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Topspiel als Trendsetter

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Von: Frank Hellmann

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Bekanntes Bild: Wolfsburg jubelt, München ist frustriert.
Bekanntes Bild: Wolfsburg jubelt, München ist frustriert. © dpa

Wolfsburg und Bayern geben in der Frauen-Bundesliga den Ton an. Die Münchnerinnen wollen endlich die Wolfsburger Dominanz brechen.

Es gibt so Tage, an die möchte eine Sportlerin nicht gerne erinnert werden. Doch vergessen haben die Fußballerinnen des FC Bayern natürlich nicht, was am 3. April dieses Jahres passierte. Völlig entkräftet, der Kader nach mehreren Coronafällen ausgezehrt, kassierten die Münchnerinnen mal wieder eine Niederlage gegen den VfL Wolfsburg. Die 0:6-Pleite am Mittellandkanal manifestierte den Tiefpunkt einer Saison, in der damals binnen weniger Tage alle Titelträume platzten. Am Ende sackte wieder der Werksklub Meisterschale und DFB-Pokal ein – auch weil er alle drei direkten Duelle gewann.

Klar, dass Ralf Kellermann vor dem Bundesliga-Gipfel zwischen Wolfsburg und Bayern (Sonntag 14 Uhr/NDR und BR) die jüngere Historie herauskramt. Schließlich haben die „Wölfinnen“ jenes Sieger-Gen implantiert, das im deutschen Fußball gemeinhin den männlichen Bayern-Stars zugeschrieben wird. Bei den Frauen hat jedoch der VfL in den vergangenen acht Jahren 13 von 16 nationalen Titeln gewonnen – unterbrochen von drei Münchner Meisterschaften (2015, 2016, 2021). Kellermann stutzt selbst ein bisschen, denn eigentlich seien beide Vereine sportlich wie wirtschaftlich auf Augenhöhe: „Bayern unternimmt immense Anstrengungen, sie sind mit dem Campus weit vorne und haben die Strahlkraft einer Stadt, die für junge Frauen sehr attraktiv ist.“

Stattliche Kulisse

Dazu käme der Glanz der Marke FC Bayern. Alles Argumente, die längst für eine Wachablösung sprechen müssten, die aber bis heute nicht erfolgt ist – und weswegen auch Trainer Jens Scheuer gehen musste, dem Alexander Straus gefolgt ist. Das Topspiel ist auch für den Novizen aus Norwegen der Lackmustest. Dauerhaft wollen Lina Magull, Lea Schüller oder Linda Dallmann nicht titellos bleiben. Das Mia-san-Mia-Leitbild gilt geschlechterübergreifend.

Doch der Frauen-Abteilung fehlte lange eine echte Strategie. Auch Bianca Rech vermisste einen klaren Plan, „in welche Richtung die FC Bayern-Frauen in Zukunft gehen wollen“, sagte die Sportliche Leiterin bei Amtsantritt 2019 – und forderte eine Vision ein.

Nur die beiden Champions-League-Teilnehmer zahlen teils fünfstellige Monatsgehälter. Aktuell spielen zehn Vize-Europameisterinnen für Wolfsburg, sechs für Bayern. Das Stelldichein der EM-Heldinnen lockt eine stattliche Kulisse in die werkseigene Arena: Weit mehr als 15 000 Karten sind verkauft, das sei „richtig klasse“, meint Kellermann. Nach vier Spieltagen vermeldet die Frauen-Bundesliga bislang einen Schnitt von 2270 Besuchern – fast das Dreifache der Vorsaison (811).

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