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Größer und schlanker als der Vater: Ianis Hagi, Sohn der rumänischen Legende Gheorghe Hagi.

U21

Ianis Hagi - Der Thronerbe

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Der Rumäne Ianis Hagi hat einen berühmten Vater – und macht sich bei der U21-EM doch einen eigenen Namen.

Für den Tumult rund ums Stadion von Cesena konnte Ianis Hagi nichts, aber es ging nunmal um seinen Namen und um all das, wofür der Name steht. Das ist sehr viel.

Wer Hagi bei Youtube eintippt, gelangt auf die Spuren einer Legende. Gheorghe Hagi, 54, hat in seinem langen Fußballerleben wundervolle Dinge vollbracht, für Real Madrid, den FC Barcelona, Galatasaray Istanbul, natürlich auch im leuchtend gelben Trikot der rumänischen Nationalmannschaft, Rückennummer 10. Wie sehr ihn seine Landsleute auch heute noch verehren, sah man nun also am Stadion von Cesena, wo sich eine aufgeregte Menschentraube um den inzwischen eher beleibten Altstar bildete. Handyvideos der Szene sind auf Youtube hochgeladen. Die Meisten trugen das Shirt mit der zehn und dem Namenszug Hagi auf dem Rücken, es ist ein Trikot, das für die Vergangenheit des rumänischen Fußballs steht, und inzwischen auch für die Zukunft. Ianis Hagi, 20-jähriger Legendensohn, läuft bei der EM in Italien für die U21-Nationalmannschaft seines Landes auf, als Spielmacher, mit der zehn. Was sonst?

Der Vater gibt Tipps

Ianis Hagi ist gerade dabei, sich einen eigenen Namen zu machen, und dass es sich dabei um den gleichen handelt wie bei seinem berühmten Vater, stört ihn nicht groß. „Ich verspüre deshalb keinen Druck – mein Vater ist für mich ein Idol“, sagt Hagi vor dem Halbfinale am Donnerstag gegen Deutschland (18 Uhr/ZDF): „Ich hoffe, eines Tages in seine Fußstapfen treten zu können.“ Aber: „Ich bin Ianis und möchte auch Ianis bleiben.“

Vergleiche scheut er. „Er hatte seine Qualitäten und ich habe meine. Er war schneller und torgefährlicher, ich spiele lieber Pässe und bereite Tore vor.“ Und auch Gheorghe Hagi, 1,72 Meter, findet, dass Ianis Hagi, 1,81 Meter, „nicht wie Gheorge Hagi spielt, eher wie Zinedine Zidane. Im Gegensatz zu mir ist er beidfüßig, größer und schlanker. Er ist ein absoluter Playmaker“, sagte der 125-fache Nationalspieler einst in einem Interview mit dem Fußballmagazin „11 Freunde“. Und als würde das als Vergleichsmenge nicht genügen, bezeichnete er seinen Sohn vor Kurzem noch als „rumänischen Xavi“.

Ianis Hagi ist jedenfalls Kopf und Herz der rumänischen U21, die sich in der Gruppe mit Frankreich und England eindrucksvoll als Erster für das Halbfinale qualifizierte. Wie einige Teamkollegen soll er bei den Scouts der großen europäischen Klubs auf dem Zettel stehen, der FC Arsenal soll interessiert sein, auch Galatasaray Istanbul, der alte Klub des Papas. In Istanbul kam Ianis Hagi 1998 zur Welt.

Nach einem verfrühten Wechsel zum AC Florenz spielt Hagi wieder in der rumänischen Heimat, in der ersten Liga beim FC Viitorul, für den er mit 16 debütierte. Vater Gheorghe, der den Klub 2009 selbst gründete, ist dort Trainer. Auch bei der EM in Italien ist er um Ratschläge für den Filius nicht verlegen, ruft ihn an, schickt ihm Nachrichten aufs Handy mit Tipps fürs nächste Spiel. „Er kennt alle unsere Gegner und hilft mir mit ein paar Tricks“, sagt Ianis Hagi: „Aber zum größten Teil weiß ich, was ich tun muss.“ Beim 4:1 gegen Kroatien und beim 4:2 gegen England gelang ihm jeweils ein Tor, jeweils per Linksschuss, was seine Beidfüßigkeit unterstreicht. Sein nachweislich schönstes Tor, ein famoser 30-Meter-Schuss für Viitorul, erzielte er neulich mit dem rechten Fuß, als wäre es das Leichteste auf der Welt.

Im Schatten des großen Namens haben in Italien aber auch andere Talente beeindruckt beim Überraschungsteam Rumänien, erstmals seit 1998 bei einer U21-EM-Endrunde dabei, damals als Gastgeber automatisch qualifiziert. Torhüter Ionut Radu brachte es beim FC Genua in der Italienischen Serie A in der abgelaufenen Saison auf 33 Einsätze, im Angriff wirbeln rund um Hagi Mittelstürmer George Puscas von US Palermo und Flügelflitzer Florinel Coman von FCSB, früher als Steaua Bukarest bekannt. Zehn Spieler aus dem aktuellen Kader liefen bereits für die A-Nationalmannschaft auf, die Rede ist schon von einer neuen goldenen Generation.

Die alte goldene Generation um Gheorghe Hagi, Gheorghe Popescu sowie die ehemaligen Bundesligaprofis Ioan Lupescu und Dorinel Munteanu war 1994 bei der WM in den USA erst im Viertelfinale gescheitert, im Elfmeterschießen gegen Schweden, vier Jahre später war in Frankreich im Achtelfinale Schluss. Die dunklen Zeiten, die bald darauf anbrachen, könnten nun ein Ende haben. Auch dank eines großen Namens, der in neuem Glanz erstrahlt. (mit sid)

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