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Je lauter, desto besser: Troy Deeney vom FC Watford.

Troy Deeney

Vom Ex-Häftling zum Kapitän

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Sein Vater war Drogendealer, er Trinker und im Knast. Troy Deeney hat ein bewegtes Leben. Am Samstag spielt der 30-Jährige mit dem FC Watford im FA-Cup-Finale gegen Manchester City.

Ein Vorbild? Nein, das will er nicht sein. Für eine solche Rolle gibt es seiner Meinung nach genug andere Kandidaten. Er empfindet sich dafür als unqualifiziert. „Ich habe viele Fehler gemacht und weiß nicht, welchen ich als nächstes machen werde“, hat Troy Deeney Anfang der Woche im Gespräch mit dem „Guardian“ gesagt.

Doch vielleicht macht ihn gerade das zu einer der außergewöhnlichsten Figuren im englischen Fußball. Der 30 Jahre alte Stürmer hat es immer wieder geschafft, nach seinen Fehlern zurückzukommen. Er hat sich von sehr weit unten nach sehr weit oben gearbeitet und führt seinen FC Watford an diesem Samstag als Kapitän ins Finale des FA-Pokals gegen Manchester City im Wembley-Stadion.

Schule abgebrochen

Deenyes Geschichte ist eine Geschichte vieler Comebacks und beginnt in Birmingham, wo er als das älteste von fünf Kindern in schlichten Verhältnissen aufwuchs. Sein Vater handelte mit Drogen, saß immer wieder im Gefängnis und soll ihn und seine Mutter verprügelt haben. Trotzdem schaute der junge Troy zu ihm auf. An einer Karriere im Fußball hatte Deeney eigentlich kein Interesse. Seine Welt waren Frauen, Partys und Alkohol. Er verließ die Schule ohne Abschluss und begann, als Maurer zu arbeiten.

Sein fußballerisches Talent fiel trotzdem auf, unter anderem den Scouts von Aston Villa, dem Traditionsklub aus Birmingham. Doch Deeney schwänzte das Probetraining. Über mehrere kleine Vereine landete er 2010 beim damaligen Zweitligisten Watford, etablierte sich und wurde schon in seiner zweiten Saison zum besten Torschützen der Mannschaft. Zur gleichen Zeit nahm die schwerste Zeit seines Lebens ihre Lauf.

Im Februar 2012 wurde bei seinem Vater Krebs in der Speiseröhre festgestellt. „Das hat mich komplett versaut“, sagt Deeney im „Guardian“-Gespräch. Er konnte nicht mit der Diagnose umgehen, zog sich zurück hinter Alkohol und Aggressionen. Als er mit Freunden in Birmingham feiern war, geriet er in eine Schlägerei und wurde zu zehn Monaten Haft verurteilt. Im Mai 2012 starb sein Vater, kurz danach trat Deeney die Strafe an. Es sah aus, als hätte ihn das Leben aus der Bahn geworfen. „Fünf Monte vorher habe ich mich wie der König der Welt gefühlt, ich habe Fußball gespielt, Geld verdient, alle meine Freunde haben mich geliebt. Plötzlich saß ich im Gefängnis.“

Von seiner Strafe musste er nur drei Monate absitzen, dann kam er frei und schoss wenig später wieder Tore für Watford. 2015 stieg er mit dem Verein in die Premier League auf. Der Einzug ins Endspiels des FA-Cups gegen Manchester City ist seitdem der größte Erfolg für den Lieblingsverein von Elton John. Dabei sah es im Halbfinale schon so aus, als wäre Watford ausgeschieden. Die Mannschaft lag gegen die Wolverhampton Wanderers 0:2 zurück. Mit einem Elfmetertor in der 94. Minute rettete Deeney sein Team in die Verlängerung. Am Ende hieß es 3:2.

Psychologische Betreuung 

Nach dem Spiel gab der Kapitän ein TV-Interview, das in England viel Beachtung fand, weil dort jemand stand, der keine Angst hatte sich als Mensch zu erkennen zu geben. „Es gibt im Leben immer wieder Rückschläge. Jeder hat seine Rechnungen zu bezahlen, jeder hat seine Probleme. Wenn man sich selbst treu bleibt, dann wird alles gut“, sagte er.

Wobei Deeney selbst auf Hilfe von außen angewiesen war, damit alles wieder gut wurde. Er wurde dazu gezwungen, sein Leben in den Griff zu bekommen. Seine Zeit im Gefängnis war der Wendepunkt. Er machte einen Kurs zum Umgang mit Alkohol und Drogen und befindet sich seitdem in psychologischer Betreuung. Er hat gelernt, über den Verlust seines Vaters zu sprechen, über die Trauer, über die Wut. So ist er mit sich ins Reine gekommen.

Das heißt allerdings nicht, dass er auf dem Platz eine zahme Erscheinung wäre. Dem FC Arsenal unterstellte er einmal, dass dem Verein die „Cojones“ fehlen würden, also die Eier. Im April, nur wenige Tage nach dem Sieg im Pokal-Halbfinale gegen Wolverhampton, sah er gegen Arsenal nach einem Ellenbogenschlag in der zwölften Minute die Rote Karte. Tatsächlich: Es ist bei Deeney nie ganz klar, welchen Fehler er als nächstes macht. Aber er hat gezeigt, dass er nach jedem seiner Fehler zurückkommt.

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