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Armin Veh hat beim 1. FC Köln schon für eine gewisse Ruhe gesorgt.

1. FC Köln

Tournee der Leiden

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Dem 1. FC Köln droht eine Rückrunde, die für Verdruss und Frust auf allen Ebenen sorgen kann. Ein Kommentar.

In den wenigen Tagen seiner kurzen Amtszeit hat Armin Veh in Köln vielleicht keinen Turnaround und ganz sicher auch keinen gänzlichen Stimmungsumschwung geschafft (wie soll das auch gehen bei drei kümmerlichen Pünktchen in 16 Bundesligaspielen?), aber der neue Sportchef des so arg in der Klemme steckenden Bundesligaschlusslichts hat sehr wohl für ein anderes Klima und eine gewisse Ruhe gesorgt. 

Binnen weniger Tage hat der Menschenfänger Veh aus einem verzankten und zwieträchtigen FC, der auf dem besten Weg in alte Chaoszeiten war, wieder einen halbwegs normalen Verein gemacht: Grabenkämpfe, Anfeindungen, Indiskretionen hat es seither nicht mehr gegeben. Das bringt dem früheren Meistertrainer zwar keinen Punkt in der Tabelle, aber immerhin eine solide, vernünftige Arbeitsatmosphäre. Die ist nötig. Denn der Klassenverbleib ist nur noch dann möglich, wenn sich etwas Übernatürliches in den Abstiegskampf einschalten würde. Davon sollte man nicht ausgehen. 

Obwohl es dem von der Trainerbank auf den Bürostuhl gewechselte Veh zuzutrauen ist, für ein bisschen Frieden zu sorgen, droht den Rheinländern eine fürchterliche Rückrunde. Denn man muss erst einmal 17 Spiele in fünf Monaten durchstehen, in denen es quasi nur noch darum geht, sich würdig aus der Bundesliga zu verabschieden. Es ist eine verdammt lange Tournee der Leiden, die sich zieht, die für Verdruss und Frust auf allen Ebenen sorgen kann. 

Dem FC droht, das ist ja klar, der Ausverkauf, womöglich schon zu Teilen jetzt im Winter, sicherlich aber im kommenden Sommer. Profis wie Torwart und Charakterkopf Timo Horn (der immer wieder mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht wird), Nationalspieler Jonas Hector, Wuchtbrumme Dominique Heintz, aber auch Marco Höger, Jhon Cordoba oder Leonardo Bittencourt werden sicherlich nicht zu halten sein. Die Frage wird sein, wie lange die gesamte Mannschaft Moral und Haltung zeigen kann, um sich nicht gehen zu lassen und sich dem Schicksal nicht zu ergeben. Das wird von den Ergebnissen abhängen. Sollte es weiterhin Prügel auf allen Feldern setzen, droht eine Rückrunde des Grauens. Dann werden die Fans aufbegehren, es wird innerhalb der Mannschaft rumoren, der Trainer (wer auch immer das dann sein wird) würde gewiss gleich wieder infrage gestellt. Ob mit ihm dann überhaupt das Projekt Wiederaufstieg anzugehen wäre? Zweifel bleiben. 

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Der FC wird in Liga zwo einen Etat auf die Beine stellen können, der sich so um die 30 Millionen Euro bewegen wird. Da muss man schon verdammt viel falsch machen, um nicht gleich wieder aufzusteigen. 

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