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Bayern-Trainer Niko Kovac kämpft  gegen Windmühlen, aber er kann nicht anders.  

Bundesliga-Trainer

Von wegen Treue in der Fußball-Bundesliga: Irgendwann wird der Schleudersitz ausgelöst

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Nach neun Spieltagen gab es in der Bundesliga noch keinen Trainerwechsel. Das heißt, dass alle Klubs ihre Ziele noch in Sichtweite haben. Der Kommentar.

Es gibt nicht wenige Experten und Ex-Trainer (der hoch dekorierte und renommierte Ottmar Hitzfeld gehört dazu), die behaupten, das Gehalt eines Bundesligacoaches sei eine Art Schmerzensgeld. Das ist per se eine steile These, weil die Fußballlehrer auf diesem Niveau fürstlich entlohnt werden, einen ganzen Batzen Kohle nach Hause schleppen und die Schmerzen also riesenriesengroß sein müssen, um in diesen monetären Dimensionen aufgewogen werden zu können. 

Das ist nichts Anstößiges, in der Branche werden Milliarden umgesetzt, und Fachkräfte in verantwortungsvoller Position sollen entsprechend honoriert werden – was natürlich nichts daran ändert, dass die generelle Bezahlung im Vergleich zu anderen Berufen utopisch ist und die Relationen nicht stimmen. Aber das nur mal am Rande.

Niko Kovac kämpft gegen Windmühlen

Druck verspüren die professionellen Trainer aber ganz sicher im Überfluss, auf ihnen lasten Erwartungen, auf sie projizieren sich Hoffnungen, Angst und Wut, sie stehen unterm Brennglas der Öffentlichkeit, werden intern und extern kritisiert, müssen einiges aushalten. Das kann der eine besser als der andere, und an manchen Standorten ist eben mehr Dampf im Kessel als an anderen. Das war schon immer so.

In München etwa fühlt sich der 48 Jahre alte Niko Kovac immer wieder derart in die Enge getrieben, dass es irgendwann aus ihm herausplatzt und er, wie erst kürzlich wieder zum circa 126. Mal, mehr Respekt einfordert (gähn). Kovac kämpft da irgendwie gegen Windmühlen, aber er kann nicht anders. Was raus muss, muss raus, erst recht, wenn nichts mehr reingeht. 

Wilde Spekulationen über Kovac-Nachfolger

Kovac (oder auch Lucien Favre in Dortmund) haben es nicht leicht, es ist ja nicht angenehm,wenn schon jetzt wild über Nachfolger spekuliert wird, Oberlehrer Ralf Rangnick, Tottenhams Mauricio Pochettino oder Amsterdams Erik ten Hag ins Spiel gebracht werden. Dabei ist da – Stand jetzt – gar nichts dran. Es ist auch nicht besonders schön, wenn der eigene Boss keine Gelegenheit auslässt, den Kroaten anzuzählen.

Aber neu ist das alles nicht. Schon früher, vor der Hatz nach Klicks, lastete, vor allem in München, ein immenser Druck auf den Trainern, gerade, wenn es nicht oder nicht nach Wunsch lief. Mal bei Otto Rehhagel, Felix Magath oder Jürgen Klinsmann nachfragen, und Giovanni Trapattonis legendäre Flasche-leer-Wutrede vor mehr als zwei Jahrzehnten kam nicht von ungefähr.

Alle Trainer haben nach neun Spieltagen noch ihren Job

20 Jahre ist es übrigens auch her, dass alle Trainer in Liga eins nach neun Spieltagen ihren Job noch hatten – damals, 1999, wurde Jörg Berger in Frankfurt erst nach 17 Spieltagen entlassen und durch Felix Magath ersetzt. Allzu sicher sollten sich die aktuellen Fußballlehrer jedoch nicht fühlen, sehr wahrscheinlich ist die Nibelungentreue nur eine fadenscheinige und kein neuer Trend, sondern einzig und allein Ausdruck der Ausgeglichenheit (oder Schwäche) der Liga. 

Wenn zwischen dem Vorletzten und dem elften Platz, dem elften Rang und dem sechsten Platz und zwischen dem sechsten Rang und dem Spitzenreiter nur jeweils vier Punkte liegen, heißt das, dass fast alle Klubs ihre Ziele noch in Sichtweite haben. Das wird sich irgendwann ändern, und dann wird der Schleudersitz ausgelöst. In München, Dortmund oder sonst wo. Aber zumindest das Schmerzensgeld ist üppig.

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