1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Trömmelche jeht - warum?

Erstellt:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Verstörende Bilder: 50 000 Fans in Köln, dicht an dicht. Ein fatales Signal in diesen Tagen.
Verstörende Bilder: 50 000 Fans in Köln, dicht an dicht. Ein fatales Signal in diesen Tagen. © dpa

Es ist das falsche Signal, zu einer Zeit, in der die Zahlen in die Höhe schnellen, Intensivstationen volllaufen bei gleichzeitiger Impfskepsis und abnehmendem Impfschutz Arenen voll zu pferchen.

Es sind verstörende Bilder, die einem da aus Köln in die gute Stube flimmern, ein nahezu ausverkauftes Stadion, 50 000 Menschen, dicht an dicht, sehr viele ohne Masken. Es sind Bilder, die in der gegenwärtigen Lage mehr verstören als jene, die ein paar hundert Kilometer weiter östlich in Leipzig zu sehen sind, wo Fußball gespielt wird ohne einen einzigen (zahlenden) Fan. Irgendwie passt ein leeres Geisterstadion besser zur aktuellen Befindlichkeit im Lande, zumindest sollte es so sein.

Im Grunde hat Mark Uth in einer Mischung aus Naivität, Unbekümmertheit und Gedankenlosigkeit die kölsche Gemengelage auf den Punkt gebracht: „Wenn die Südtribüne singt, tanzt, lacht, trinkt – es gibt kein schöneres Gefühl.“ Mark Uth kennt ja seine Pappenheimer, er ist Kölner von Geburt, lebt und schießt Tore für Köln, und wenn dem Flussrivalen vier Tore eingeschenkt werden, ist alles gut, egal und vergessen, so ist das im Rheinland, „wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all parat“ - und rennen wie Lemminge ins Fußballstadion. Maske? Abstand? Pustekucken - „et hätt noch immer jot jejange“.

Natürlich will niemand den Fußball per se und ohne Grund an den Pranger stellen, es gibt in diesem Land größere Probleme, da hat DFL-Chef Christian Seifert Recht, als eine Impfpflicht für 1000 Profis (von denen 86 nicht geimpft sind) zu fordern. Es stimmt auch, dass in Köln die 2G-Regel galt und die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft gering ist. Und womöglich stimmen auch die Zahlen, die FC-Geschäftsführer Wehrle im TV präsentierte, wonach es unter 3,7 Millionen Fans lediglich zehn positive Fälle gegeben habe. Und natürlich gibt es angesichts erheblicher finanzieller Einbußen durch die Pandemie gewaltigen ökonomischen Druck auf die Klubs, denen Einnahme von 50, 60, 70 Millionen Euro weggebrochen sind,

Aber, und dieses Aber ist groß geschrieben: Diese 50 000 Menschen müssen ja auch in die Arena kommen, Menschen infizieren sich bei der Anreise, beim Feiern in den Kneipen, danach, in den Logen, in geschlossenen Räumen, womöglich auf den Toiletten. Das Problem sind die Innenräume, in denen sich Areosole ausbreiten.

Es ist das völlig falsche Signal, zu einer Zeit, in der die Infektionszahlen in die Höhe schnellen, Intensivstationen volllaufen bei gleichzeitiger Impfskepsis und abnehmendem Impfschutz Arenen voll zu pferchen. Das ist unverantwortlich, ein hochriskanter Tanz auf dem Vulkan - manchmal geht es eben nicht immer jot. Auch in Köln nicht. Womöglich schießt das Virus in der Nachspielzeit seine Tore, Verstärkung hat es ja bekommen.

Auch interessant

Kommentare