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Das Objekt der Begierde: der WM-Pokal.

Frauenfußball-WM 2027

Tief im Westen – statt in Frankfurt?

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Nordrhein-Westfalen könnte alleiniger deutscher Schauplatz der Frauenfußball-WM 2027 werden. Und was ist mit Frankfurt?

Natürlich war Siegfried Dietrich in den Vorlauf involviert. Der Frankfurter Frauenfußball-Impresario, bekanntlich weit mehr als nur Sportdirektor für die Frauen von Eintracht Frankfurt und Vorsitzender des Ausschusses Frauen-Bundesligen, schien am Montagmorgen noch überrascht, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine offizielle Bewerbung für die Frauen-WM 2027 abgegeben hat, die federführend aber in der Hand des Niederländischen Fußball-Verbandes (KNVB) liegt, der die Veröffentlichung steuerte.

Deshalb hat Dietrich ein bisschen gebraucht, bis er seine passende Erklärung zusammenzimmerte. Wie immer formulierte der 63-Jährige wohlfeile Worte auf die Wachstumspotenziale speziell in der Frauen-Bundesliga, aber viel wichtiger war der Nachsatz des Generalbevollmächtigten der Eintracht Frankfurt Fußball AG: „Natürlich wäre ich auch begeistert, wenn Frankfurt mit seinem WM-Finalstadion von 2011 dazugehören würde.“ Das macht bei kurzem Nachdenken dann doch stutzig.

Frankfurt gilt nicht nur seit zwei Jahrzehnten als Hochburg des europäischen Frauenfußballs, sondern verfügt über eine moderne Arena, die gerade für die Männer-EM 2024 noch einmal mit großem Aufwand modernisiert wird. Dazu müsste die Spielstätte mit ihrer zentralen Lage direkt neben dem neuen DFB-Sitz – die Akademie ist fußläufig erreichbar – doch gesetzt sein, sollte der Dreierverbund Niederlande-Belgien-Deutschland den Zuschlag erhalten.

Doch die Planspiele könnten in eine andere Richtung laufen und ein verkehrstechnisch gut erreichbares Dreiländereck errichtet werden, bei dem Deutschland nur vier Spielorte in Nordrhein-Westfalen nominiert. Nichts anderes hat nämlich DFB-Direktorin Heike Ullrich angedeutet: „Wegen der räumlichen Nähe zu den beiden Partnern bieten sich Stadien im Westen Deutschlands besonders an. Da spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle, die sich bis 2027 sicher vergrößern wird.“

Sind damit nur Städte wie Köln, Düsseldorf, Gelsenkirchen oder Mönchengladbach in der Verlosung? Charme hätte das für die Co-Organisatoren in Belgien oder den Niederlande, weil dann das Turnier als regional begrenztes Cluster beworben werden kann. Darauf deutet Ullrich hin, wenn sie festhält: „Wir glauben, dass unsere zentrale Lage in Europa und die kurzen Wege zwischen den Spielorten eine besondere und zeitgemäße WM ermöglichen würden.“ Von Düsseldorf nach Amsterdam sind es mit dem ICE derzeit 2:16 Stunden, von Köln nach Brüssel 2:43 Stunden.

Wohl nur vier Städte

Die Holländer sind Ideengeber und Initiatoren der Bewerbung. Daher sollte Deutschland nicht davon ausgehen, trotz der Ausweitung auf 32 Nationen auf mehr als vier Spielorte zu setzen. Das käme heraus, wenn die zwölf Städte unter drei Ländern paritätisch geteilt werden. Bei der Frauen-WM 2023 richten mit Australien und Neuseeland erstmals zwei Nationen ein solches Mammutturnier aus, sieben zu fünf lautet das Verhältnis der zwölf Austragungsstädte.

Wobei das Thema Nachhaltigkeit bei der Auswahl übrigens mal gar keine Rolle gespielt hatte. Denn der gesamte australische Küstenstreifen von Perth an der Westküste, Adelaide, Melbourne im Süden, über Sydney bis hoch an der Ostküste nach Brisbane wird bespielt. Das macht für alle Beteiligten Abertausende von Flugkilometern. Daher darf Dietrich sehr berechtigt mal leise nachhaken, ob vier Jahre später ein solch globales Ereignis wie eine Frauen-WM in Deutschland ausschließlich tief im Westen abgehalten werden muss.

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