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Große Gefühle: Franck Ribery mit Präsident Uli Hoeneß.

FC Bayern München

Tränen und Trübsinn

Arena-Abschied von Ribery, Robben und Rafinha – und wohl auch von Jerome Boateng.

Auch das letzte Interview des Abends bewältigte Arjen Robben noch mit einem Lächeln. Der Niederländer war auserkoren für eine Schalte ins Sportstudio. Und er wiederholte, was er an diesem Samstagabend so oder so ähnlich schon ein paarmal erzählt hatte. „Es war ein besonderer Tag, ein emotionaler Tag“, sagte Robben. „So was muss man feiern.“ Kurz darauf verließ er die Meisterparty des FC Bayern auf dem Nockherberg – als einer der ersten aus der Mannschaft.

Ein paar Stunden zuvor auf dem Platz hatte er gezeigt, dass er noch immer schafft, was er sich vornimmt. Er bewegte sich geschickt auf der linken Seite vorwärts. Plötzlich spurtete er los Richtung Eckfahne, ließ sich das Weißbierglas reichen, schlug einen Haken, und dann war klar, was der Niederländer plante. Trainer Niko Kovac gab gerade sein erstes Interview als Meistertrainer, als sich Robben in unlauterer Absicht von hinten näherte und das tat, woran die Spieler des FC Bayern nach Titelgewinnen am meisten Spaß haben – den Trainer nass zu machen mit klebrigem Gerstensaft.

Franck Ribery trifft gegen Eintracht Frankfurt

Es war der letzte Treffer des 35-Jährigen in der Bundesliga für den FC Bayern, allerdings wird der in den offiziellen Statistiken nicht geführt, weshalb er sich nach zehn Jahren in München doch nicht mit der erhofften 100-Tore-Marke verabschieden kann. „Aber die 99“, sagt er, „ist vielleicht auch eine schöne Zahl“. Dass auch Franck Ribery, 36, in seinem letzten Bundesligaspiel für den Rekordmeister traf, komplettierte diesen ohnehin schon emotionalen Abschied.

Natürlich flossen Tränen. Franck Ribery schluchzte vor der Fankurve, als er zum Mikrofon griff und sich bedankte. Seine Worte waren nur schwer verständlich. Später auf dem Nockherberg weinte er dann noch einmal, als der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sagte: „Die Verbindung zwischen Franck Ribery und Bayern München wird nie enden“. Der kleine Franzose verbarg das verheulte Gesicht am Hals des größeren Rummenigge.

Arjen Robben denkt schon an das Pokalfinale in Berlin

Arjen Robben weinte nicht, zumindest nicht öffentlich, er dachte vielmehr schon an das Pokalfinale in Berlin am nächsten Samstag, den endgültigen Abschied aus München. Uli Hoeneß waren dagegen schon während des Spiels oben auf der Tribüne beim 4:1 des Franzosen die Tränen gekommen. „Übermannt“ habe es ihn in diesem Moment, gab der Präsident zu, der ein ganz besonderes Verhältnis zu Ribery hat. Rafinha, der wie Robben und Ribery den Verein verlässt, kam nicht zum Einsatz. Geweint hat er aber auch. Vor dem Spiel, danach und bei der Feier.

Jerome Boateng schien das alles nichts mehr anzugehen. Als seine Mitspieler vor der Südkurve feierten, saß der Abwehrchef a.D. am Mittelkreis gedankenverloren mit den Töchtern Lamia und Soley am Fuße des Meisterpodests. Kurz darauf kickte er mit den Zwillingsschwestern ein bisschen, dann verließ er als erster Bayernprofi den Rasen – die Party war noch in vollem Gange.

Bei der Übergabe der Schale hielt er sich im Hintergrund, er verließ als erster Münchner Profi und wortlos die Arena. Bei der abendlichen Feier am Nockherberg stand er nicht mit der Mannschaft auf dem Balkon. Hat der 30-Jährige, der im vergangenen Sommer zu Paris St. Germain wollte, mit den Bayern abgeschlossen? Laut „Bild“ soll er in Absprache mit dem Klub die Hochzeit seines besten Freundes besucht haben. Am Samstag saß er 90 Minuten auf der Bank. „Ich weiß, wie sich Jerome fühlt“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. (mit sid)

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