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Rücktritt aus der Nationalmannschaft

Toni Kroos: Ein Rücktritt mit langem Anlauf

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Mittelfeldstar Toni Kroos gibt seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt. Das wollte er schon

Man hatte es schon ahnen können: Nach dem Achtelfinal-Aus in London hatte Toni Kroos sich bis zum Freitagnachmittag lang nicht mehr in seinem Podcast „Einfach mal Luppen – EM Spezial“ gemeinsam mit seinem Bruder Felix zu Wort gemeldet. Die Ruhe war verdächtig, und der Verdacht erhärtete sich: Da gab der 31-Jährige seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt. Die Entscheidung sei schon vor der EM 2021 unabhängig vom Ausgang gefallen, erklärte er in einer um zwei Tage verspäteten Sonderfolge des Podcasts unter der Überschrift „Rücktritt“. Er habe, so Kroos zur Verzögerung, sich nicht mit einer „ganz schlechten Laune“ zurückmelden wollen, „jetzt ist es nur noch schlechte“.

Eine gewisse Genervtheit über die öffentliche Wahrnehmung seiner Leistungen war bei dem vierfachen Champions League-Sieger und Weltmeister von 2014 schon in den Wochen zuvor stets herauszuhören gewesen. Dass seine Fähigkeiten, gerade die in der Balleroberung, von Fans und Medien zuletzt zunehmend kritisiert worden waren, hat die anerkannte Passmaschine geärgert. Kroos hat bei der EM auch non-verbal darauf geantwortet. Indem er einen Toni Kroos präsentiert hatte, den man so noch nicht kannte, der grätschte und blockte, Bälle kämpfend eroberte, sich nach hinten für nichts zu schade war – und dabei auch Momente nach vorn verpasste.

Toni Kroos ist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

Toni Kroos macht den Weg frei

Es gab bei dieser EM allerdings nicht viele davon. Das Dickicht an Abwehrbeinen war zu groß, die Anspielmöglichkeiten zu gering. Kroos hat nur selten gute Bälle in die Spitze gespielt, aber lag das vor allem an ihm? War er zu lahm? Oder lag es noch viel mehr daran, dass sich die Stürmer zu selten in Bereiche bewegten, in denen sie hätten angespielt werden können? Dass aus Kroos kein Tempodribbler mehr werden würde, der – wie etwas Leon Goretzka – mit eigenen Tiefenläufen Lücken reißt, konnte niemand erwarten.

Kroos macht nun den Weg frei für Jüngere. Für Goretzka und vor allem dafür, dass der neue Bundestrainer Hansi Flick die Bayern-Führungskraft Joshua Kimmich ins Zentrum versetzen kann, wo Kimmich hingehört, wo er wegen Kroos‘ Anwesenheit neben dem unsichtbaren Ilkay Gündogan bei dieser EM aber keinen Platz fand.

Wer im Podcast die Bestätigung für seinen Rücktritt hören wollte, musste bis zur 18. Minute warten. Dann sagte Kroos, er habe sich „schon im Vorfeld Gedanken gemacht, wie es weitergeht“ und sei „zu der Entscheidung gekommen, dass dieses 106. Länderspiel gegen England das letzte für mich war“. Die Entscheidung sei unwiderruflich. „Es ist auch jetzt nicht so, dass ich nach dem Turnier aufgewacht bin und gesagt habe, ,um Gottes Willen, ich muss das jetzt alles überdenken.´“ Dann sprach er seinen Bruder direkt an: „Du weiß ja, Felix, dass auch 2018 schon darüber nachgedacht habe, meine Karriere in der Nationalmannschaft zu beenden.“ Seinerzeit habe Joachim Löw „darum gekämpft, dass ich weiter mache“, ebenso, wie Sohn Leon und Ehefrau Jessy.

Toni Kroos will sich ganz auf Real Madrid konzentrieren

Jetzt sei er mit sich im Reinen. „Es tut mir gut, mehr bei der Familie zu sein. Weil ich als Ehemann und Papa mehr da sein will und gebraucht werde.“ Es sei „sehr, sehr gerne Nationalspieler“ gewesen, habe aber noch mehr als andere darunter gelitten, wenn er nicht bei den Lieben daheim war. „Dementsprechend war das auch grundsätzlich immer keine einfache Zeit“, sondern ein „großes Laster“

Zudem merke er nach 14 Jahren im Profifußball den körperlichen Verschleiß „leicht“. Der Rücktritt beim DFB diene auch als Prophylaxe vor Verletzungen: „Ich möchte sicher gehen, auch in den nächsten Jahren weiter auf Topniveau spielen zu können“. Denn: „Ich spiele beim in meinem Augen größten Verein der Welt. Das hat einen gewissen Aufwand und eine gewisse Erwartung – und zieht einen großen Kräfteverschleiß mit sich.“ Er wolle Real Madrid „noch einige Jahre präsentieren“. Das würde sicher leichter fallen ohne die zusätzliche Belastung mit der Nationalmannschaft.

Toni Kroos: Jetzt erst einmal in den Urlaub

Kroos sprach von einem „Abschnitt, der überragend war. Der mich auch sehr stolz gemacht hat jedes Mal aufs Neue". Er habe sich bei Löw persönlich über dessen Vertrauen über elf Jahre hinweg seit seinem DFB-Debüt im März 2010 bedankt und habe „großen Respekt vor Jogi.“ Und er sei froh, dass diese Karriere nicht mit einem Vorrunden-Aus gegen Ungarn beendet wurde, sondern im Wembley-Stadion. Denn gegen England, findet der gebürtige Greifswalder, hätten sie sich „erhobenen Hauptes“ von der EM verabschiedet. Das Auftreten 2021 sei nicht mit dem bei der WM 2018 vergleichbar, „da hatten wir es nicht verdient weiterzukommen“. Diesmal hätte er „das Gefühl“ gehabt, „dass was drin ist“. Das Gefühl trog. Die Enttäuschung sitzt noch tief. Er werde sich kein weiteres EM-Spiel mehr anschauen.

Die Familie Kroos begibt sich Montag in den Griechenland-Urlaub. Seele baumeln lassen. (Jan Christian Müller)

Rubriklistenbild: © dpa

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