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Toni Kroos ist sauer über „Scheißfragen“

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Von: Günter Klein

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Es ist geschafft: Toni Kroos (links) hat den Pokal.
Es ist geschafft: Toni Kroos (links) hat den Pokal. © AFP

Scharmützel mit ZDF-Reporter Nils Kaben nach dem Champions League-Finale offenbart auch den Frust des Weltstars über anhaltende Kritik aus Deutschland.

Über den Sinn von Interviews auf dem Spielfeld lässt sich eigentlich nicht einmal streiten. Diese Kurzgespräche zwischen kühlem Reporter und heißgelaufenem Spieler erfahren bei Fußballkonsumenten breite Ablehnung. Dass es sie dennoch gibt, hat mit der Verlockung zu tun, die emotionale Begegnung noch auf dem Rasen als Baustein des Medienpakets zu verkaufen. Der Erstverwerter darf näher ran und mehr fragen.

Doch was soll man fragen, wenn man frageberechtigt ist? Etwas zur Befindlichkeit des Spielers? Ja, auch das, aber das „Wie fühlen Sie sich?“ ist das schlimmste Klischee. Dann lieber etwas zum Spiel, also Fußballfachliches. Allerdings gibt es Momente, in denen das, was 90 Minuten war, keine Bedeutung mehr hat, weil das Erreichte alles überstrahlt.

In diesem Zwiespalt kam es zum Zusammenstoß zwischen Nils Kaben (ZDF-Reporter) und Toni Kroos (glückseliger Real-Madrid-Spieler). Seitdem wird über diese knappe Minute heftiger diskutiert als über alles andere, was das Finale zwischen Liverpool und Real betraf.

Mehrheitlich wurde Toni Kroos dafür gefeiert, dass er Kaben auflaufen ließ: „Du hattest 90 Minuten Zeit, dir vernünftige Fragen zu überlegen. Und dann stellst du mir zwei so Scheißfragen.“ Hinterhergeschoben nach dem Abbruch des Interviews noch ein „Ganz schlimm, ganz schlimm, wirklich“ und dass das typisch deutsch sei. Kroos störte sich an der Frage zur Dominanz Liverpools.

Toni Kroos ist ein Weltstar des Fußballs, das hat er am Samstag mal wieder bewiesen. Doch er wirkt mit seiner Karriere nicht ganz im Reinen, er glaubt, in Deutschland sei man ihm mehr Achtung schuldig. Schnell ist er aus nichtigem Anlass eingeschnappt, das war schon öfter so. Tut er nicht alles, um in der Heimat zu punkten? Kinofilm, Stiftungsarbeit, pfiffiger Podcast.

Eben, er könnte noch größer sein. Mit Gelassenheit, mit Selbstironie. Aber das schaffte Kroos, typisch deutsch auch er, im Stade de France nicht. Hinterher hatte er sich wieder beruhigt. „Fünfmal das Ding zu gewinnen, das ist unfassbar“, sagte die Passmaschine von Real Madrid nach einem Abend für die Geschichtsbücher mit Stolz in der Stimme. Vor Kroos hatte nur Cristiano Ronaldo fünfmal die Champions League gewonnen, nun zog der 32-Jährige gleich. „Ich habe vor der Saison nicht damit gerechnet, dass wir ins Finale kommen können. Geschweige denn, es zu gewinnen“, so Kroos nach einem Spiel, bei dem er mit seiner Seelenruhe zum Fels in der Brandung wurde.

Kroos freute sich vor allem über die Unterstützung seiner Kinder Leon, Amelie und Fin. „Es war das erste Mal, dass alle im Stadion waren. Es war mein großes Ziel, dass das heute passiert. Es geht immer nur als Team. Bei uns zu Hause läuft es auch nur als Team“, sagte er bei Dazn bewegt.

Seit acht Jahren hat der Weltmeister von 2014 bei Real einen Stammplatz, doch in Deutschland klebt das „Querpass-Toni“-Image an ihm wie ein lästiges Kaugummi unter der Schuhsohle. Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte vor einem Jahr sogar erklärt, Kroos passe „nicht mehr in den Fußball“. Wie falsch Hoeneß damit lag, bewies Kroos nun mit einer anfangs abgeklärten, später tatsächlich überragenden Leistung. mit sid/FR

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