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Sasha Diakiese (links), Kevin Rääbis und Abulai Dabo auf dem Bau.

SV Donaustauf

Das Trio von der Baustelle

Ein bayerischer Fußballverein hat einen ungewöhnlichen Aushilfsjob für seine Kicker gefunden: Sie können auf dem Bau in Leipzig arbeiten.

Hämmer krachen in Wände, Kreissägen surren, Schutt wird in Container gedonnert. Die Geräuschkulisse auf einer Baustelle ist so ganz anders als auf einem Fußballplatz. Drei Kicker des bayerischen Fünftligisten SV Donaustauf haben während der Corona-Krise einen schonungslosen Tapetenwechsel vorgenommen. Sasha Diakiese (23), Kevin Rääbis (26) und Abulai Dabo (25) sind seit Anfang April auf einer Baustelle in Leipzig aktiv.

„Irgendwann fällt einem buchstäblich die Decke auf den Kopf, und dann war es meine Idee zu sagen: Wenn ihr raus wollt, könnt ihr arbeiten und euch was in der Zeit dazuverdienen“, erzählte Donaustaufs Sportdirektor Matthias Klemens. Der 48-Jährige besitzt eine Firma für Sanierung sowie Denkmalschutz und hat auf seinen Baustellen genug Bedarf an Arbeitskräften. Also bot er seinen Fußballern die ungewöhnliche Aufhilfsbeschäftigung in Sachsen an. Diakiese, Rääbis und Dabo, die sonst in der Nähe von Regensburg dem Ball nachjagen, schlugen ein. „Das ist mal was Neues im Leben“, sagte der Österreicher Diakiese, der auch schon mit einem Presslufthammer Wände zerstört hat.

Diakiese und seine beiden Teamkollegen aus Estland und Guinea-Bissau teilen sich ein Apartment in Leipzig. Jeder hat sein eigenes Zimmer, ein Homekino gebe es auch, erzählte Klemens. „Wir machen es ihnen so gemütlich und angenehm wie möglich.“ Gekocht wird nach Absprache. „Kevin hat mal Reis verbrannt“, verriet Diakiese lachend. Rääbis kocht also nicht mehr, Diakiese und Dabo wechseln sich ab. Auf der Baustelle ist Arbeitsbeginn um 8 Uhr, eine Stunde Pause gibt es mittags, in der Regel ist um 17 Uhr Schichtende.

„Der Kevin ist fürchterlich engagiert, der sieht das als Sport“, sagte Klemens über Rääbis, der wie auch Diakiese für den SV Donaustauf eigentlich Tore schießt. „Schwere Abbrucharbeiten, Wände rausstemmen, das macht er alles.“ Der Bauleiter teile die Spieler so ein, „dass es funktioniert“, erzählte Klemens. „60 oder 70 Prozent von einem typischen Bauhelfer kriegen die auch hin.“

Die Coronavirus-Pandemie hat auch den SV Donaustauf hart getroffen, der ab der nächsten Saison den Aufstieg in die Regionalliga anpeilen will. Angesichts der unterbrochenen Spielzeit hat der Verein die Gehälter für März noch überwiesen, seit April sind die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kurzarbeit. Das Trio Diakiese, Rääbis und Dabo bekommt als Bauhelfer den Mindestlohn von 12,55 Euro pro Stunde. Wenn die Corona-Lage noch länger so anhalte, könnten sich weitere Spieler anschließen. „Wir haben genug Arbeit, wir kriegen alle unter“, sagte Klemens mit Blick auf die Sanierungsbaustellen.

Seine ersten Tage als Handlanger seien „interessant“ gewesen, befand Diakiese. Wie auch seine Kollegen bekam er eine Einführung, dann zum Einstieg leichtere Arbeiten zugewiesen wie Putzen oder Holzlatten zum Container bringen. Das Härteste sei bislang gewesen, Ziegelsteine in den zweiten Stock zu schleppen und mit einem Presslufthammer Wände zu zerstören. „Das ist Training pur“, sagte Diakiese schmunzelnd. (dpa)

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