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Thomas Tuchel und Antonio Conte – Zwei Männer in den Wechseljahren

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Von: Jan Christian Müller

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Die Streithähne: Antonio Conte (rechts) beim missglückten Handschlag mit Thomas Tuchel.
Die Streithähne: Antonio Conte (rechts) beim missglückten Handschlag mit Thomas Tuchel. © afp

Was zwei Startrainer aus der Premier League am Sonntag aufführen, bewegt sich unter Bolzplatzniveau. Nun wird gegen Thomas Tuchel und Antonio Conte vom Verband ermittelt.

Ein Jammer, dass Thomas Tuchel der Fußball-Bundesliga abhanden gekommen ist. Man benötigt ein Abo des Bezahlsenders Sky, um mitzukriegen, was der Chelsea-Trainer in England so treibt - mal abgesehen davon, dass die Ehe mit Gattin Sissi in die Brüche gegangen ist und er schon jüngeren Ersatz gefunden hat. Jedenfalls: Am Sonntag drohte unsereiner bei Mainz gegen Union und Bayern gegen Wolfsburg schon selig wegzudösen, ehe ein Programmwechsel Abhilfe verschaffte. London-Derby: Chelsea gegen Spurs. Tuchel, der dürre Hering, lässt den kompakt gebauten Kollegen Antonio Conte beim Handshake nach dem Spiel nicht los, dreht diesen dabei einmal halb um die eigene Achse, weil der Italiener an ihm vorbeischaut statt ihm in die Augen zu blicken. Conte geht in die Gegenoffensive. Ordnungspersonal und Beteiligte beider Klubs trennen die Alphamännchen mühevoll, die vom Schiedsrichter wegen offenkundig groben Fehlverhaltens jeweils Rot sehen.

Das ist einerseits eine Abendunterhaltung, die selbst neutrales Publikum in Wallung bringt und somit der Vermarktungsmaschine Premier League förderlich ist. Andererseits zeigt die live dargebotene Zwietracht Adrenalin-übersättigter Männer in den Wechseljahren auch, dass der mediale Hype um ihre Personen offenbar zu ungesunden Mutationen der Egos geführt hat.

Thomas Tuchel – zwischen Premier League und Bolzplatz

Tuchels Ärger über den Referee mitsamt Videoassistenten war nachvollziehbar, die Form, in der er seiner Empörung Luft verschaffte, bewegte sich indes unter Bolzplatzniveau. Man kennt derlei Verhaltensauffälligkeiten des feingliedrigen, aber nicht immer feinsinnigen Fußballprofessors aus alten Zeiten. Diesmal war wieder mal alles ein bisschen zu viel für sein Gerechtigkeitsempfinden, das bei Tuchel immer dann besonders sensibel reagiert, wenn er selbst betroffen ist.

Vor Tottenhams Ausgleich zum 1:1 gab es erst im Mittelfeld ein ungeahndet gebliebenes Tackling an Kai Havertz, das in jeder Liga außer der Premier League für ein Foulspiel gereicht hätte, dann beim Schuss von Pierre-Emile Höjbjerg eine Abseitsstellung, die nicht geahndet wurde. Tuchel war da schon außer sich.

Anthony Taylor: Früher Gefängniswärter, heute Schiedsrichter

Vor dem 2:2 durch Harry Kanes Kopfball in der sechsten Minute der Nachspielzeit hatte Spurs-Verteidiger Cristian Romero Chelsea-Profi Marc Cucurella an dessen Dreadlocks zu Boden gerissen, ohne dass Referee oder VAR die Tätlichkeit sanktionierten. Tuchel echauffierte sich argumentativ nachvollziehbar: „Seit wann darf man Spielern an den Haaren ziehen?“

Schiedsrichter Anthony Taylor, ein ehemaliger Gefängniswärter und einer der geachteten Unparteiischen weltweit, hatte keinen guten Tag, vor allem aber nicht die Kollegen im Video Assistent Center. Das gibt es offenbar nicht nur in Deutschland in seltenen Fällen. Dass Tuchel nun beleidigt vorschlägt, Taylor möge künftig kein Spiel seiner Blues mehr leiten, rundet das Niveau der Geschehnisse auch verbal nach unten ab. Der Verband ermittelt. (Jan Christian Müller)

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