Paris St. Germain

Tuchel nörgelt

1:5 gegen Lille: „Unmöglich, so zu arbeiten“.

Thomas Tuchel war bedient. Der Trainer von Paris St. Germain stapfte in den Katakomben kopfschüttelnd auf Klubchef Nasser al-Khelaifi zu, packte dem Geldgeber unwirsch an den Schal und redete nach der historischen 1:5-Demütigung seines Teams im Topspiel bei Verfolger OSC Lille mit erhobenen Zeigefinger auf ihn ein. Wenig später verschaffte Tuchel seinem Ärger öffentlich Luft. „Wir haben keine Spieler“, moserte Tuchel nach der zweiten vergebenen Meisterchance. Das sei „offensichtlich, aber niemand spricht darüber, weil wir gewinnen“. Tuchels Worte enthielten jede Menge Sprengstoff.

Es war weniger die kolossale Nicht-Leistung seiner hochbezahlten Stars, die Tuchel nach der höchsten PSG-Pleite in der französischen Meisterschaft seit 19 Jahren auf die Palme brachte, sondern vielmehr die angespannte Personalsituation des Hauptstadtklubs mit Verletzten wie Neymar, Edison Cavani oder Angel Di Maria.

Statt der vorzeitigen Titelparty erreichte der seit Monaten schwelende Kaderzoff an der Seine einen neuen Höhepunkt. „Ich hatte zum zehnten Mal in dieser Saison nur 15 Spieler auf dem Spielbericht. Es ist unmöglich, so zu arbeiten“, sagte Tuchel, dessen Ausführungen getrost als Vorwurf an die Pariser Klubführung um Scheich al-Khelaifi und vor allem an Sportdirektor Antero Henrique interpretiert werden dürfen..

Die PSG-Bosse hatten vor der Saison zwar mehr als 200 Millionen Euro in neue Profis ausgegeben, doch dem Ex-BVB-Coach sowohl im Sommer als auch im Winter nicht dessen Transferwünsche erfüllt. Zudem war Mittelfeldstar Adrien Rabiot von den Vereinsoberen aussortiert worden, weil er seinen Vertrag in Paris nicht verlängert hatte. „Ich vermisse Rabiot und Lassana Diarra, das werde ich dem Präsidenten sagen“, sagte Tuchel nun.

Für Tuchel war es die bislang bitterste Stunde in Paris nach dem Königsklassen-Aus gegen Manchester United. Trotz der zweiten Saisonniederlage liegt Paris sechs Spieltage vor Saisonende weiter komfortable 17 Punkte vor Verfolger Lille. In der Nachholpartie beim FC Nantes am Mittwoch hat der Scheich-Klub bereits den nächsten Matchball am Fuß. „Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wer in Nantes spielen kann“, sagte Tuchel: „Wir werden 13 oder 14 Spieler haben.“ (sid)

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