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Alles neu in Londons Norden.

Tottenham Hotspurs

Viel mehr als ein Stadion

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Die neue Heimat der Tottenham Hotspurs einiges zu bieten. Unter anderem auch die längste Theke Europas.

Noch hat es keinen Namen, das neue Prachtstück, das sich im Norden Londons erhebt wie eine Botschaft aus der Zukunft. Behelfsweise, bis ein Namenssponsor gefunden ist, hat das Stadion der Tottenham Hotspurs seinen Arbeitstitel behalten – Tottenham Hotspur Stadion. Eine nüchterne Bezeichnung für das wohl aufregendste Sportgebäude Londons, Großbritanniens, Europas. Ein architektonisches Meisterwerk, sündhaft teuer zwar mit mehr als einer Milliarde Euro, womöglich aber jeden Cent wert.

Als sie ausgezogen sind aus der White Hart Lane, im Mai 2017, nach 118 Jahren, sind die Tränen geflossen bei den Spurs. Es folgten fast zwei Jahre Untermiete im ungeliebten Wembleystadion, bis die neue Heimat fertig war, an Ort und Stelle der guten, alten Lane, und wieder schlugen die Emotionen hoch. „Wir haben geweint, als wir das alte Stadion verlassen haben, und heute weinen wir erneut“, hat Tottenham-Trainer Maurizio Pochettino bei der offiziellen Stadioneröffnung gesagt, Ende März, fast ein halbes Jahr später als geplant. Probleme mit der Elektrizität, der Alarmsicherung. Kann passieren bei einem Milliardenbauwerk.

„Wir haben ein neues Haus, und wir werden eine neue Heimat daraus machen“, sagte der Argentinier Pochettino, seit fünf Jahren bei Tottenham: „Die White Hart Lane war magisch, aber ich habe das Gefühl, das neue Stadion ist das beste der Welt.“

Alleine die Fakten sind beeindruckend. Mit einem Fassungsvermögen von 62 062 Plätzen ist es das größte Stadion in der englischen Hauptstadt, die Tribünen beherbergen die längste Theke Europas (65 Meter), eine eigene Bäckerei, eine eigene Brauerei, die bis zu einer Million Bier im Jahr produzieren kann, bis zu 10 000 Pints in der Minute. Es gibt 65 luxuriöse Logen, beliefert mit Sternecatering, einen sogenannten Skywalk unterm Dach und den „Tunnel Club“ im Erdgeschoss, in dem man die Spieler auf dem Weg zum Rasen beobachten kann, durch eine einseitig verspiegelte Glaswand. Das Stadion ist durchdigitalisiert, überall WLAN, bargeldloses Zahlen, aber wer auf der Tribüne sitzt, sagen die Menschen, die beim Ligadebüt gegen Crystal Palace am Wochenende da waren, kommt trotzdem in den Genuss des typisch englischen Stadionflairs. Die Tribünen direkt am Spielfeldrand, die Atmosphäre so dicht wie der Londoner Nebel.

Die neue Heimat der Spurs ist ein klassisches Fußballstadion und doch viel mehr. „Eine ökonomische Ambition“, wie der „Guardian“ schrieb. Ganz bestimmt eine Benchmark für zukünftige Projekte dieser Größenordnung. Die Milliarde jedenfalls ist schnell wieder drin; der Verein rechnet im neuen Stadion mit Jahreseinnahmen von fast 300 Millionen Euro.

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