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Dortmund ist mit der Verpflichtung von Erling Haaland wohl der Coup des Winters gelungen.

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Transfergeschacher um Millionen

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Seit Lockerung der Fifa-Vorgaben für Beratertätigkeiten kann sich quasi jeder Spieleragent nennen. Mit der Zahl der Berater ist auch die Zahl der Wechsel gestiegen. Ein Kommentar.

Faxgeräte, die im entscheidenden Moment versagen; Spieler, die beim Medizincheck durchfallen; Manager, die Sekunden zu spät ihre Unterschrift aufs Papier kritzeln: Der Deadline Day, der finale Tag der Transferphase, bringt viele Unwägbarkeiten mit sich. Dabei sollte man ja meinen, dass – um die winterliche Wechselei als Beispiel zu nehmen – 31 Tage genügen würden, Spieler abzugeben und einzukaufen. Zumal stets von den Bossen der Branche gesagt wird, für alle Szenarien bestens gewappnet zu sein. Eine Liste an passenden Innenverteidigern? Vorhanden. An Mittelfeldspielern? Na logo. An Stürmern? Sowieso.

Und dennoch spitzt sich das Geschacher am letzten Tag des Januar zu. Warum? Es wird gepokert – im Zweifel, bis es zu spät ist. Die Preise, so die Hoffnung, könnten ja fallen. Sind anfangs vielleicht zwei, drei Bewerber im Rennen um die Spielergunst, ziehen sich im Monatsverlauf einzelne Parteien zurück. Das schafft neuen Verhandlungsspielraum. Doch längst mischen in diesem für Außenstehende undurchsichtigen Geschäftsgestrüpp nicht mehr nur Vereine und Spieler mit, sondern auch deren Vertreter, die Berater.

Seit Lockerung der Fifa-Vorgaben für eine Beratertätigkeit – es reicht seit 2015 ein Führungszeugnis – kann sich quasi jeder Spieleragent nennen. Mit der Zahl der Berater ist auch die Zahl der Wechsel stark gestiegen. Das bestätigt der von der Fifa veröffentlichte Transfermarktreport. 2019 wurden demnach weltweit 18 042 Klubwechsel bei den Profis abgewickelt (10 305 in Europa), bei denen 8,14 Milliarden Euro flossen. Fast 20 Prozent mehr als 2018. Daran beteiligt waren 3557 Vermittler, die 590 Millionen an Provisionen einstrichen. Auch da betrug das Plus 19,3 Prozent.

Dortmund zum Beispiel ist mit der Verpflichtung von Erling Haaland aus Salzburg wohl der Coup des Winters gelungen. 20 Millionen Ablöse sind für diesen begabten Bubi heutzutage fast nichts mehr. Möglich wurde der Transfer jedoch nur durch die zusätzlich gezahlten drei Millionen an Haalands Starberater Mino Raiola. Schon 2018 zahlte der BVB stolze 41 Millionen an Vermittler, Spitzenwert in Deutschland. Summa summarum flossen bei allen Klubs 205 Millionen. Wahnsinn.

Diesen Auswuchs einzudämmen scheint fast ausgeschlossen. Zumal das Geschäftsprinzip für die meisten Beteiligten lukrativer denn je ist: mehr Akteure, mehr Geld – da sind einzelne misslungene Transfers locker eingepreist.

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