Karl-Heinz Rummenigge spricht von einer bombigen Sache.
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Karl-Heinz Rummenigge spricht von einer bombigen Sache.

Champions League in Lissabon

Thrill mit Nachteilen

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Das Finalturnier der Champions League hat durchaus seinen Reiz, findet nicht nur Karl-Heinz Rummenigge. Doch eine Zukunft hat das Format nicht - eine gute Nachricht für viele Fans. Ein Kommentar.

Der mächtige Kalle findet ja, dass das Finalturnier von Lissabon eine bombige Sache ist. Ganz unabhängig vom Abschneiden seiner Münchner habe es diesen speziellen „Thrill“, jene Spannung, die aus den ballspielenden Protagonisten der acht besten europäischen Teams die allerallerletzten Prozentpunkte herauszukitzeln vermag. Wahnsinnig müsse man zwar sein, findet der Bajuware, „wahnsinnig konzentriert“ wohlgemerkt, doch offensichtlich ist er ein riesengroßer Fan des coronabedingt aus der Taufe gehobenen Wettbewerbs, der Herr Rummenigge. Das sei auch etwas für die Zukunft, schlägt er vor.

Wenngleich man bei vielem, was der Kalle so von sich gibt, lieber vorsichtig sein sollte, sind einige seiner Argumente in diesem Fall stichhaltig. Bisher wurde in der Stadt am Tejo tatsächlich Interessantes geboten. Etwa ein Pariser Scheich-Ensemble, das die Aufholjagd gegen den größten Außenseiter aller Außenseiter, jenen aus Bergamo, aufgrund des K.o.-Modus nicht aufschieben kann, das All-In geht und gewinnt. Oder die Leipziger Blubberbrause-Truppe, die es wagt, trotz Gleichstands in den finalen Minuten risikoreich zu spielen und deshalb gegen Atletico Madrid siegt. Man möchte mit Blick auf die Finalturnier-Thematik also für einen kurzen Moment meinen, der Kalle könnte Recht haben. Zur eigenen Erleichterung: hat er nicht. Die Gegenargumente liefert der noch mächtigere Aleksander, der Chef aus Nyon, bei dessen Aussagen üblicherweise noch mehr Vorsicht geboten ist, der als Replik auf den Kalle (und andere Sympathisanten des Thrills) aber anführt, dass er bald wieder auf Fans in den Stadien hoffe.

Nun ist es wahrscheinlich so, dass die löbliche Aussage des Herrn Ceferin zwar nicht den eigentlichen Kern seines Interesses trifft – viel eher wird es ihm weiterhin um die größtmögliche Zahl an vermarktbaren Hin- und Rückspielen für die TV-Sender gehen –, sie ist aber das schlagende Argument im Für und Wider. So mag es möglich sein, Spieler von acht Teams in einer Stadt für fast zwei Wochen zu versammeln – zusätzlich noch Tausende (oder Hundertausende) Fans vor Ort zu haben, ist es dagegen nicht. Das wäre logistisch nur für wenige europäische Megastädte zu leisten – wenn überhaupt. Zudem bleibt der Fußball für die meisten aller Fans deshalb die liebste Nebensache der Welt, weil sie diese auch live im Stadion verfolgen können. Gebe es weniger Spiele an nur einem finalen Standort, bliebe Vielen dieser spezielle Thrill verwehrt.

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