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Leitet sie künftig die Frauen-Nationalmannschaft an? Martina Voss-Tecklenburg.

Bundestrainerin

Topkandidatin Martina Voss-Tecklenburg

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Wenn sich der Deutsche Fußball-Bund für Martina Voss-Tecklenburg als neue Bundestrainerin entscheidet, muss Horst Hrubesch bis zum Jahresende Überstunden schieben.

Am Dienstag in einer Woche feiert Horst Hrubesch seinen 67. Geburtstag. Es ist davon auszugehen, dass der passionierte Angler von seiner Frau Angelika wieder ein passendes Präsent bekommt. Noch offen ist derzeit, ob ein Interimstrainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft dann schon wieder ausgedient hat, der am heutigen Dienstag (16 Uhr/ZDF) gegen Slowenien seinen zweiten Sieg in der WM-Qualifikation einfahren dürfte. So beachtlich der Gastgeber mit seinen nur zwei Millionen Einwohnern in anderen Sportarten mithält, der slowenische Frauenfußball ist bei gerade einmal 2000 registrierten Spielerinnen nicht konkurrenzfähig.

Die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult glaubt, dass der Gegner wie beim 0:6 im Hinspiel im Sportpark von Ingolstadt nun auch im Sportni-Park von Domzale nur auf Schadensbegrenzung aus ist. Und viel interessanter als das heutige Ergebnis erscheint ohnehin die nahende Entscheidung in der Trainerfrage. Der Sportliche Leiter Nationalmannschaften Joti Chatzialexiou bekannte vor dem Flug nach Ljubljana im ZDF-Interview: „Wir sind auf der Zielgeraden.“ Verkündung demnächst?

Definitiv hat es ein längeres Gespräch mit der Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg gegeben, die von Chatzialexiou am Frankfurter Flughafen als „interessante Trainerin“ bezeichnet wurde. Überdies beschrieb der 42-Jährige konkret ein Anforderungsprofil, das auf die 125-fache deutsche Nationalstürmerin zutrifft: „Wir wollen jemand mit internationaler Erfahrung, der diese Benchmark kennt.“ Damit könnte aber auch Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter des VfL Wolfsburg, gemeint sein.

Auch Ralf Kellermann passt ins Profil

Dass die sogar noch im Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf tätige Voss-Tecklenburg mit ihrem Werdegang eine natürliche Topkandidatin ist, steht fest. Die 50-Jährige hat sich in der Frauen-Bundesliga (FCR Duisburg, USV Jena) hochgearbeitet, die Schweiz zur WM 2015 in Kanada und zur EM 2017 in den Niederlanden geführt. Nun scheinen gewisse Grenzen erreicht und die ehrgeizige Überzeugungstäterin bereit für die nächste Herausforderung, sonst hätte sie nicht das deutsche Qualifikationsspiel am vergangenen Samstag in Halle gegen Tschechien (4:0) besucht.

Gegenüber Schweizer Medien beschied sie zuvor: „Es ist jetzt nicht die richtige Phase, ein Statement abzugeben.“ Ein Dementi klingt anders. Der Schweizerische Fußballverband (SFV) weiß, dass die erfolgreiche Nationaltrainerin nicht zu halten ist, zumal ihr Vertrag ohnehin am Jahresende ausläuft.

Die von Voss-Tecklenburg aus dem Dornröschenschlag geweckte „Nati“ liegt mit fünf Siegen in fünf Spielen in ihrer WM-Qualifikationsgruppe – anders als die gegen Island so peinlich patzenden deutschen Fußballerinnen – unangefochten vorne, muss allerdings Ende August und Anfang September noch Auswärtsspiele in Schottland und Polen bestreiten. Vor diesem Hintergrund ist die Einlassung von DFB-Präsident Reinhard Grindel zu verstehen, man müsse schauen, „in welchen vertraglichen Bindungen die Vorgeschlagenen stehen.“

Und es käme wohl auf den richtigen Zeitpunkt eines Wechsels an. Es macht eigentlich wenig Sinn, einen neuen Trainer oder Trainerin, der laut Chatzialexiou auch das „Silodenken“ aufbrechen und enger mit dem Nachwuchsbereich zusammenarbeiten soll, gleich in das entscheidende WM-Qualifikationsspiel auf Island am 1. September zu schicken. Selbst ein Remis in Reykjavik könnte ja zu wenig sein, wenn Island nicht mehr patzt. Und dann stünde dem zweifachen Weltmeister Deutschland mit den Playoffs ein teuflisches Nadelöhr bevor, für das aus sieben Qualifikationsgruppen ohnehin nur die vier besten Zweiten infrage kommen. Es folgen Halbfinale und Finale – und allein der Sieger löst das letzte Europaticket zur Frauen-WM 2019 in Frankreich.

Eingedenk möglicher Gegner wie EM-Finalist Dänemark, dem WM-Dritten England und sogar Europameister Niederlande stünde Oktober und November ein Lackmustest bevor, den der deutsche Frauenfußball so noch nie erlebt hat.

Und in dem vielleicht sogar die beste Lösung ein Mann wäre, der in seinem langen Fußballerleben schon alles erlebt hat. Hrubesch schließt bis Jahresende jedenfalls „gar nichts aus“. Da scheint einer zu spüren, dass ihn die deutschen Fußballerinnen womöglich noch brauchen. Die geplante Neuseeland-Reise mit seiner Frau wird jedenfalls nicht im Herbst angetreten, sondern ist verschoben in den Februar nächsten Jahres.

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