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Unangenehme Rückendeckung: Paco Alcacer (rechts) und Alfredo Morales.

Titelkampf

Dortmund schiebt Druck nach München

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Der BVB hält seine Titelchance, ohne dabei souverän zu wirken und sieht noch eine realistische „Minimalchance“.

Axel Witsel, belgischer Nationalspieler in Diensten von Borussia Dortmund, schüttelte nach dem 3:2 (1:0)-Erfolg über Fortuna Düsseldorf nur noch mit dem Kopf. „Die Bundesliga ist verrückt“, sagte der Mittelfeldakteur. „Einen Tag bist du traurig, weil du – wie wir zuletzt in Bremen – einen Fehler gemacht hast. Dann bist du wieder glücklich, weil du immer noch die Chance besitzt, Meister zu werden.“

Der BVB verkürzte in einer kuriosen Partie gegen den starken Neuling aus Düsseldorf den Rückstand auf den Spitzenreiter aus München auf zwei Punkte, muss aber am kommenden Samstag (15.30 Uhr) in Mönchengladbach gewinnen, gleichzeitig auf einen Sieg der Frankfurter Eintracht in München hoffen.

Angesichts des aktuellen Leistungsstands wird es für die Dortmunder schon schwer genug, beim Namensvetter vom Niederrhein einen Dreier zu landen. „Dass wir in den vergangenen Wochen den einen oder anderen Vorsprung verspielt haben, hat natürlich Spuren hinterlassen. Wir hatten nicht mehr die Sicherheit und Souveränität im eigenen Spiel“, erklärte Michael Zorc nach dem am Ende schmeichelhaften Sieg über die Fortuna.

Zittern bis zum Schluss

Nach dem Tor von Christian Pulisic (41.), dem Ausgleich durch Oliver Fink (47.), weil sich Bürki-Vertreter Marwin Hitz im BVB-Tor einen bösen Patzer leistete, sowie den weiteren Treffern Thomas Delaney (53.) und Mario Götze (90.+2 führten die Schwarz-Gelben schon mit 3:1. Dennoch gerieten sie am Ende erneut in Bedrängnis und kassierten den Anschluss durch Dawid Kownacki (90.+5), obwohl die Fortuna nach der Roten Karte für Adam Bodzek (83.) in Unterzahl spielte. Glück hatten die Borussen bereits zuvor, als Dodi Lukebakio einen Foulelfmeter (56.) neben das Tor setzte.

„Am Schluss war es wieder Drama. Ich glaube, wir haben ein Faible dafür, es am Ende immer spannend zu machen, gerade zu Hause“, ärgerte sich Torschütze Mario Götze, richtete aber wie alle Dortmunder gleich den Blick nach vorn: „Was in der Vergangenheit war, das zählt jetzt nicht mehr. Wir haben ein Finale. Wir müssen noch einmal alles raushauen. Das wird eine große Herausforderung, dann noch auswärts in Gladbach, wo es immer schwierig ist.“

Und Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung, versuchte gleich den Druck vom Team zu nehmen: „Die letzten Wochen sind insgesamt sehr nervenaufreibend. Wir haben eine junge Truppe. Das ist auch eine spezielle Situation für sie, damit umzugehen. Da möchte ich die Mannschaft auch mal in Schutz nehmen.“

„Sehr spezielle Finalwoche“

Wie Kehl erklärte, werden die Dortmunder in der „sehr speziellen Finalwoche“ ausschließlich hinter verschlossenen Türen trainieren. Alles soll von den Spielern ferngehalten werden, damit sie sich in Ruhe auf den letzten Auftritt konzentrieren können. Geistige und mentale Frische seien laut Kehl mit Blick auf die Partie in Gladbach von extremer Bedeutung, die Mannschaft soll die Aufgabe mit Leichtigkeit und Freude angehen.

Der große Druck liege jetzt bei den Münchnern, beteuern die Borussen. „Die Bayern müssen es regeln, weil sie zu Hause spielen“, erklärte Kehl, der auf die zuletzt starken Leistungen der Frankfurter hinwies: „Warum soll die Eintracht nicht in der Lage sein, auch in München zu gewinnen. Die Bayern waren in den vergangenen Wochen auch nicht so souverän. Ich glaube nicht, dass die Überzeugung bei ihnen im Moment so groß ist, dass sie sagen, die Sache ist eigentlich geklärt.“ Auch Sportdirektor Zorc witterte eine Minimalchance: „Wir haben jetzt erst gerade in der Champions League gesehen, das im Fußball Dinge eintreten, die man vorher nicht für möglich gehalten hat.“

Für den US-Amerikaner Pulisic war es das letzte Heimspiel für den BVB: Im Sommer wechselt der flinke Kerl zum FC Chelsea nach London. Chelsea hatte Pulisic im Winter für 64 Millionen Euro verpflichtet und dann an den BVB zurückverliehen. Schon vor Anpfiff hatten die Borussen und die 81 000 Zuschauer Abschied genommen. Pulisic hat fünf Jahre beim BVB unter Vertrag gestanden. „Es war ein sehr emotionaler Tag, auch mit dem Tor“, sagte er zum Abschied, der nächste Woche noch versüßt werden soll.

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