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Salutieren für die Soldaten: Türkische Fußball-Nationalspieler nach dem entscheidenden Tor gegen Albanien.  

Fußball-Nationalmannschaft der Türkei

Türkische Spieler salutieren: „Wir sind bereit, Soldaten zu sein“

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Die Uefa ermittelt gegen die Türkei nach militärischem Gruß der Nationalspieler. Die französische Polizei ist vor dem EM-Qualifikationsspiel in Alarmbereitschaft.

Sport und Politik sind in der Türkei seit jeher ineinander verwoben. Vor allem wenn sich das Land im Kriegszustand befindet, werden politische Parolen und Gesten von den Sportlern geradezu erwartet. So kam es nicht überraschend, dass sich die türkischen Fußball-Nationalspieler nach dem späten 1:0-Siegtreffer des ehemaligen Frankfurters Cenk Tosun am Freitagabend vor der Fankurve im Sükrü-Saracoglu-Stadion in Reih und Glied stellten und salutierten. 

Später sendete der ganze Spieler-, Trainer- und Betreuerstab noch einen Gruß bei Instagram an die Soldaten hinterher, die am Mittwoch in Nordsyrien einmarschiert sind. Am Samstag salutierte Kunstturner Ibrahim Colak nach seinem Goldmedaillengewinn bei der WM in Stuttgart beim Abspielen der türkischen Hymne.

Nationalspieler der Türkei salutieren: Politische Äußerungen laut Regularien verboten

Die Uefa kündigte Ermittlungen gegen den türkischen Fußballverband an. „Ich habe die Geste, die zweifellos als Provokation gedeutet werden kann, nicht gesehen“, sagte der Uefa-Pressechef Philip Townsend: „Politische Äußerungen sind in den Regularien aber verboten. Deshalb werden wir dem Verdacht definitiv nachgehen.“ Die Reaktionen in den türkischen Medien kamen prompt. „Skandalöse Äußerungen“ der Uefa wurde in mehreren Onlineausgaben getitelt.

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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach dem Spiel die Mannschaft angerufen und ihr gratuliert. Nationaltrainer Senol Günes bedankte sich in der Kabine artig und teilte mit: „Wir sind bereit, Soldaten zu sein.“ Kapitän Emre Belözoglu küsste Erdogan im Namen der gesamten Mannschaft die Hand und versicherte: „Unsere Gebete sind mit den Soldaten. Möge Gott sie siegreich sein lassen.“ Erdogan erzählte, dass die „Operation sehr gut laufe“.

Nationalspieler der Türkei salutieren: St. Pauli-Profi Cenk Sahin in der Kritik

Kritische Äußerungen gibt es dieser Tage selbst von Oppositionellen und regierungskritischen Zeitungen nicht. Denn wenn es um Einsätze gegen die Terrororganisation PKK oder deren Ableger PYD geht, sind alle politischen Grabenkämpfe vergessen, weil es einen nationalen Konsens gibt. Die wenigen kritischen Stimmen werden ignoriert, attackiert oder mundtot gemacht.

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Schwieriger wird es da für türkische Sportler, die außerhalb der Türkei spielen. So wie Cenk Sahin, der für Zweitligist St. Pauli antritt. Er hatte sich in den sozialen Netzwerken pro Einmarsch geäußert, der Klub stellte ihn für drei Tage frei, die Ultras des Kiezklubs forderten gar seine Entlassung.

Nationalspieler der Türkei salutieren: Frankreich vor Spiel in Alarmbereitschaft

Der französische Fußballverband (FFF) ist vor dem EM-Qualifikationsspiel (20.45 Uhr) am Montag (14.10.2019), bei dem es um den Gruppensieg geht, in Alarmbereitschaft. „Wir haben von den Sicherheitskräften extra Unterstützung verlangt“, teilte der FFF mit. Zum Länderspiel im St. Denis in Paris erwarten die Franzosen 40.000 Türken im 81.000-Zuschauer fassenden Stadion. Bereitgestellt waren nur 3200 Karten, aber „die Türken haben über Dritte Karten gekauft, weshalb wir nicht wissen, wie viele kommen werden“, heißt es von Verbandsseite.

Die Sicherheitskräfte werden alarmiert sein. Am Wochenende waren 3000 Kurden auf dem Platz der Republik, um gegen den Einmarsch der türkischen Armee zu demonstrieren. Es wird befürchtet, dass es heute in Paris zu Zusammenstößen zwischen Kurden und Türken kommen könnte.

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