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Torjubel von Anthony Modeste: Rotzfrech röstfrisch

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Von: Jan Christian Müller

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Nachhaltiger Jubel: Anthony Modeste.
Nachhaltiger Jubel: Anthony Modeste. © dpa

Kölns Anthony Modeste hält beim Torjubel eine Packung Kaffee aus eigener Herstellung öffentlichkeitswirksam in die Kamera. Das sollte Folgen für ihn haben. Ein Kommentar.

Anthony Modeste trinkt am liebsten Cappuccino. Der Mittelstürmer des 1. FC Köln ist Stammgast in einem Café am Kölner Friesenplatz. Daraus entwickelte sich die Idee, eine eigene Kaffeemarke aufzulegen. Der Franzose, der zudem in Monaco ein italienisches Restaurant betreibt, ist mit seinen 34 Jahren ja nicht mehr ganz taufrisch. Es kann also nicht schaden, heute schon an morgen zu denken.

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Aber man sollte es im Bestreben nach Eigennutz nicht zu weit treiben. Das hat Modeste nach seinem 2:1 gegen Arminia Bielefeld getan. Er griff sich eine eigens dort deponierte Packung Kaffee aus eigener Herstellung, hielt die Tüte öffentlichkeitswirksam in die Kamera und beförderte sie danach auf die Tribüne.

Die Folgen der Schleichwerbung sollten nicht kostenlos bleiben. Der DFB-Kontrollausschuss hat Ermittlungen aufgenommen. Die Sportrichter könnten sich in ihrem Strafmaß an der Uefa orientieren. Die drückte vor zehn Jahren dem damaligen dänischen Nationalspieler Nicklas Bendtner 100 000 Euro und ein Spiel Sperre auf, weil der schwer erziehbare Stürmer beim Torjubel seine Unterhose mit dem Schriftzug eines Wettanbieters präsentiert hatte.

Rüffel von Steffen Baumgart

Kölns Trainer Steffen Baumgart rüffelte seinen Starstürmer Modeste pädagogisch deutlich unsanft: „Du darfst nicht überdrehen, sonst kriegst du meistens vor die Fresse.“ Modeste fand eine fadenscheinige Begründung für seine Aktion, die dem Fußball-Staatsanwalt und dem hohen Gericht wenig einleuchten dürfte: „Das war ein kleines Dankeschön, weil die Fans uns immer unterstützen. Also habe ich ein bisschen Kaffee geschenkt. Mein Trikot kann ich ja nicht geben.“

Dereinst hatte es Mario Gomez nicht weniger eigennützig, aber umso listiger angestellt, um einer Strafe zu entgehen. Der Ex-Nationalspieler imitierte nach einem Tor den Flügelschlag der Red-Bull-Reklame. Die DFB-Ermittler stellten resignierend fest: „Das eventuelle Nachspielen einer Werbemaßnahme im Rahmen einer Jubelszene allein durch Gestik erfüllt nicht die Voraussetzung der Unsportlichkeit.“ Gomez ist heute technischer Direktor von Red Bull Soccer International.

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