+
Erstes Training in Zeiten von Corona: Die D-Jugend des TuS Makkabi geht voran.

Amateurfußball in Hessen

Training ohne Hand und Kopf

  • schließen

Amateurfußballer müssen viele Regeln befolgen, um wieder zu üben. Die D-Jugend der TuS Makkabi legt als erstes Team in Hessen los.

Noch auf dem Parkplatz gab es das erste Briefing dazu, was erlaubt ist (ein bisschen was) und was eben nicht (sehr viel mehr). Anschließend ging es für die jungen Fußballer des TuS Makkabi Frankfurt hinein in den Sportpark Preungesheim, immer entlang an den Markierungen, die mittlerweile ja zum Alltag gehören und die ein jeder aus dem Supermarkt kennt. Alles war vorbereitet und angerichtet, strikt nach den Verordnungen, die Bälle desinfiziert, die Materialien ebenso, der Parcour aufgebaut, und ein paar Minuten später stand die D-Jugend auf dem Platz, der für viele die Welt bedeutet: Der 2007-er-Jahrgang des TuS Makkabi hat am Samstag, Punkt zehn Uhr, als erstes Team hessenweit das Training zu Corona-Zeiten wieder aufgenommen. „Es war fast wie immer“, sagte Trainer Stefan Scholl. „Wir haben aber alle Regeln zu 100 Prozent eingehalten.“

Das liegt an der fußballerischen Qualität des Ausnahmejahrgangs, der sich regelmäßig mit nationalen und internationalen Topklubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, FC Chelsea oder Paris St. Germain misst. Coach Scholl, früher selbst Profi, hat sich einige besondere Übungen einfallen lassen, eine von ihm als „Spanisches Schachbrett“ betitelte hochkomplexe Passfolgen-Aufgabe etwa, ein spezielles Schusstraining oder auch eine abgewandelte Form des beliebten fünf gegen zwei auf Abstand, bei dem die Spieler in der Mitte „nur auf den Passweg hinarbeiten“.

Der frühere Akteur der Offenbacher Kickers und des FSV Frankfurt räumt allerdings ein, dass ohne das Abschlussspiel etwas Elementares fehlt. „Wenn du Vollblutfußballer bist, säuft das Ding dann an dieser Stelle ab.“ Und ein paar Vollblutfußballer hat Stefan Scholl dabei, allen voran sein Sohn Conrad oder auch Leonardo Flé, der Spross des Teammanagers René. Der war nach der mehr als 90-minütigen Einheit der zehn Spieler beeindruckt. „Hut ab“, sagte er. „Das war eine tolle Sache für die Jungs.“

Selbstverständlich ist so eine Einheit zu dieser Zeit nicht, und die bestens beleumundete U13 des TuS Makkabi hat auch nicht auf diesen Termin gedrängt, sondern war einer Einladung des Frankfurter Sportamtes gefolgt.

Nur nicht spucken

Für viele andere Klubs ist derzeit an einen geregelten Trainingsbetrieb nicht zu denken, obwohl die Politik die Möglichkeit dazu seit vergangenen Samstag in Aussicht stellt. Doch die Hürden für die Jugend- und Amateurspieler sind sehr hoch. Der Hessische Fußball-Verband (HFV) hat in einem Infobrief sehr deutlich gemacht, was (noch) gar nicht geht, und das ist eine ganze Menge. Mit Fußball, wie man ihn kennt, hat das wenig zu tun. So ist ein Abstand von 1,5 bis zwei Metern dringend einzuhalten, die Simulation eines Wettkampfs ist untersagt, ein Spiel im herkömmlichen Sinne sowieso.

Zudem, und da wird es ein wenig skurril, dürfen die Spieler den Ball nicht in die Hand nehmen, Einwürfe und auch Kopfbälle sind verboten. Selbst für die Schlussmänner gelten besondere Bestimmungen. „Torwarthandschuhe sind während des Trainings wiederholt zu desinfizieren“, heißt es in einem HFV-Schreiben. „Die Torhüter sollen ihr Gesicht möglichst nicht mit den Handschuhen berühren und die Handschuhe keinesfalls mit Speichel befeuchten.“

Das benötigte Trainingsmaterial soll sich auf das Nötigste beschränken, Bälle und Hütchen vor und nach dem Üben desinfiziert werden, die Spieler sind angehalten, ihre Leibchen selbst mitzubringen. Außerdem soll der Zugang zum Trainingsgelände nach Möglichkeit über einen separaten Ein- und Ausgang geregelt werden, um Kontakte zu vermeiden. Jeder Spieler muss vor dem Training seine Hände gründlich waschen, dazu am besten einen „außenliegenden Wasseranschluss“ nutzen.

Auf einem Feld dürfen sich maximal 20 Spieler tummeln, zehn Akteure sollen von einem Trainer beaufsichtigt werden; der Übungsleiter muss Anwesenheitslisten führen, um etwaige Infektionsketten besser nachverfolgen zu können. Duschen, Kabinen oder Vereinsheime bleiben geschlossen. Das ist eine Menge Holz. „Ich würde mit wünschen, dass es für den Breitensport parallel zu den Regeln auch ein Trainingskonzept und einen Leitfaden gibt“, wirft Trainer Scholl ein.

Zu den sehr restriktiven Vorgaben des Verbandes kommen gesonderte Auflagen der Vereine, die die HFV-Regeln nicht selten noch einmal verschärfen. Oftmals geht es da um Rechtssicherheit, Verantwortlichkeit und persönliche Haftung, die Klubs und deren Vorsitzende wollen sich in dieser kniffligen und risikobehafteten Angelegenheit absichern. Das ist absolut verständlich. Ebenso verständlich ist es, dass viele Trainer und Betreuer unter diesen Voraussetzungen mit ihren Teams nicht zurück auf den Platz drängen. Die Frage ist nur, wie lange dieser Zustand noch anhalten wird. Beantworten kann das derzeit wohl niemand.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare