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Tiefe Gräben bei den Offenbacher Kickers

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Von: Christian Düncher, Stefan Fritschi

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Bekommt Druck aus der Vereinsführung: Kickers-Coach Sreto Ristic.
Bekommt Druck aus der Vereinsführung: Kickers-Coach Sreto Ristic. © Harald Bremes/Jan Huebner

Zwei Lager sind nach 4:0-Sieg gegen den FSV Frankfurt deutlich sichtbar / Tim Görner soll FSV-Trainer bleiben

Die Laune von Kickers Offenbachs Trainer Sreto Ristic bei der Pressekonferenz passte nicht zu der von seiner Elf gezeigten Leistung sowie der nach Abpfiff herrschenden Partystimmung auf den Rängen und sorgte auch beim Gegner für Verwunderung. „Hier brennt die Luft“, stellte Michael Görner, Präsident des FSV Frankfurt, nach der zweiten 0:4-Klatsche gegen den OFC innerhalb von rund drei Wochen fest und ergänzte süffisant: „Die Kickers haben sich wie wir für die kommende Saison in der Regionalliga qualifiziert. Das ist doch gar nicht schlecht.“

Für die Ansprüche des OFC ist Platz drei indes zu wenig. Dessen ist sich auch Trainer Ristic bewusst. „Wir haben das große Ziel nicht erreicht“, gab er zu, stellte seinem Team aber dennoch ein positives Zeugnis aus. Was die Mannschaft „in einem schweren Jahr“ geleistet habe, sei „unter den Umständen aller Ehren wert“.

Im Verein gibt es aber auch andere Meinungen. Es haben sich längst zwei Lager gebildet. Die sportliche Leitung mit Ristic und Geschäftsführer Thomas Sobotzik auf der einen Seite, auf der anderen entscheidende Teile der Vereinsgremien und Sponsoren. Bezeichnend: Klubchef Joachim Wagner und Vize Peter Roth standen nach der Partie weit abseits von Ristic und Sobotzik.

Offene Differenzen

Bei der Pressekonferenz traten die Differenzen dann offen zutage. Auf die Frage, ob er sich mit Blick auf den deutlichen Sieg und die klare Überlegenheit nicht gewünscht hätte, das sein Team bei der Generalprobe für das Hessenpokal-Finale (21. Mai, 12.15 Uhr, in Gießen gegen Ligarivale TSV Steinbach Haiger) ein bisschen mehr gefordert worden wäre, reagierte Ristic extrem dünnhäutig.

Er habe das Gefühl, dass Erfolge seiner Elf immer damit begründet werden, dass der Gegner schlecht gewesen sei, sagte der 46-Jährige und redete sich in Rage. Mit lauter Stimme wies er erneut darauf hin, dass man jedem Gegner mit viel Respekt begegnen müsse. Das Motto „Wir sind Offenbach, dreimal hupen und die gehen zur Seite“ sei fehl am Platz. „Es muss zu einem Umdenken kommen, sonst wird es problematisch.“

Wie Ende April im Hessenpokal verließ der FSV Frankfurt nun auch in der Liga als 0:4-Verlierer den Bieberer Berg. „Ich bin froh, dass die Saison vorbei ist und das Trainerteam den Klassenerhalt geschafft hat“, konstatierte der Sportliche Leiter Thomas Brendel. Tim Görner, dies ist sehr sicher, wird auch in der kommenden Regionalligasaison als Trainer wieder an der Seitenlinie die Anweisungen geben.

„Ich persönlich würde mich freuen, Tim ist mit viel Herzblut dabei“, sagte Brendel. Zuletzt hatte sich der 46-Jährige noch reservierter zur Trainerpersonalie geäußert. Dass er weitermachen will, hatte Görner schon mehrmals geäußert. Womöglich schon am Montag, ziemlich sicher in den nächsten Tagen wird die Vertragsverlängerung umgesetzt.

Die Zeit drängt, denn dann müssen die Entscheidungen getroffen werden, mit wem weiter zusammengearbeitet werden soll, wer kein neues Vertragsangebot bekommt und wer an den Bornheimer Hang geholt werden soll. Brendel betonte, dass noch kein Spieler verabschiedet worden ist. „In der Woche folgen die abschließenden Gespräche“, sagte er zum aktuellen Personal. „Proaktiv ist auch keiner auf uns zugekommen und hat gesagt, uns verlassen zu wollen.“

Fest steht lediglich, dass der Leihvertrag mit Felix Heim ausläuft und er zu Rot-Weiss Essen zurückkehrt. Doch nach dem Aufstieg des Clubs von der Hafenstraße in die dritte Liga ist eine weitere Ausleihe denkbar. „Felix ist ein guter Junge“, könnte sich Brendel dies durchaus vorstellen. Mit potenziellen Neuzugängen liefen Gespräche – aber es sei noch nichts finalisiert.

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