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Zusammen bereits 21 Tore auf dem Konto: Paco Alcacer (elf) und Marco Reus (zehn) treffen auch gegen Werder Bremen.

Dortmund - Bremen

Die Trompeten bleiben im Keller

Die Verantwortlichen von Borussia Dortmund spielen die Bedeutung der vorzeitigen Herbstmeisterschaft runter.

Es war eine äußerst angenehme Woche für alle Dortmunder Borussen. Das Derby auf Schalke gewonnen, Gruppensieger in der Champions League und dank des 2:1 (2:1)-Erfolges über den SV Werder Bremen auch noch vorzeitig Herbstmeister. Mit neun Punkten Abstand auf die Konkurrenz. Eigentlich ein gutes Omen, denn bisher durften die Schwarz-Gelben am Ende einer Saison, in der sie zum Jahreswechsel die Tabelle anführten, stets die Schale in den Händen halten. 

Doch vorweihnachtliche Gefühlsausbrüche gab es deshalb in der Führungsriege der Westfalen nicht. Die ordnete die Situation realistisch und mit Weitblick ein. „Die Fans dürfen träumen. Diese Euphorie trägt Klub und Mannschaft“, erklärte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Wir sind ambitioniert, trompeten aber nicht herum. Der Vorsprung ist weder trügerisch noch komfortabel. Irgendwann wird aber auch ein Einbruch kommen.“

Und den will Lucien Favre möglichst lange hinauszögern, am liebsten verhindern. „Es geht weiter, von Spiel zu Spiel, wir werden unsere Philosophie nicht ändern“, beteuerte der Trainer. Was dieser inoffizielle Titel für ihn bedeute, wurde der Schweizer gefragt. „Nicht viel“, antworte Favre und wies darauf hin, dass der BVB schließlich noch zwei Spiele in der Vorrunde habe. „Und das nächste Spiel ist immer das wichtigste“, fuhr er fort und wies darauf hin, dass auch der knappe Sieg gegen starke Bremer durch die Tore von Paco Alcácer (20.) und Marco Reus (27.) bei einem Gegentreffer von Max Kruse (35.) hart erarbeitet werden musste.

Auch wenn Favre der Herbstmeistertitel nicht viel bedeutet: Hut ab vor dieser Borussia, die nach einigen Startproblemen zu Beginn der Saison eine beispiellose Konstanz demonstriert. Herbstmeister nach erst 15 Spieltagen, neun Punkte Vorsprung vor der Konkurrenz, – der Fußballlehrer aus der Schweiz hat in Dortmund bisher ausgezeichnete Arbeit geleistet. Favre ist es vor allem gelungen, die in der vergangenen Saison in zahlreiche Grüppchen zerfallene Mannschaft wieder zu einer Einheit zu formen. Disziplinlosigkeiten gehören beim BVB der Vergangenheit an. Unter Favre wird kollektiv und konzentriert gearbeitet. Die Ruhe, die er am Spielfeldrand ausstrahlt, überträgt sich auch auf den Platz. Doch Favre wäre nicht Favre, wenn er nicht noch Defizite erkennen würde, die es in der kurzen Winterpause aufzuarbeiten gilt. Der Schweizer Trainer gilt als Perfektionist. 

Sportdirektor Michael Zorc war nicht bereit, schon vor den ausstehenden Aufgaben am Dienstag bei Fortuna Düsseldorf (20.30 Uhr) und am Freitag gegen Borussia Mönchengladbach (20.30 Uhr) eine kleine Bilanz zu ziehen. „Wir können drüber reden, aber bewerten werden wir das erst nach dem 17. Spieltag. Wir haben noch zwei Spiele, soll ich jetzt ein Fazit ziehen?“, fragte er und gab die Antwort gleich mit: „Nee!“

Lediglich Sebastian Kehl, als Leiter der Lizenzspielerabteilung ganz nah an der Mannschaft, ließ sich zu einem Kurzkommentar zum inoffiziellen Titel überreden. „Die Herbstmeisterschaft zeigt, dass wir eine hervorragende Hinserie gespielt haben. Nach den vielen Veränderungen vor der Saison hat die Mannschaft eine extreme Konstanz an den Tag gelegt. Darauf kann man jetzt schon stolz sein. Doch wir lassen uns nicht einlullen, gehen unseren Weg jetzt konsequent weiter.“

Fabre lebt dabei Eigenschaften vor, die seine Profis inzwischen verinnerlicht haben. „Er wird nie nervös oder ungeduldig, er strahlt nach außen ständig Ruhe aus“, bestätigte Mittelfeldstratege Axel Witsel nach dem Sieg über die Bremer. Der 29-jährige Belgier lobt vor allem Favres Umgang mit den jungen Spielern, mit denen er selbst außerhalb der offiziellen Einheiten akribisch arbeitet. „Er macht sie von Woche zu Woche besser. Er zeigt auch die Fehler auf, hat immer eine klare Ansprache, bleibt dabei aber immer positiv“, berichtete Witsel.

Unter Favre blühte zudem Marco Reus wieder auf, krönte seine starke Leistung gegen Werder mit seinem zehnten Saisontor, so viele wie noch nie in einer Halbserie, seitdem er zum BVB zurückkehrte. „Ich bin einfach gesund und fit“, begründete der BVB-Kapitän seine Top-Verfassung. „Zudem spiele ich in einem für mich perfekten System auf meiner Lieblingsposition.“ Doch Reus weiß, dass er alleine nichts erreichen kann. „Die Mannschaft spielt hervorragend, ohne sie wäre das gar nicht möglich.“ Im BVB-Team ist das Wir-Gefühl, das in den vergangenen Jahren so fehlte, wieder eine feste Größe. 

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