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Trainer, verzweifelt gesucht

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Von: Jan Christian Müller

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Der neunte Trainer, der in der abgelaufenen Saison entlassen wurde: Sebastian Hoeneß.
Der neunte Trainer, der in der abgelaufenen Saison entlassen wurde: Sebastian Hoeneß. © dpa

Sechs aktuelle Vereine der Fußball-Bundesliga befinden sich in Ausschau nach einem neuen Übungsleiter. Dass das sagenumwobene Trainerkarussell zu diesem Zeitpunkt im Jahr derart an Fahrt aufnimmt ist neu. Ein Kommentar.

Hoeneß, Sebastian. Kohfeldt, Florian. Hütter, Adi: alle drei nach Saisonschluss von ihren Arbeitgebern vor die Tür gesetzt. Weinzierl, Markus. Magath, Felix: beide kein neuer Vertrag. Büskens, Mike: rückt in Reihe zwei.

Sechs aktuelle Vereine der Fußball-Bundesliga befinden sich derzeit in Ausschau nach einem neuen Übungsleiter. Dass das sagenumwobene Trainerkarussell zu diesem Zeitpunkt im Jahr derart an Fahrt aufnimmt, ist zwar neu, hat sich aber vergangenes Jahr schon angebahnt.

Fette Ablösen für Nagelsmann, Hütter und Rose

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Da waren es allerdings noch die zunehmend selbstbewussteren Fußballlehrer selbst, die ihr Schicksal in die eigenen Hände nahmen und sich zum Verdruss ihrer bisherigen Klubs meistbietend neuen Arbeitgebern anschlossen: Julian Nagelsmann ging für 25 Millionen Euro von Leipzig nach München, Adi Hütter für 7,5 Millionen von Frankfurt nach Mönchengladbach, Marco Rose für fünf Millionen von Gladbach nach Dortmund. Keiner dieses Trios hat (bisher) den Gegenwert dieser Investitionen erbracht. Wie ein teurer Stürmer, der zu wenig Tore schießt.

Neue Erfahrung für Hoeneß, Kohfeldt, Hütter und Weinzierl

Man sieht: Es geht auf dem Trainermarkt zunehmend so Basar-ähnlich zu wie auf dem Spielermarkt. Und im Grunde ist das eine nur logische Entwicklung. Sebastian Hoeneß, Florian Kohfeldt, Adi Hütter und Markus Weinzierl machen gerade die Erfahrung, dass die Klubmanager nicht mehr bereit sind, sich mit Zweifeln an ihren leitenden Angestellten in eine neue Saison zu wurschteln. Stattdessen werden nach nüchternen Analysen Scheidungen vollführt, die andernfalls aber mit einiger Wahrscheinlichkeit im Frühherbst ohnehin passiert wären.

Früher galt die Fußball-Weisheit: „Fallen im Herbst die Blätter, wackeln im Fußball die Stühle der Trainer.“ Weil fallende Blätter aber einen maximal unglücklichen Zeitpunkt des Abschiednehmens darstellen, weil dann Kader gezimmert und Spielweisen fixiert sind und ein neuer Trainer die zementierten Abläufe erst mühevoll im laufenden Betrieb wieder aufbrechen muss, ist der Mai ein viel besserer Zeitpunkt der Trennung als der Oktober.

Welttrainer Klopp und Tuchel sind längst weg

Grundsätzlich stellt sich in diesem Zusammenhang natürlich auch eine Qualitätsfrage. Die beiden besten deutschen Trainer, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, sind aus der Bundesliga herausgewachsen und in der Premier League unterwegs. Noch deutet sich nicht wirklich an, dass einer der einheimischen Coaches sich anschickt, in deren Fußstapfen zu treten. Nagelsmann, Dominico Tedesco in Leipzig, Matthias Jaissle in Salzburg, Roger Schmidt jetzt bei Benfica Lissabon könnten das Zeug dazu haben. Was aber noch zu beweisen wäre.

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