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Trainer auf Bewährung

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Von: Jan Christian Müller

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Darf auf eine Festanstellung als Cheftrainer hoffen: VfB-Interimstrainer Michael Wimmer.
Darf auf eine Festanstellung als Cheftrainer hoffen: VfB-Interimstrainer Michael Wimmer. © dpa

Der VfB Stuttgart lässt sich bei der Trainersuche Zeit: Es klingt nachvollziehbar, dass man in aller Ruhe entscheiden will, wie man weitermacht. Der Kommentar.

Der Einzige, der beim VfB Stuttgart am Samstag in Dortmund nicht die Handbremse angezogen hatte, war der Busfahrer. So rollte das Gefährt vor der 0:5-Abreibung gemächlich gegen einen Poller. Ein Fan witzelte bei Twitter: „Wenigstens ein Treffer heute!“

Auch der ursprünglich lediglich als Interimslösung losgeschickte vormalige Assistent Michael Wimmer darf weiter hoffen, dass er beim VfB noch zum Volltreffer wird. Das war so nicht unbedingt erwartet worden, schon gar nicht nach einer derart heftigen Niederlage wie in Dortmund, als die Mannschaft jegliche Ansprüche für Bundesligafußball schuldig blieb.

In Stuttgart gibt es eine besonders komplizierte Gemengelage. Man darf gespannt sein, wie sie sich auflöst. Denn dass der selbstbewusste Sportchef Sven Mislintat seit einigen Wochen auch vom sehr präsenten Vorstandsberater Sami Khedira kontrolliert wird, ist wahrscheinlich schwierig. Man kam dann überein, sich vom menschlich und fachlich hochgeschätzten Cheftrainer Pellegrino Matarazzo zu trennen, ohne diesem die Chance zu geben, sich in den relativ einfachen Heimspielen gegen Bochum und im Pokal gegen Bielefeld noch einmal Rückenwind zu holen.

Offenbar ist die Trainersuche danach nicht so gelaufen wie geplant. Weder mit dem Dänen Jess Thorup noch mit dem Ex-Hoffenheimer Alfred Schreuder von Ajax Amsterdam wurde eine Einigung erzielt. Offenbar, weil bei der einen oder anderen Seite die Überzeugung fehlte, und, glaubt man Mislintat, wohl auch deshalb, weil der zum Chef beförderte Co Wimmer mit seiner Ansprache und den hohen Siegen gegen Bochum (4:1) und Bielefeld (6:0) Pluspunkte sammelte. Jetzt darf der 42-Jährige sich in den nicht ganz unwichtigen Partien gegen Augsburg, in Mönchengladbach, gegen die Hertha und in Leverkusen weiter bewähren.

Es gibt im Fußball keine Blaupausen, wie man die Dinge richtig oder falsch macht. Schon gar nicht in dieser Saison, die ohne Beispiel ist, weil sie ab Mitte November für mehr als zwei Monate unterbrochen wird. Deshalb ziemt es sich nicht, den Stuttgarter Verantwortlichen an dieser Stelle vom Schreibtisch aus nachlässiges Verhalten zu unterstellen. Es klingt nachvollziehbar, dass man dann in aller Ruhe entscheiden will, wie man weitermacht. Ein neuer Trainer hätte somit Zeit genug, ohne einen womöglich mit Niederlagen gepackten Rucksack loszulegen. Oder Wimmer dürfte bleiben, wenn er in den nächsten drei Wochen überzeugt. Die Nicht-Leistung in Dortmund hat dafür allerdings keine sachdienlichen Hinweise gegeben.

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