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Das Phänomen: Nils Petersen.

SC Freiburg

Der Torgarant

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Nils Petersen ist im Breisgau unverzichtbar.

So ganz ohne Fußball geht es dann doch nicht. Einerseits hat Nils Petersen zwar gesagt, er habe jeden freien Tag in der verkürzten Winterpause genossen, andererseits wollte der Stürmer des SC Freiburg eben auch nicht völlig ohne seine Lieblingsbeschäftigung auskommen. Also hat er sich beim England-Besuch mit Vater und Schwester einfach noch zwei Premier-League-Spiele angeschaut, Arsenal gegen Liverpool und West Ham gegen Newcastle. „Wenn man sieht, wie es da zugeht, weiß man unsere Pause zu schätzen.“ Auch wenn sie eben kurz wie selten war.

Genau wie der kommende Gegner Eintracht Frankfurt hat sich auch der Sportclub in südspanischen Gefilden auf die zweite Halbserie vorbereitet. Petersen war ein gefragter Gesprächspartner im Trainingslager, seitdem er mit seinem Denkanstoß in Sachen Bildung für Profifußballer offenbar in ein Wespennest stieß. „Ich wollte damit einfach nur zum Ausdruck bringen, dass viele andere Leute mehr zu bieten haben und viel mehr können. In der Schule war ich ein Durchschnittsschüler und spiele seit zehn Jahren nur Fußball. Und alle anderen bilden sich weiter, haben eine Ausbildung oder studieren. Dass das bei uns zu kurz kommt, finde ich ein bisschen schade“, erklärte der 29-Jährige im Nachgang dem „Kicker“.

Wer ansonsten an ihn dachte, dem fielen ja zuvorderst seine Jokertore ein. Mit traumwandlerischer Sicherheit traf die Nummer 18 immer dann, wenn er eingewechselt wurde. Vergangene Saison überholte Petersen den bisherigen Rekordhalter Alexander Zickler in dieser Kategorie. Da nagte es am ehrgeizigen Mittelstürmer, dass es in dieser Saison nicht mehr so lief wie gewohnt. An den ersten zehn Spieltagen brachte ihn Trainer Christian Streich im Laufe einer Partie achtmal, aber nur einmal netzte der aus Wernigerode im Harz stammende Petersen. „Am Anfang war es nicht so erfolgreich, da braucht man nicht drumherum zu reden. Am Ende stimmte aber die Quote.“ Petersen hat sich nämlich auf einmal als Stammspieler zum Torgaranten entwickelt, seit Kollege Florian Niederlechner mit gebrochener Kniescheibe ausfällt. Acht Treffer (bei nur 776 Einsatzminuten) sind teamintern unerreicht, der nächstbeste Freiburger hat nur zwei Törchen auf dem Konto. Ohne ihren 1,88-Meter-Mann, der gegen Mainz (2:1), Köln (4:3) und Mönchengladbach (1:0) siegbringende Treffer erzielte und zum Hinrundenkehraus auch in Augsburg (3:3) zweimal traf, würden die Breisgauer auf einem Abstiegsplatz stehen.

Prima Bilanz

Der Sportclub hat viele gute Spieler ausgebildet und kluge Transfers getätigt – aber bei kaum einem war das Preis-Leistungs-Verhältnis besser als bei Petersen, der im Januar 2015 zunächst vom SV Werder ausgeliehen und dann für einen für heutige Verhältnisse Spottpreis von 2,8 Millionen Euro gekauft wurde. Seine Freiburger Bilanz: 92 Ligaspiele, 48 Tore, 14 Vorlagen.
Petersen weiß, dass es in dieser Saison nur um den Klassenerhalt geht: „Die Diskrepanz zwischen unserer Heimstärke und Auswärtsschwäche müssen wir loskriegen, sonst wird es schwer in der Bundesliga. Es darf nicht sein, dass die anderen Teams sich freuen, wenn der Mannschaftsbus des SC Freiburg vorfährt.“

Insgesamt sei man aber wieder auf dem richtigen Weg. „Wir haben uns wieder zu einem unangenehmen Gegner gemausert. Das ist gut für uns, dass wir selber wieder wissen, wir sind eklig zu bespielen und können überall bestehen.“ Dennoch werde es schwer genug, drei Mannschaften hinter sich zu lassen, „auch wenn wir uns im Dezember zum Glück ein bisschen Luft verschafft haben.“ Dank seiner Tore.

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