Kevin Vogt schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Der Abstieg von Werder Bremen rückt näher.
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Kevin Vogt schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Der Abstieg von Werder Bremen rückt näher.

Abstiegskampf

„Das tut richtig weh": Werder-Abstieg rückt immer näher

War es das für Werder Bremen? Nach über neun Monaten ohne Heimsieg verliert der Tabellenvorletzte  auch am Sonntag. Die Spiele werden immer weniger, die Fehler bleiben die gleichen. 

Bremen - Florian Kohfeldt gab sich gar nicht erst die Mühe, seine Enttäuschung zu überspielen. "Das tut richtig weh", sagte der Trainer von Werder Bremen nach dem 0:1 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg. Seine Mannschaft läuft dem Relegationsplatz weiter hinterher. Sie hat nun schon seit mehr neun Monaten kein Heimspiel gewonnen. Und sie wird am Ende dieses Monats aus der Fußball-Bundesliga absteigen, wenn sie nicht an den letzten vier Spieltagen die großen Schwächen abstellt, die sie nun schon seit 30 Saison-Wochenenden begleiten.

Gegen Wolfsburg war die Leistung zumindest ordentlich. Doch wieder einmal war Werder vorne viel zu harmlos. Und wieder einmal ließ man den Wolfsburger Wout Weghorst hinten bei seinem entscheidenden Tor in der 82. Minute einfach laufen. "Die Enttäuschung ist sehr groß, aber der Kampfeswille ist ungebrochen", sagte Kohfeldt hinterher. "Was uns Mut macht - so komisch das klingt - ist die Tabelle. Wir haben keine sieben oder acht Punkte Rückstand, sondern nur drei. Und wir haben noch vier Spiele, da kann man drei Punkte aufholen."

In der Theorie ist das richtig. Mainz 05 ist auf dem ersten direkten Nicht-Abstiegsplatz seit diesem Wochenende schon sechs Punkte entfernt, also geht es nur noch darum, Fortuna Düsseldorf von Rang 16 zu verdrängen und sich in die Relegation zu retten. Das Restprogramm lässt diese Hoffnung ebenfalls zu. Zwar geht es im nächsten Heimspiel gegen den alten und wahrscheinlich auch neuen deutschen Meister FC Bayern München. Doch die anderen drei Gegner heißen SC Paderborn am nächsten Samstag, Mainz 05 und am letzten Spieltag der 1. FC Köln.

"Es ist noch möglich, auf jeden Fall", sagte Kohfeldt, der am Sonntag umso kämpferischer klang, je länger der Schlusspfiff zurücklag. "Training, Training - und Gespräche. Das sind jetzt unsere Mittel. Ich will alles tun, dass wir drinbleiben. Jede Faser muss das jetzt ausstrahlen. Das war keine tote Mannschaft heute. Sondern eine Mannschaft, die aufopferungsvoll gekämpft hat bis zum 0:1."

Werders Problem ist nur: Das reicht nicht. Ohne den verletzten Milot Rashica und den erst spät eingewechselten Leonardo Bittencourt spielte sich Werder in der ersten Halbzeit zwei und in der zweiten Halbzeit keine Torchance heraus. Und was das Abwehrverhalten angeht, kennen die Bremer ihre Fehler, sie bekommen sie ständig von Kohfeldt vor Augen geführt - und sie wiederholen sie dennoch immer wieder. Am Mittwoch im Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt (0:3) ließ man André Silva zu viel Platz, diesmal profitierte davon Weghorst.

"Es wird immer schlimmer", sagte auch der erfahrene Niederländer Davy Klaassen. "Wenn wir nicht gewinnen, wird es immer schwerer, die Klasse zu halten." Denn es kommt ja noch hinzu, dass der Hauptrivale Fortuna Düsseldorf seit Wochen praktisch mehr für Werder tut als Werder selbst. Die Düsseldorfer schenken großzügig einen Punkt nach dem anderen her. Werder dagegen muss einen großen Aufwand betreiben, um in einem Spiel überhaupt ein 0:0 zu halten.

Und so hatten die Bremer ihre vielleicht stärkste Szene am Sonntag schon vor dem Spiel. Noch an den Tagen zuvor hatten sich beide Gegner öffentlich beharkt. Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner monierte das lautstarke Verhalten der Bremer Ersatzspieler während eines Geisterspiels. Werders Sportchef Frank Baumann wies das entschieden zurück. Doch kurz vor dem Anpfiff gingen die Spieler beider Teams dann rund um den Mittelkreis symbolisch in die Knie, um sich so den weltweiten Protesten gegen Rassismus anzuschließen. Bei dieser Partie war es nicht nur ein einzelner Torschütze, der diese Geste anstelle eines Jubels zeigte. Hier machten alle mit. (Sebastian Stiekel/ dpa)

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