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Kurzes Zwischenhoch in Sotschi: Joachim Löw und die berühmte Laterne an der Strandpromenade.
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Kurzes Zwischenhoch in Sotschi: Joachim Löw und die berühmte Laterne an der Strandpromenade.

DFB-Quartiere

Toter Frosch und Trost an der Laterne

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Die DFB-Unterkünfte waren nicht immer optimal in den vergangenen 15 Jahren, aber das weltmeisterliche Campo Bahia in Brasilien ragte heraus

Nach dem Vorbild des berühmten Campo Bahia in Brasilien hat der DFB sein sogenanntes „Team Base Camp“ für die EM 2021 auf dem Gelände des Ausrüsters Adidas errichten lassen. Die Begeisterung ist groß. Ein Blick zurück auf die Unterkünfte in der Ära Joachim Löw zeigt allerdings: Nicht immer stimmte alles.

2006 im Schlosshotel Grunewald: Ursprünglich wollte der DFB für die WM im eigenen Land ins Schlosshotel Lerbach nach Bergisch-Gladbach ziehen. Trainiert werden sollte in der BayArena in Leverkusen. Aber der 2004 verpflichtete Bundestrainer Jürgen Klinsmann warf mit Assistent Jogi Löw an seiner Seite alle Planungen um. In Leverkusen und Bergisch-Gladbach war man stinksauer. Klinsmann war´s einerlei. Seine Idee: Aus der Hauptstadt Berlin sollte das Team Energie ziehen. Also wurde das Schlosshotel Grunewald gebucht, Manager Oliver Bierhoff baute eine hübsche Wellness-Landschaft zum Entspannen im Garten auf - und das Sommermärchen nahm seinen Anfang.

2008 im Hotel Giardino: Olli Bierhoff hatte für die EM in der Schweiz und Österreich eine schöne Herberge am Hang in Ascona im Tessin gefunden, reichlich abgelegen nah an der italienischen Grenze. Blöd nur, dass der Bus zu jedem Training auf dem Centro Sportivo in Tenero am Lago Maggiore durch einen kilometerlangen Tunnel fahren musste. Hin und wieder zurück. Der olle Tunnel nervte bald Spieler, Trainer und Betreuer gleichermaßen. Die Stimmung wurde außerdem getrübt, weil Capitano Michael Ballack wenig amüsiert war, dass nach dem 1:2 in der Vorrunde gegen Kroatien ein Familientag am Hotelpool stattfand. Es gab mächtig Stress mit fast allen Mitspielern außer Kumpel Torsten Frings.

2010 im Hotel Velmore: Nach Rücksprache mit Teamdoktor Tim Meyer entschied sich der DFB dafür, auf der Hochebene zwischen Pretoria und Johannesburg zu residieren. Das Hotel Velmore war nicht mehr ganz taufrisch, sogar ein toter Frosch wurde mal im Pool gesichtet. Der Trainingsplatz war eine dreiviertel Stunde weit entfernt, dafür gab es einen kleinen Bolzplatz auf der Anlage. Mesut Özil fror im südafrikanischen Winter mit Temperaturen bis zum Nullpunkt nächtelang in seinem Zimmer, ehe ihm ein Elektroofen hingestellt wurde. Sogar Bundespräsident Christian Wulf kam zu Besuch und lobte die tolle Multikultitruppe.

2012 im Hotel Olivenhof: Schön gelegen am Stadtrand von Danzig, nicht weit vom quirligen Badeort Sopot entfernt, wo die Journalisten ihre Bleibe fanden und bei der Arbeit in einem regnerischen Sommer auf den Ostseestrand schauen konnten. Der Olivenhof lag gut zum Flughafen Danzig, aber sehr weit weg von den Vorrundenspielorten in der Ukraine. Lange Flugreisen, schlechte Laune durch die Ersatzspieler von Meister Dortmund. Aber dafür konnte der Olivenhof natürlich nichts.

2014 im Campo Bahia: Die in allerletzter Minute fertiggestellte Villenanlage an der brasilianischen Atlantikküste mit direktem Strandzugang ist Legende. Zu erreichen nur mittels einer Fährverbindung in den kleinen Fischerort Santo André, durch den ein Sandweg führte, auf dem die Hunde und Katzen schliefen. Der „Geist des Campo Bahia“ brachte die Mannschaft bis ins WM-Finale, auch wenn der Weg zum Flughafen in Porto Seguro über zwei Dutzend Bremsschwellen führte, die den Teambus mitsamt Insassen ordentlich durchschüttelten. Oliver Bierhoff war hohes Risiko gegangen und dafür belohnt worden. Ein Geniestreich!

2016 im Hotel Ermitage: Reichlich weit abgelegen am Genfer See im durch sein Quellwasser berühmten Evian-les-Bains mit Blick auf den Genfer See gastierte der DFB-Tross zur EM in Frankreich. Großer Nachteil: Zum Flughafen nach Annecy braucht der Mannschaftsbus über unzählige Verkehrskreisel und enge Straßen hinweg eineinhalb Stunden. Manchem Spieler wurde schlecht. Die Begeisterung über die Fahrten hielt sich in engen Grenzen, zudem regnete es anfangs mal Bindfäden, mal Sturzbäche. Der ursprüngliche Plan, vom viel näheren Genf in der Schweiz aus zu den fernen Spielorten zu fliegen, wurde nach den Pariser Terroranschlägen von den französischen Behörden abgelehnt. Insgesamt keine gute Bierhoff-Planung. Eines der schönen Golfhotels in der Nähe von Paris oder Bordeaux wäre die klügere Wahl gewesen.

2018 in Watutinki: Der Tiefpunkt in einer grauen Vorstadt von Moskau. Joachim Löw hatte das DFB-Quartier nach den klasse Erfahrungen beim Confed-Cup 2017 unbedingt in Sotschi am Schwarzen Meer aufschlagen wollen. Aber Bierhoff dachte die WM von hinten und fand, dass die Wege zu den entscheidenden Finalspielen aus der ehemaligen Olympiastadt zu weit gewesen wären. Dummerweise wurde es dann noch nicht mal was mit dem Achtelfinale. Die Geheimdienst-Ferienanlage in Watutinki bot zwar tiptop Arbeitsbedingungen für die mitgereisten Reporter, das Teamhotel verbreitete allerdings den Charme einer besseren Jugendherberge. Die Stimmung hätte nicht schlechter sein können. Bei Löw wurde sie nur einmal kurz gut, als er vorm Spiel gegen Schweden auf der Strandpromenade im geliebten Sotschi zum Trost an einer Laterne lehnen durfte.

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