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Oliver Kahn (rechts), hier zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge, könnte bei Bayern München in den Zirkel der Macht aufgenommen werden.

Oliver Kahn

Titan als Windmacher

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Oliver Kahn wäre es zuzutrauen, frischen Wind an der Säbener Straße zu entfachen. Nur auf die unsägliche Bayern-Attitüde des "Mia san mia" sollte er verzichten. Ein Kommentar.

Kaum ist die ermüdende Zwangspause wegen der vielen Länderspiele rund um den Globus vorüber, kaum öffnet die Bundesliga ihre Pforten, da dreht sich die Fußballwelt wieder um den FC Großmannssucht, der auf einmal aber etwas bescheidender daherkommt. Könnte, nur so eine Vermutung, daran liegen, dass die Bayern auf Platz fünf rangieren (sogar hinter Eintracht Frankfurt) und sieben Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund aufweisen. Das ist ein Haufen Holz.

Niko Kovac, der taumelnde Trainer des geschrumpften Riesen, hat am Freitag vor dem samstäglichen Duell gegen die Zwerge aus Düsseldorf jedenfalls recht kleinlaut gesagt: „Wir reden jetzt nicht über das Ziel Meistertitel. Wir können nicht nach oben schauen, wir müssen erst mal zuschauen, dass wir die Mannschaften vor uns überholen und bis zum Jahresende den einen oder anderen Punkt abgeknabbert haben.“ Wird schwer, selbst die Bayern haben noch nie einen so großen Rückstand nach elf Spieltagen aufholen können.

Karl-Heinz Rummenigge hat dessen ungeachtet den Druck erhöht: „Die Mannschaft und auch der Trainer sind jetzt gefragt, um verlorenes Terrain wieder zurückzugewinnen.“ Klaro.

Rummenigge ist, gemeinsam mit Uli Hoeneß, so etwas wie der Obermufti bei den Bayern, und die beiden Alphatiere haben eine ganze Menge lästige Dinge am Hals, die sie in dieser Form nicht kannten oder zumindest schon lange nicht mehr erlebt haben: Da ist die sportliche Krise, die Stumpfsinnigkeit der Mannschaft, die Kritik an ihrem unerfahrenen und sicher nicht fehlerfreien Trainer. Da ist ein Sportdirektor, der wie ein kläffender Wadenbeißer, aber nicht wie ein hochrangiger Funktionär daherkommt; da sind Interna, die keine Interna mehr sind, sobald der Maulwurf die Mannschaftskabine verlassen hat, und da ist diese an Peinlichkeit nur schwerlich zu überbietende Pressekonferenz, in der sich die Bayern selbst als arrogante und selbstgefällige Machtmenschen entlarvten. 

Und nun? Nun haben die Münchner vielleicht kein wirkliches Führungsproblem, so weit sind sie dann doch noch nicht, aber dass überhaupt darüber spekuliert wird, ob Oliver Kahn in den Zirkel der Macht aufgenommen werden soll, zeigt, dass irgendjemand in den Gremien die Zeichen der Zeit erkannt hat. Denn die Bayern benötigen an der Spitze dringend eine Blutauffrischung, einen, der einen anderen Zug reinbringt, der festgefahrene Strukturen aufbricht oder zumindest aufweicht, der einen anderen Blickwinkel hat und den angestaubten Laden etwas rausputzt.

Kahn, der Titan, war als Spieler vielleicht nicht unbedingt ein großer Sympathieträger (er war so ziemlich das Gegenteil davon), aber er hat an Statur, Souveränität und Format gewonnen, im TV-Studio hinterlässt er einen guten Eindruck, und er hat sich als erfolgreicher Unternehmer profiliert. Dem klugen Kahn wäre es zuzutrauen, frischen Wind an der Säbener Straße zu entfachen.

Nur auf diese unsägliche Bayern-Attitüde („Mia san mia“, und der Rest ist nix), die er früher ebenfalls verkörperte, sollte er einfach verzichten.

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