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Transfermarkt im europäischen Fußball: Fenster zu, Fenster auf

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Von: Jan Christian Müller

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Packt er doch noch seine sieben Sachen und entschwindet auf die Insel? Eintracht-Torwart Kevin Trapp soll mit Manchester United in Kontakt stehen.
Packt er doch noch seine sieben Sachen und entschwindet auf die Insel? Eintracht-Torwart Kevin Trapp soll mit Manchester United in Kontakt stehen. © Carmen Jaspersen/dpa

Das noch lange nach Saisonstart geöffnete Transferfenster erschwert Bundesligaklubs die Saisonplanung. Die Schuldigen für dieses Problem finden sich aber in den eigenen Reihen. Ein Kommentar.

Borussia Mönchengladbachs Ex-Sportchef Max Eberl hat vor ein paar Jahren einen klugen Satz formuliert (was bei ihm, nebenbei bemerkt, oft der Fall war). Eberl war gefragt worden, was er davon hält, dass das Transferfenster erst mehrere Wochen nach Saisonbeginn schließt. Er entgegnete, das sei im Grunde „Betrug am Zuschauer, wenn er Dauerkarten kauft, und plötzlich sind die besten Spieler weg“.

Jedoch: Den guten Worten folgten keine guten Taten. Jedenfalls nicht hierzulande. In England waren sie schon mal weiter. Die Klubs der Premier League einigten sich im Sommer 2017 darauf, dass Spielerwechsel nur noch bis zwei Tage vor Beginn der neuen Spielzeit möglich sein sollten.

Doch dann merkten die Manager bald, dass der vorgezogene sogenannte „Deadline Day“ ihnen zum Nachteil gereicht. Andere Märkte waren noch wochenlang offen, ihr eigener schon geschlossen. In der Bundesliga jubilierte man deshalb eine Weile lang. Denn ohne das Werben aus der Premier League, wo selbst der Letzte 125 Millionen Euro und somit fast das Vierfache des Schlusslichts der Bundesliga aus TV-Geldern erlöst, purzelten plötzlich die Preise. Ergo blieb es bei den wohlfeilen Worten von Max Eberl. In Wahrheit waren alle miteinander ganz zufrieden, ohne englische Konkurrenz fröhlich einkaufen gehen zu können. Die Freude währte nur kurz. Solange, bis die Engländer ihren vorzeitigen Einkaufsstopp flugs einkassierten und längst wieder bis zum 1. September ganz vorn in der Kaufrauschschlange stehen

Das führt nun unter anderem dazu, dass sich ein Klub wie Eintracht Frankfurt nach einem misslungenen Saisonstart auch noch damit herumschlagen muss, dass sein Nationaltorwart Kevin Trapp nach heldenhafter Qualifikation zur Champions League vom bloß für die Europa League qualifizierten und dennoch weitaus finanzkräftigeren verblichenen Ex-Meisterklub Manchester United umworben wird.

Das ist in der Tat ein Ärgernis, aber - siehe oben - die Bundesliga hat es nun mal verpasst, gemeinsam mit Italien, Spanien und Frankreich dem englischen Beispiel zu folgen und den Markt der Top-Ligen zeitig zu beruhigen. Es sollte sich also, bitteschön, niemand beschweren. Zumal Klubs und Ligen ja auch wissen, dass die Transfergerüchte und -abschlüsse das Unterhaltungsgeschäft wunderbar befeuern und das Interesse von Fans und Medien hochhalten.

Die Dummen sind vor allem die Trainer, die oft nicht wissen, welche ihrer Führungskräfte tatsächlich am 1. September noch vor Ort sind. Oder welche der Verkaufs- oder Verleihkandidaten die Kabine räumen. Bei Hertha BSC zum Beispiel stehen aktuell noch immer 34 Profis im Bundesligakader. Viel zu viele für Chefcoach Sandro Schwarz, um angemessen mit allen arbeiten zu können. Nur gut, dass das Wechselfenster noch eine Woche lang offen steht.

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