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Selfie der Stars: Toni Kroos (links) und Boxer Wladimir Klitschko bei der Vorab-Premiere des Films „Kroos“ in Köln.

Interview

Toni Kroos: „Das macht uns besser“

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Toni Kroos über seinen Film, die neue Nationalmannschaft, sein Vorbild, seine Stiftung und warum er seine Schuhe lieber selber putzt

Am Donnerstag kommt der Dokumentarfilm „Kroos“ in die Kinos. Regisseur Manfred Oldenburg hat den 29-jährigen Fußballprofi Toni Kroos dafür beim Training, bei Spielen, aber auch in dessen Privatleben begleitet und zeichnet dessen Werdegang von Greifswald bis nach Madrid nach.

Kroos wurde im Januar 1990, knapp zwei Monate nach dem Mauerfall, in Greifswald geboren. Er gilt als einer der besten Mittelfeldspieler weltweit und hat seit 2010 92 Länderspiele für Deutschland absolviert, unter anderem das WM-Finale 2014 in Rio de Janeiro.

Er ist seit Juni 2015 mit seiner zuvor schon langjährigen Freundin Jessica verheiratet. Das Paar hat drei kleine Kinder: Leon, Amelie und Fin.

Herr Kroos, der Film „Kroos“ startet mit einer Szene, in der Sie Ihre Fußballschuhe mit einer Bürste schrubben und ins Regal stellen. Gibt es dafür bei Real Madrid keinen Zeugwart?
Doch, den gibt es schon. Aber meine Fußballschuhe sind das Wichtigste, wenn ich auf den Platz gehe. Ich muss in weißen Schuhen spielen, das ist so ein kleiner Tick von mir. Da stört mich selbst das kleinste bisschen Dreck. Deshalb putze und pflege ich meine Schuhe selber.

Bei Real werden Sie manchmal „IceMan“ genannt, weil Ihr Spiel so kaltblütig und rational wirkt. Ist das wirklich so?
Das war unser Physiotherapeut, der das gesagt hat. Aufs Spiel bezogen stimmt das. Ich finde, dass man ohne Emotionen auf dem Platz oft bessere Entscheidungen trifft. Richtig ist auch, dass ich so gut wie nie nervös bin. Ich weiß nicht, wer mir das gegeben hat, in meiner Familie ist das eigentlich nicht verbreitet.

Jetzt, mit genügend Abstand: Was waren die Gründe für das enttäuschende Ausscheiden in der WM-Vorrunde 2018?
Wir hatten einfach deutlich zu viele Spieler, die bei der WM nicht in der Lage waren, ihr Topniveau zu spielen. Die sportliche Qualität und Form haben gefehlt. In Deutschland wird dann immer gleich nach vielen anderen Gründen gesucht: Haben die etwa zu viel Playstation gespielt? Daran hat es sicher nicht gelegen. 2014 wurde auch viel Playstation gespielt (lacht).

Und wie steht die deutsche Nationalmannschaft heute da?
Ich habe ein sehr gutes Gefühl für die EM 2020. Jogi Löw hat einiges verändert. Er hat nicht nur wild Namen getauscht, sondern setzt auf andere Spielertypen auf einzelnen Positionen. Unser Ziel ist nach wie vor, die Spiele zu dominieren, aber wir suchen wieder zielstrebiger den Weg nach vorne. Gerade im Sturm haben wir andere Typen, die das Eins-gegen-Eins stärker forcieren. Das macht uns

unberechenbarer und besser.

Interessant ist die Episode, dass es kein Bild von Ihnen mit dem WM-Pokal 2014 gibt…
Das gehört zu meiner Persönlichkeit. Auf dem Weg zum Erfolg spiele ich gerne eine Hauptrolle. Wenn es dann geschafft ist, trete ich gerne in den Hintergrund.

Gab es für Sie Vorbilder? Zinedine Zidane etwa? Ihr alter und neuer Trainer bei Real Madrid sagt im Film: „Uns verbindet die Liebe zum Spiel“.
Natürlich war Zidane damals für jeden jungen Fußballer ein Vorbild. Mein hauptsächliches Vorbild war zunächst aber Johan Micoud, der bei Werder Bremen gespielt hat. Ich war damals Werder-Fan, und er hat als Zehner auf der Position gespielt, die ich mochte. Die Art, wie er gekickt hat, immer elegant, Chef auf dem Platz, das hat mir extrem gefallen.

Spontan: Ihr erster Gedanke zu Ihrem Geburtsort Greifswald?
Bolzplatz. Volksstadion. Lustigerweise ist mein Vater da ja heute wieder Trainer. Wir waren dort, bis ich zwölf war und wir nach Rostock gegangen sind. Meine Großeltern wohnen noch dort. Der Garten, das ist der zweite Gedanke, der mir einfällt. Da wurden viele Familienpartys gefeiert.

Wie prägend war Ihr Vater Roland Kroos für Sie?
Sehr prägend. Er hat mich auf den Weg gebracht. Er war auch oft Trainer meiner Mannschaft. Er war sehr hinterher, weil er gemerkt hat, das könnte etwas Großes werden. Das Thema Fußball war in der Familie oft zu groß. Es wurde jedes Training ausgewertet, jedes Spiel, andere Themen blieben etwas auf der Strecke. Im Nachgang ist das zwar schade, aber ich habe mit meinem Papa ein gutes Verhältnis.

Im Alter von 16 Jahren sind Sie zu den Bayern gegangen. So früh raus aus dem Elternhaus - was hat das mit Ihnen gemacht?
Für mich war es anfangs sehr schwer. Die Familie, meinen Bruder Felix, mit dem ich mir ein Zimmer geteilt hatte, zu verlassen, das war schon traurig. Aber ich habe schon damals gesagt: Wenn ich es angehe mit dem Fußball, dann richtig.

Was bedeutet Ihnen Ihre Familie?
Alles. Als ich meine Frau kennenlernte und dann die Kinder kamen, hat das den Fußball relativiert, ohne dass ich ihn vernachlässigt habe. Heute ist es ein schönes Gefühl, dass mein Gemütszustand nicht von Sieg oder Niederlage abhängt, sondern davon, wie es meinen Kindern und meiner Frau geht. 

Vor Weihnachten 2014 haben Sie mit Ihrem Verein Real Madrid in einem Krankenhaus schwerkranke Kinder besucht. Daraus entstand die Idee Ihrer Toni-Kroos-Stiftung, mit der Sie sich um kranke und schwerkranke Kinder kümmern…
Die Idee für die Stiftung bestand schon länger, nach dem Besuch in der Klinik war auch das Ziel klar. Da stand ein Kind vor mir, das war zu der Zeit genauso alt wie mein Sohn und hatte Krebs. Da kann man nicht einfach die Tür zumachen und gehen, da möchte man helfen. Es gibt dazu in der Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Hospizen viele Möglichkeiten. Sei es ein Wunsch, den die Kinder haben, den die Eltern aber nicht erfüllen können. Sei es Hilfe für die Familien, um ihnen den Alltag zu erleichtern. Da sind wir jetzt knapp vier Jahre dabei und ich bin sehr stolz darauf.

Sie haben einen langfristigen Vertrag bei Real bis 2023. Was kommt danach?
Ich tippe, aktiv nicht mehr viel. Dann bin ich 33, das ist ein Alter, in dem ein Vertrag nicht mehr so lange läuft, sondern ausläuft.

Werden Sie dann in Madrid oder in Deutschland wohnen?
Köln ist meine auserwählte Heimat in Deutschland. Stand heute ist der Plan, dass wir nach meinem Karriereende hier leben werden. Aber ich würde es auch nicht komplett ausschließen, in Madrid zu bleiben.

Interview: Carsten Fiedler

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