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Tweet am Thema vorbei

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Von: Frank Hellmann

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Gleiche Leistung, gleiches Geld? Die Diskussion geht weiter. Foto: dpa
Gleiche Leistung, gleiches Geld? Die Diskussion geht weiter. Foto: dpa © dpa

Kanzler Olaf Scholz setzt sich auf Twitter für gleiche Bezahlung der Fußballerinnen ein. Das klingt gut, ist aber nur populistisch. Ein Kommentar.

Es geht in diesen Tagen voran mit dem deutschen Frauenfußball. Endlich, endlich, sagen viele, die ein angenehm bodenständiges Nationalteams länger verfolgen, das sich viel zu lange hinter der enormen Medienpräsenz des Männerfußballs verstecken musste. Wie im Übrigen ja auch viele andere Sportarten in Deutschland. Nun haben 8,02 Millionen Menschen bei der ARD das zweite Gruppenspiel der Frauen-EM 2022 gegen Spanien gesehen. Womöglich geht spätestens zum Viertelfinale noch mehr.

Wenn Sportereignisse diesen Grad an Aufmerksamkeit erreichen, binden auch Politiker gerne ihre Schleife drum. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schien nur Daumendrücken wohl ein bisschen zu billig gewesen, also twitterte er seine Haltung zum Equal Pay dazu: „Wir haben 2022. Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden. Das gilt auch für den Sport, besonders für Nationalmannschaften.“

Aha. Hört sich ja erst einmal gut an. Geht aber bei vertiefender Betrachtung am Thema weiter vorbei als ein vom Spann verrutschter Schussversuch. Wer bei der EM in England in Stadien, Hotels oder Pubs mit Spielerinnen, Angehörigen oder Beratern in die Debatte einsteigt, hört überall dasselbe: Das Wichtigste zuerst ist: Equal Play, gleiche Bedingungen. Diesbezüglich sind die DFB-Frauen gleichberechtigt, haben dasselbe Vorbereitungscamp genutzt und dieselbe Ausstattung an Helfern und Hilfsmitteln bekommen.

Die reflexartige Forderung nach gleicher Bezahlung ist weder umsetzbar noch förderlich. Es gibt differenzierte Wortbeiträge der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Kurzfassung: Sie plädiert für weniger bei den Männern und ein bisschen mehr bei den Frauen. 400 000 Euro Prämie wie bei den Männern hält sie für ein Hirngespinst. Sinngemäß. Insofern hat DFB-Direktor Oliver Bierhoff verwundert reagiert; und Scholz eingeladen, sich ans Zahlenstudium zu machen. Im DFB-Finanzreport ist ja nachzulesen, dass das Frauen-Nationalteam ein kleines Minus (1,5 Millionen Euro) und die Männer-Nationalmannschaft ein dickes Plus machen (40 Millionen Euro). Ganz nebenbei: Mit der EM-Rekordsiegprämie von 60 000 Euro für seine Frauen steht der DFB im internationalen Vergleich weit oben, wie das Magazin „Forbes“ ermittelt hat. Nicht bei jedem Verband, der die gleiche Bezahlung verkündet, ist wirklich Equal Pay drin. Deshalb ist die Thematik nicht in einem Tweet zu fassen, in dem eine Prise Populismus mitschwingt.

Natürlich sollen Fußballerinnen bald noch mehr bekommen. Es ist auch dringend nötig, über ein Mindestgehalt in der Frauen-Bundesliga nachzudenken, damit jede Spielerin professionell diesen Job ausüben kann. Das Problem der Klubs: Auf der Einnahmeseite stehen im Schnitt 1,3 Millionen Euro, auf der Ausgabenseite aber 2,5 Millionen Euro. Das ändert sich erst, wenn Sponsoren und TV-Rechteinhaber bereit sind, höhere Preise zu zahlen. Dafür muss das Produkt nachgefragt werden.

Das sind Prinzipien der freien Marktwirtschaft. Der Kanzler will diese sicher nicht vollends außer Kraft setzen. Er könnte aber seinen Respekt zeigen, in dem er doch mal ein Frauen-Länderspiel besucht. Und nicht erst eilig nach London reist, wenn in Wembley am 31. Juli plötzlich ein Endspiel mit deutscher Beteiligung steigt.

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