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Angeschlagen: Florian Kohfeldt. Foto: dpa
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Angeschlagen: Florian Kohfeldt.

SV Werder Bremen

Treuebekenntnis light

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der SV Werder Bremen gibt seinem angeschlagenen Trainer Florian Kohfeldt noch eine allerletzte Chance. Er muss im Pokal gegen Leipzig ein achtbares Ergebnis liefern.

In Nebensätzen streut Florian Kohfeldt auf Pressekonferenzen – neben einem smarten Grinsen – immer mal wieder die Bemerkung sein, dass er seine Verbundenheit zum Sport-Verein Werder, gegründet 1899, nicht sonderlich bezeugen müsste. Fast jeder kennt in Bremen die Geschichte, wie in fast zwei Jahrzehnten Vereinszugehörigkeit aus dem begrenzt talentierten Torwart der dritten Mannschaft ein ehrgeiziger Coach der U23 und schließlich im November 2017 der Cheftrainer der Profis wurde. Der in der Vorstadt Delmenhorst aufgewachsene Kohfeldt ist inzwischen hinter Christian Streich vom SC Freiburg der dienstälteste Fußballlehrer der Bundesliga – doch wie lange gilt das noch?

Vorerst arbeitet der 38-Jährige nach sieben Niederlagen in Folge nur mit einem „Treuebekenntnis light“ weiter. Obwohl der in die Trainerdiskussion involvierte Aufsichtsrat in Teilen für eine Trennung plädierte, entschied sich die Geschäftsführung nach ergebnisoffenen Beratungen vorerst anders: Kohfeldt bleibt, steht aber im DFB-Pokalhalbfinale gegen RB Leipzig (Freitag 20.30 Uhr/ARD) extrem unter Druck. „Wir sehen Florian und die Mannschaft in der Verantwortung, bereits im Pokal eine deutliche Reaktion zu zeigen und die Trendwende mit Blick auf die letzten Bundesligaspiele zu schaffen“, ließ sich Geschäftsführer Frank Baumann in einer Vereinsmitteilung zitieren. Später in einem Pressegespräch erklärte der Ehrenspielführer die Entscheidung, die sich wie eine letzte Gnadenfrist liest. „Ich gebe keine längerfristige Garantie ab, wir müssen jetzt von Spiel zu Spiel schauen“, betonte der 45-Jährige und forderte: „Wir müssen ein andere Gesicht zeigen.“

Dank einer überaus günstigen Auslosung und ohne ein einziges Bundesligaduell sind die Grün-Weißen überhaupt so weit gekommen. Eigentlich wäre solch ein Pokalspiel ein Festtag, aber nach der Talfahrt in der Liga sei das „ein bisschen skurril“, gestand Kohfeldt am Wochenende. Ein Weiterkommen verlangt ja niemand, aber nur wenn Werder einen echten Pokalfight abliefert, kann der Trainer bleiben, dessen Verhältnis zu seinen Spielern und seinem Staff ausdrücklich intakt sein soll. Aber er sollte nicht wieder so sinnbefreite Experimente wie in der Liga gegen die Sachsen wagen, als eine Startelf mit den überforderten Nachwuchskräften Eren Dinkci, Jean-Manuel Mbom oder Felix Agu 1:4 unterging. Bei einer weiteren Leipziger Lehrstunde würde auch am Osterdeich noch ein Retter für die letzten drei Bundesliga-Spieltage installiert. Ein möglicher Kandidat: der Technische Direktor Thomas Schaaf, der am Freitag 60 Jahre alt wird.

Der Klassenerhalt ist von existenzieller Bedeutung für den Klub, der die Aufräumarbeiten nach dem Fast-Abstieg 2020 trotz aller Lippenbekenntnisse letztlich zu halbherzig angegangen ist. Weder Kohfeldt noch Baumann haben den Hang zur Schönrednerei abgelegt, der zwischenzeitlich über den grünen Klee gelobte Jugendstil ist wieder abgeblasen. Für die nötigen Kaderkorrekturen fehlte das Geld, denn die klammen Hanseaten stecken in gewaltigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Nicht mal mehr der durch eine Landesbürgschaft abgesicherter 20-Millionen-Euro-Kredit reicht mehr aus, eine Mittelstandsanleihe soll jetzt helfen. Ein Siechtum auf Raten.

Vergangenen Sommer musste mit Davy Klaassen der wichtigste Mittelfeldspieler verkauft werden, der zusammen mit Leihgabe Kevin Vogt (TSG Hoffenheim) im Vorjahr noch eine der wenigen robusten Stützen gab. Doch erst die Schützenhilfe von Union Berlin und dann die Relegation gegen den 1. FC Heidenheim brachten die Rettung. Damals konnten Offensivspieler wie Milot Rashica, Niclas Füllkrug oder Yuya Osako punktuell am Ende den Unterschied machten. Dem aktuellen Ensemble hat Kohfeldt fast jeden Offensivgeist ausgetrieben – für das Spiel mit Ball ist kein Plan erkennbar. Sein stets mit Fünferkette verteidigendes Team steht tief, wartet ab, obwohl das nicht die DNA dieses Klubs ist. Zuletzt fehlte es sogar an Kampfkraft, Durchsetzungsvermögen, Behauptungswille. Dass die Elementartugenden womöglich schon genügen, dass der vertraglich bis 2023 gebundene Kohfeldt weitermacht, sagt vieles über den Besorgnis erregenden Zustand des Sport-Vereins Werder im Jahre 2021 aus.

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