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Mainzer Sinnbild: Alexander Hack nach dem Schlusspfiff gegen Wolfsburg.
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Mainzer Sinnbild: Alexander Hack nach dem Schlusspfiff gegen Wolfsburg.

Fußball-Bundesliga

Tristesse und Tränen bei Mainz 05

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Nach der schlechtesten Halbserie der Vereinsgeschichte und dem Abgang des besten Torjägers steuern die Mainzer schnurstracks auf den Abstieg zu.

Alexander Hack schlug mit Abpfiff die Hände vors Gesicht und sackte in die Knie. Dann richtete sich der Abwehrspieler des FSV Mainz 05 auf, stützte die Hände in die Hüfte und starrte wie gelähmt in den Nachthimmel. Tränen kullerten über seine Wangen. Schließlich stakste der 1,93-Meter-Mann als Letzter vom zerfurchten Rasen, der mindestens genauso grässlich aussah wie der Gesamtvortrag des Abstiegskandidaten im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (0:2).

Als Hack als Sinnbild der Enttäuschung in der Kabine verschwand, dröhnte gerade die zweite Strophe aus dem Vereinslied „Mainz 05, meine Stadt, mein Verein“ aus den Lautsprechern: „Es gibt schwarze Tage, es läuft alles schief. Das Spiel wird verloren, die Moral, sie hängt tief.“ Immerhin die akustische Begleitmusik stimmte in diesem trostlosen Ambiente noch beim selbst ernannten Karnevalsverein, der nach der mit Abstand schlechtesten Hinrunde der Vereinsgeschichte (sieben Punkte) schnurstracks auf den ersten Bundesligaabstieg seit 14 Jahren zusteuert.

Denn selbst die letzten Identifikationsfiguren des Kaders straucheln: Der 27 Jahre alt Hack hatte sich erst im Verlaufe der Hinrunde einen Stammplatz erkämpft, und weil der gebürtige Bayer bereits seit 2014 dem Klub dient, rügte er in den vergangenen Wochen so deutlich wie kein anderer die Kollegen für ihre Einstellung.

Nun wollte auch der 05er-Profi nichts mehr sagen, der mit einem törichten Ballverlust gegen VfL-Toptorjäger Wout Weghorst das 0:2 (79.) verschuldete. Zuvor hatte der eingewechselte Bartosz Bialek recht mühelos getroffen (65.). „An den letzten Gegentoren haben wir viermal mitgeholfen, wir machen es dem Gegner zu einfach“, erklärte der neue Sportchef Martin Schmidt. Doch die Probleme sind umfassender, wie der neue Trainer Bo Svensson verdeutlichte: „Wir brauchen in beide Richtungen bessere Lösungen.“ Noch ist nicht erkennbar, dass der Däne an den „richtigen Schrauben dreht“, wie Schmidt erkannt haben will.

Fakt ist: Unter vier verschiedenen Fußballlehrern kamen bislang mehr oder minder gruselige Auftritte in der eigenen Arena zur Aufführung, die alle einem ähnlichen Strickmuster folgten: Mag die Arbeit gegen den Ball noch sehr ehrbar aussehen, ist das Spiel mit dem Ball ein Ärgernis. Die Harm- und Hilflosigkeit hat zu neun Heimspielen ohne Sieg geführt. Die Stürmer Jonathan Burkardt und Karim Onisiwo waren am Dienstagabend komplett vom ohnehin kaum erkennbaren Spielfluss abgeschnitten.

„Auf dem Platz war es schwer, flüssigen Fußball zu spielen. Unser Offensivplan ist überhaupt nicht aufgegangen“, gab Svensson zu und fügte an: „Wir spielen nach vorne zu unsauber, erkennen nicht schnell genug die Räume und sind zu wenig im letzten Drittel.“ Und nur die Tatsache, dass „alle kämpfen, alle fighten“, wie der ehemalige Trainer Schmidt herausstellte, wird kaum ausreichen, sich in der Bundesliga zu behaupten.

Doch statt sich angesichts von erst 15 erzielten Treffern um Verstärkung für den Offensivbereich zu kümmern, gibt der Klub zuerst einmal Jean-Philippe Mateta an Crystal Palace ab, seinen mit sieben Saisontoren besten Schützen. Der abstiegsgefährdete Premier-League-Vertreter bezahlt zunächst 3,5 Millionen Euro Leihgebühr für anderthalb Jahre und besitzt dann eine Kaufverpflichtung für 15 Millionen Euro.

Alle Beteiligten hätten sich mit dem Abgang des zuletzt mit negativer Körpersprache aufgefallenen Mittelstürmers arrangiert, sagte Svensson. „Es ist eine Überlegung von Vereinsseite, von meiner Seite, von Jean-Philippes Seite. Wir sind zu der Entscheidung gekommen, dass es für alle Seiten die beste Lösung ist.“ Doch die Freigabe für den 23-jährigen Franzosen gleicht einem Spiel mit dem Feuer, denn es gibt jetzt nur noch einen Profi, der mehr als einmal getroffen hat: der schwedische Nationalspieler Robin Quaison (zwei Saisontore), der jedoch seine frühere Leichtigkeit verloren hat und nicht mal mehr in der Startelf auftaucht.

Schmidt deutete an, dass Matetas Weggang finanzielle Mittel freisetzen würde, „was wir investieren können“. Der ehemalige 05-Profi Svensson ist gegenüber seinem Heimatverein zu loyal, als dass er sofort angriffslustige Verstärkung fordern wollte. „Wir müssen schauen, wie wir unsere Mannschaft besser machen mit den Spielern, die wir haben.“

Der 41-Jährige pries vorsorglich den von Eintracht Frankfurt ausgeliehenen und gegen Wolfsburg bereits eine halbe Stunde lang eingesetzten Mittelfeldmann Dominik Kohr als Notretter. Er freue sich auf einen echten Kämpfertypen, der sein Team schon bald besser machen würde. „Dominik hat Erfahrung. Er weiß, wie man Zweikämpfe führt.“ Ob das aber reicht, um am Samstag mit RB Leipzig gleich dem nächsten Hochkaräter der Liga am Mainzer Europakreisel die Stirn zu bieten, ist dann doch sehr fraglich.

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