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Nach Krebserkrankung

Torhüterin Berger genießt ihr DFB-Comeback

Ann-Katrin Berger ist eine Kämpferin. Die Torhüterin des FC Chelsea überstand eine Krebserkrankung und schaffte den Sprung ins Nationalteam.

Am rechtem Unterarm trägt Ann-Katrin Berger ein Tattoo, das Wort "adventure" ist dort zu lesen. Ein Abenteuer, ein Erlebnis, ist für die 29 Jahre alte Torhüterin auch die Zeit beim Fußball-Nationalteam, das seit vergangener Woche im sonnigen Portugal den Algarve Cup bestreitet.

"Es ist schön hier, das Niveau ist noch mal eine Stufe höher", sagt Berger lächelnd. Die 1,80 m große Schwäbin wirkt beim Gespräch im Foyer des noblen Team-Hotels Conrad in Almancil entspannt, wählt ihre Worte aber mit Bedacht. Ein englischer Akzent hat sich eingeschlichen.

Seit 2016 und ihrem Wechsel von Paris St. Germain zu Birmingham City spielt die frühere Potsdamerin in England. Es läuft gut dort - bis am 17. November 2017 nach einem stark geschwollenen Lymphknoten am Hals die Schockdiagnose folgt. Schilddrüsenkrebs. Mit 27.

"Bei dem Wort Krebs ist mir schwarz vor Augen geworden", erinnert sich Berger an den Tag der Diagnose. Mit einer guten Heilungsprognose der Ärzte als Motivation nimmt sie damals, kurz nach dem Tod ihres Vaters, sofort den Kampf gegen die Krankheit an.

"Für mich war von Anfang an klar, dass ich wieder Fußball spielen wollte", sagt Berger. Am Tag darauf geht die Torhüterin zum Training, erst danach weiht sie ihre Mitspielerinnen ein. Berger demonstriert: Seht, mir geht es gut, ich lasse mich nicht unterkriegen.

"Ich hatte den Rückhalt von Familie, Freunden und dem Verein. Alle haben akzeptiert, dass ich kein Mitleid wollte", sagt sie. Anfang Dezember wird Berger operiert, die Narbe am Hals lässt einen äußerst unangenehmen Eingriff erahnen.

Die Tage danach sind schwierig. "Du hast kein Gefühl in dem Bereich, du weißt, dass ein Kopf dran ist, aber du weißt nicht, ob er abfällt oder nicht", sagt Berger, lachend fügt sie hinzu: "Dann durfte ich nach Hause und habe als halber Frankenstein Weihnachten gefeiert."

Im Januar 2018 folgt eine Radiojodtherapie mit drei Tagen Isolation, für Berger "einer der schlimmsten Momente. Da wurde ich behandelt, als ob ich vom Mars komme." Sie nutzt die Zeit zur Reha. Hinterher erzählt eine Krankenschwester: "In meinen 20 Jahren hier habe ich noch nie jemanden gesehen, der da drin trainiert hat."

Berger lässt sich nicht aufhalten. Schon am 4. Februar gibt sie ihr Comeback. Sie wird immer Medikamente nehmen und jährlich zur Kontrolle gehen müssen, aber: "Ich bin stärker herausgekommen als zuvor."

Und so wird sie 12 Monate nach der Diagnose erstmals zum Nationalteam eingeladen, jetzt beim Algarve Cup ist sie erneut dabei. Für Berger, die nach einem U19-Einsatz offenbar im Ausland vom DFB-Radar verschwunden war, ist es eine Genugtuung: "Ich wollte immer in der Nationalmannschaft spielen, aber mir auch treu bleiben, Dinge anders machen."

Auf ihren ersten Einsatz muss sie vor dem Algarve-Cup-Finale am Mittwoch (19.45 Uhr) gegen Italien allerdings noch warten. "Man weiß nie. Ich muss mich einfinden, mache mir da keinen Druck."

Berger geht ihren eigenen Weg. Im Januar 2019 wechselte sie innerhalb der enorm aufstrebenden FA WSL zum damaligen Meister FC Chelsea, der seine großen Ambitionen jüngst mit der Verpflichtung von Australiens Star-Stürmerin Sam Kerr untermauerte.

"Ich liebe es, im Training gegen sie zu spielen", sagt Berger, "es macht Riesenspaß von ihr zu lernen. Und wenn ich einen Ball halte, tauscht sie sich aber auch mit mir aus." Lernen kann man von dieser Ann-Katrin Berger jede Menge. Nicht nur beim Fußball.

sid

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