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Timo Werner wirbt in eigener Sache

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Von: Jan Christian Müller

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Anerkennung: Bundestrainer Hansi Flick umarmt Timo Werner nach dessen Auswechselung.
Anerkennung: Bundestrainer Hansi Flick umarmt Timo Werner nach dessen Auswechselung. © dpa

Dem Chelsea-Stürmer gelingt das sechste Tor im sechsten Spiel unter Hansi Flick, der zu noch mehr Trainingseifer anregt

Timo Werner redet gar nicht großartig drumherum: „Bei Chelsea läuft es gerade nicht so wie gewünscht.“ Der Stürmer spielt dort unter Thomas Tuchel nicht immer, und wenn er spielt, macht er zu wenig Tore. Das unterscheidet den 26-Jährigen von seinem vier Jahre jüngeren Mitspieler Kai Havertz. Der spielt fast immer und trifft verlässlich beim deutschen Trainer des Champions League-Siegers.

Am Samstagabend im Länderspiel gegen Israel haben Werner und Havertz das blaue Hemd von Chelsea gegen das weiße der Nationalmannschaft getauscht. Für Werner scheint das immer zu einer Art Metamorphose zu führen, Havertz macht da einfach weiter, wo er bei Chelsea aufgehört hat: spielen und treffen. Diesmal wieder per Kopf, was kein Zufall ist: Havertz ist ein hervorragender Kopfballspieler, was angesichts seiner Hochbegabung mit dem linken Fuß am Ball manchmal ganz vergessen wird.

Nun sollte man allerdings auch nicht überbewerten, dass Werner mit dem Adler auf der Brust in sechs Spielen unter Hansi Flick sechs Tore erzielt hat. Die Gegner hießen nämlich Liechtenstein, Armenien, Island, Rumänien, Nordmazedonien und Israel und mithin nicht Tottenham, West Ham oder Liverpool, wo Angreifer in der Regel viel seltener zum Torabschluss kommen. Aber kleinreden muss man Werners halbes Dutzend seit August 2021 deshalb natürlich auch nicht. Diesmal machte er sein Tor nach einem flach hereingegebenen Freistoß von Ilkay Gündogan. Die Laufwege waren besprochen, die Umsetzung erfolgte maximal professionell.

Flick hat es sich zur Aufgabe gemacht, den schnellen Stürmer gewinnbringend für beide Seiten zu nutzen. Werner, dem die Unsicherheit ja allenthalben anzumerken ist, soll Selbstvertrauen tanken beim DFB. Der DFB soll davon aber auch was haben: Tiefenläufe, die Räume für die Mitspieler reißen, und Tore. Werner präsentiert beides zur Genüge, hat in Deutschland gerade mehr Freude am Spiel als in England und sinniert jetzt öffentlich: „Vielleicht passt das Spiel hier mehr zu mir.“ Vielleicht passen die Gegner aber auch besser, aber die werden schon ab Dienstag (Niederlande, später im Jahr noch England und Italien) ein anderes Kaliber aufweisen.

Flick legt Wert darauf, einen engen Austausch mit Werners Vereinstrainer Tuchel zu führen, den er gar nicht genügend loben kann. Ganz so viel Lob wie der Chelsea-Chefcoach bekommt Werner nicht. Flick lässt nach der Unterredung mit Tuchel durchblicken, Werner müsse sich „in jedem Training anbieten“. Klingt im Subtext verdächtig danach, als gäbe es da noch Optimierungsbedarf. Wie dem auch sei: Gegen Israel hat Werner für sich geworben und noch einen klugen Satz hinzugefügt: „Ich will so viele Tore schießen, wie ich kann.“

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