1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Transfer: Den dicken Fisch zum Schluss

Erstellt:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Sinnbild für brodelnde Gerüchteküchen: Ronaldo, bleibt nun doch in Manchester.
Sinnbild für brodelnde Gerüchteküchen: Ronaldo, bleibt nun doch in Manchester. © dpa

Das Transferfenster schließt und alle drehen durch. Hätte man das nicht früher regeln können?

Ein paar Stunden nur noch, dann ist endlich 18 Uhr, und Feierabend. Keine Frischluft mehr, die durchzieht und Staub aufwirbelt, die (Transfer-) Fenster sind zu, die meisten jedenfalls - außer vielleicht in Belgien, Portugal, Hongkong oder Burkina Faso. Die meisten Trainer werden drei Kreuze machen, dass diese „verrückte Zeit“, wie Fredi Bobic, Macher in Berlin, unlängst sagte, endlich vorbei ist, dass endlich klar ist, wer wo spielt und wie das eigene Team eigentlich aussieht. Aha, solche Spieler haben wir, ist ja interessant. Jetzt müssen sie nur noch lernen, wie man künftig taktisch zu spielen gedenkt. Dummerweise läuft die Saison schon, was bleibt ist eine Eingewöhnung im laufenden Betrieb, am offenen Herzen sozusagen.

Doch man fragt sich als Außenstehender stets: Muss das sein auf den allerallerletzten Drücker? Warum findet, sommers wie winters, dieses Last-Minute-Geschacher statt, bei der in der heißesten Phase die Faxgeräte glühen und bisweilen die Server des Uefa-Transfermeldeportals in die Knie gehen? Und manchmal streiken die Faxe, und der super ausgehandelte Deal platzt in letzter Sekunde? Und natürlich wird das ganze Gehabe des „Deadline Days“ von den Medien befeuert, wird eine Pseudospannung aufgebaut, Sky Sport News etwa lässt die Gerüchte, Namen und Klubs durchlaufen wie n-tv oder Bloomberg die Börsenkurse, und Field-Reporter müssen vor Klub-Geschäftsstellen Streife laufen und viertelstündlich Updates geben, selbst wenn nichts zu vermelden ist. Gerade dann.

Schierer Aktionismus

Hätte man das Ganze nicht vorher regeln können? Mit Weitsicht die personellen Veränderung vornehmen, die ein Kader nötig hat? Und sich dann einspielen, Zeit war genug. Sicher: Es gibt spezielle Fälle, etwa in Dortmund die Erkrankung von Sebastien Haller oder wenn einem Leistungsträger weggekauft werden. Dann muss man reagieren können, muss selbst in anderen Gefilden wildern, es gilt ja, mehr denn je, das Recht des Stärkeren.

Aber in der Regel ist es doch so: Wer heute noch, in den letzten Stunden, ja Minuten der Wechselfrist, einen Deal tätigen muss, hat vorher seine Hausaufgaben nicht gemacht. Klar, die Hoffnung ist da, kurz vor Toresschluss ein Schnäppchen machen zu können, zum Ende sinken ja bekanntlich die Preise, und das streichelt ja auch das eigene Ego, was für Nerven dieser eiskalte Manager hat, wartet bis fast Ultimo, um den fetten Fisch an Land zu ziehen. Die Wahrheit ist oft genug: vieles ist Torschlusspanik und Aktionismus. Ein paar Stunden noch.

Auch interessant

Kommentare