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Nagelsmann ist weg, Maskottchen Hoffi aber hält weiter die Stellung in Hoffenheim. 

TSG Hoffenheim

Das Jahr eins nach Nagelsmann: Bei der  TSG Hoffenheim muss sich alles erst einmal neu zurechtruckeln

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Die TSG Hoffenheim hat nicht nur den namhaften Trainer, sondern auch namhafte Spieler verloren, aber noch immer einen schlagkräftigen Kader beisammen.

Ende der vergangenen Saison ist der TSG Hoffenheim die Luft ausgegangen. Aus den letzten vier Spielen holte die TSG nur einen Punkt. Es wurde mächtig Frust geschoben. Mitschuld daran trug die Belastung aus der Champions League und möglicherweise auch der seinerzeit bevorstehende Abschied von Chefcoach Julian Nagelsmann. Der sah im Scheitern am Ziel Europa auch etwas Gutes: So könnte die Mannschaft sich unterm neuen Trainer voll auf die Bundesliga konzentrieren. Dafür ist der Kader mit 30 Spielern aber noch überdimensioniert.

Wie ist die Stimmung?

Natürlich muss sich nach der eindrucksvollen Ära Nagelsmann alles erst einmal neu zurechtruckeln. Die Spieler sagen nur Gutes über den neuen Chefcoach Alfred Schreuder, aber das tun Spieler in der Sommervorbereitung überall und immer. Insgesamt liegt eine gespannte Vorfreude über dem Klub. Die Enttäuschung über die in letzter Sekunde verpasste Qualifikation für die Europa League scheint verraucht.

Wie stark ist der Kader?

Die vergangene Saison hat bewiesen, welche offensive Kraft in der Mannschaft steckt. Durch Ihlas Bebou und Sargis Adamyan, der zuvor beim TSV Steinbach Haiger in der Regionalliga Südwest spielte, ist noch mehr Geschwindigkeit dazugekommen. Die beiden haben sich gleich an die Spitze der ohnehin extrem sprintstarken Mannschaft gesetzt: Adamyan mit 34,94 km/h knapp vor Bebou (34,90 km/h), dem derzeit am Kreuzband verletzten Ishak Belfodil (34,07 km/h), Andrej Kramaric und Joelinton mit jeweils 33,96 km/h. Das Tempo wird ein wichtiges Werkzeug des Hoffenheimer Offensivspiels bleiben. In der Defensive heißt die Devise: weniger zulassen, sich besser konzentrieren und antizipieren und im Gegenpressing noch bissiger werden. Der neue Trainer Alfred Schreuder („Ich fühle mich sehr stark“) kann auf eine eingespielte Mannschaft bauen, zu der drei „gefühlte“ Neuzugänge hinzustoßen: die zuletzt Langzeitverletzten Benjamin Hübner, Lukas Rupp und Dennis Geiger.

Worauf steht der Trainer?

Mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Bei Alfred Schreuder handelt es sich um einen unaufgeregter Menschenfreund, der von Ajax Amsterdam mit dem Selbstvertrauen eines Champions League-Halbfinalisten seine Stelle in Hoffenheim angetreten ist. Er genießt den ersten Eindrücken nach bei den Spielern hohen Respekt und großes Vertrauen. Beides hat er sich während seiner Zeit als Co-Trainer von Vorgänger Nagelsmann bei der TSG erarbeitet. Er kennt also die DNA des Klubs, weshalb sich an der Ausrichtung nicht viel ändern dürfte – der Hoffenheim Weg ist auch für den Niederländer Programm.

Wo hapert’s noch?

Der Abgang von Kerem Demirbay könnte noch schmerzhaft werden. Der technisch versierte Mittelfeldspieler hat das Spiel oft geschickt gesteuert, weshalb er Bayer Leverkusen fast 30 Millionen Euro wert war. Auch Nationalspieler Nico Schulz, für teures Geld (27 Millionen) zu Borussia Dortmund, reißt nach seiner prächtigen Saison links eine Lücke, die noch zu schließen sein wird. Der Ex-Augsburger Konstantinos Stafylidis, ablösefrei gekommen, soll es richten. Wird verdammt schwer, aber der lustige Grieche verspricht: „Ich werde mehr geben, als ich kann.“ Das ist doch mal ein Wort!

Wer sticht heraus?

Im Hintergrund ganz gewiss der Geschäftsführer Dr. Peter Görlich und die Bereitschaft des Klubs, sich auf technische Neuerungen einzulassen. „Auf dem Feld der angewandten Sportwissenschaft etwa haben wir uns zum Branchenprimus entwickelt“, sagt Görlich nicht ohne Stolz in der Stimme. Research LAB, Footbonaut, Helix, Interactive Data Space, Training mit Virtual-Reality-Brille – die TSG ist deutschlandweit Vorreiter. Rein sportlich ist die mannschaftliche Geschlossenheit ein großer Trumpf. Das Team ist eingespielt und hat in den vergangenen Jahren national und international auf beachtlichem Niveau bewiesen, zu welch Leistungen es imstande ist. Immer wieder ragte Andrej Kramaric mit seinen Leistungen und Torbeteiligungen aus einem starken Kollektiv heraus.

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Es könnte ihm kaum besser gehen, uorsnd damit auch Mäzen und Investor Dietmar Hopp, der inzwischen gut 350 Millionen Euro in den Klub pumpte, nun schon seit einiger Zeit aufgrund der klugen Transferstrategie des pfiffigen Sportchefs Alex Rosen aber nichts mehr zuschießen muss. Nach Rekordgewinnen in den vergangenen Jahren und den Transfereinnahmen aus den Verkäufen von Kerem Demirbay und Nico Schulz, potenziell auch von Nadiem Amiri (Ausstiegsklausel 15 Millionen Euro), den Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt im Blick haben, und des Brasilianers Joelinton (Marktwert: 40 Millionen Euro), an dem Newcastle United gesteigertes Interesse hat, steht auch in dieser Saison nicht zu erwarten, dass es ihm auf absehbare Zeit schlechter gehen könnte. Die Top-Jugendarbeit und das bärenstarke Scouting zahlen sich in barer Münze aus. Und: Spieler, die in Hoffenheim unter Vertrag sind, sehen den Klub keineswegs bloß automatisch als Durchgangsstation. „Wir wissen, dass wir nicht das Ende der Nahrungskette sind“, sagt Rosen, „Es gibt Klubs, die sind größer und haben mehr finanzielle Power, aber die Hürde, die Spieler überspringen müssen, um hier wegzuwollen, die ist wesentlich höher als in der Vergangenheit.“

Was ist drin?

Bei ähnlich mutiger und druckvoller Spielweise wie in der Vorsaison sollte es nach eigenen Erwartungen in der Tabelle nach oben gehen, zumal die Belastung aus europäischen Wettbewerben wegfällt. Der neunte Platz am Ende der vergangenen Saison hätte leicht vermieden werden können. Allerdings sind auch bedeutende Spieler gegangen. Bis nach Europa ist alles drin, nach unten droht keinerlei realistische Gefahr.

TSG Hoffenheim: Zugänge und Abgänge

Zugänge:Philipp Pentke (SSV Jahn Regensburg), Franko Kovacevic (NK Rudes), Ihlas Bebou (Hannover 96), Konstantinos Stafylidis (FC Augsburg), Sargis Adamyan (SSV Jahn Regensburg), Kevin Akpoguma (Hannover 96, Leihe beendet), Antonio Colak (HNK Rijeka, Leihe beendet), Vincenzo Grifo (SC Freiburg, Leihe beendet), Justin Hoogma (FC St. Pauli, Leihe beendet), Havard Nordtveit (FC Fulham, Leihe beendet), Philipp Ochs (Aalborg BK, Leihe beendet), Steven Zuber (VfB Stuttgart, Leihe beendet), Robert Zulj (1. FC Union Berlin, Leihe beendet)

Abgänge:Meris Skenderovic (Carl Zeiss Jena, Leihe, war an den TSV Hartberg verliehen), Gregor Kobel (VfB Stuttgart, war an den FC Augsburg verliehen), Antonio Colak (HNK Rijeka, war bereits ausgeliehen), Robin Hack (1. FC Nürnberg), Nico Schulz (Borussia Dortmund), David Otto (1. FC Heidenheim, Leihe), Kerem Demirbay (Bayer 04 Leverkusen), Reiss Nelson (FC Arsenal, Leihe beendet)

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