Muss mit Werder kämpfen: Claudio Pizarro. 
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Muss mit Werder kämpfen: Claudio Pizarro. 

Werder Bremen in Not

Trainingscamp mit Fallstricken

  • vonCarsten Sander
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Viele Verletzte und kein Neuzugang: Angespannte Atmosphäre bei Werder Bremen beim Abflug aus Mallorca.

Zum Abschluss des Trainingslagers von Werder Bremen auf Mallorca ist von einer Aufbruchstimmung nicht viel zu erspüren. „Das wäre auch unangemessen“, glaubt Trainer Florian Kohfeldt. Denn die Saison sei bisher ein „ständiges Umgehen mit Frustrationserlebnissen“ gewesen. Nur sieben Einheiten auf dem Platz in sieben Tagen waren für Kohfeldt das „maximal Mögliche“. Zumal auch das enttäuschende Testspiel – ein 2:2 gegen den italienischen Drittligisten AC Monza – „eigentlich sogar die wichtigste“ Einheit gewesen sei. Er habe das Programm den besonderen Gegebenheiten angepasst, argumentiert der 37-Jährige: „Wir können es nicht wie immer machen, denn es ist gerade nicht wie immer.“ Aber konnte Werder es sich wirklich erlauben, am Dienstag nur wenig und am Mittwoch gar nicht zu trainieren? In den Internetforen regten sich die Fans auf. Vorwurf: verschenkte Zeit. Kohfeldt konterte, in der Mannschaft herrsche ein „sehr unterschiedliches Verhältnis, was Belastung angeht. Das mussten wir berücksichtigen“. Gewinner des Camps? Oder Verlierer? „Gibt es nicht“, so der Trainer schroff: „Wir haben keine Zeit mehr, über einzelne Perspektiven zu reden. Das ist alles scheißegal. Wenn wir durch diese Situation durchgehen, sind alle nebenbei bessere Spieler geworden.“

Ein Neuzugang hätte helfen können, die Stimmung im und um den Verein deutlich zu heben. Bislang kam jedoch keiner. Kohfeldt: „Mir ist es wichtig, dass wir jemanden dazubekommen, der unbefleckt ist, der die Hinrunde nicht mitgemacht hat, der eine positive Arroganz ausstrahlt.“ Dafür würde der Klub sogar finanziell mehr ins Risiko gehen, als es geplant war. Das deutete Marco Bode an. „Wir haben kein Limit definiert, wir haben aber auch keine Kriegskasse“, sagte Bode auf Mallorca.

Der Aufsichtsratschef wollte sich keine Summe entlocken lassen, die der nicht eben auf Rosen gebettete Klub bereit ist, in neues Personal zu investieren. Aber die Bereitschaft, ganz tief in die Tasche zu greifen, vielleicht sogar kurzfristig Schulden zu machen, scheint vorhanden zu sein. „Wir gehen konstant Risiken ein. Aber in solchen Situationen müssen wir bereit sein, das ein Stück weiterzudenken, als wir das ursprünglich geplant haben“, sagte Bode und erklärte: „Aber wir wollen und wir dürfen auch nicht in eine Überschuldung gehen, dann kann es kritisch werden. Deswegen werden wir nicht komplett unvernünftig sein.“

Aber vielleicht ein bisschen, denn der Druck ist groß, zumal das Trainingslager alles andere als optimal verlief. „Wir mussten es schaffen, extrem unterschiedliche Fitnesszustände auf ein Level zu bringen“, so Kohfeldt. Gelungen ist das bei Ömer Toprak und Niklas Moisander, nicht gelungen ist es bei Fin Bartels und Ludwig Augustinsson.

Im Blick haben die Bremer aktuell vor allem einen echten Mittelstürmer. Einen Ersatz für den verletzten Niklas Füllkrug, der nach seinem Kreuzbandriss frühestens am Ende der Saison noch mal eingreifen kann. So ein Spieler ist im Winter wahrlich nicht billig zu bekommen, wie gerade das Beispiel Munas Dabbur zeigt, der für Werder Bremen auch sehr interessant gewesen wäre. Die TSG Hoffenheim hat für den Israeli eine Ablösesumme von zwölf Millionen Euro gezahlt, um ihn sofort vom FC Sevilla loszueisen. Eine Summe, die für Werder nicht darstellbar ist.

Um solche Spieler günstiger zu bekommen, muss ein Sportchef vor allem eines haben: Geduld. Zum Ende der Transferperiode ergeben sich oftmals gute Gelegenheiten, weil gerade Topklubs noch fix nach einer Lösung für Profis suchen, die in der Rückrunde nicht mehr gebraucht werden. Dann wird gerne ausgeliehen. Auf diese Möglichkeit wartet Werder – wieder mal.

Das gilt wohl auch für Jannik Vestergaard. Um den Innenverteidiger haben sich die Bremer bereits vor Weihnachten bemüht, doch bislang konnten sich Werder, der FC Southampton und der Spieler nicht auf ein Leihgeschäft einigen. Auf der Wunschliste steht auch weiterhin ein Mittelfeldspieler – vor allem ein Achter, der dem Team mehr Kreativität verleihen und sich dabei spielerisch deutlich von Maximilian Eggestein und Davy Klaassen abheben soll. Die aktuelle Tabellensituation mache Verhandlungen mit Spielern nicht gerade leichter, betont Sportchef Frank Baumann immer wieder. Welcher Topspieler wechselt schon gerne zu einem Abstiegskandidaten? Die Lage ist ernst und wurde von Bode auf Mallorca noch einmal ganz deutlich angesprochen: „Wir haben ein neues Ziel definiert, das alte müssen wir leider abhaken. Es gibt jetzt im Grunde eine neue Saison. Da heißt das einzige Ziel Klassenerhalt, das jetzt in die Köpfe muss.

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