber niederländischen Weltklasseverteidigern. Insofern ganz gut, dass dem vierten Spieltag gleich die ersten Aufgaben in Champions League und Europa League folgen. Als echter Gradmesser für die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs.

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